• Das Grauen haust in der Toskana

    Kennt ihr das? Direkt vor einem blutet jemand aus Augen und Ohren oder eine dicke schwarze Spinne mit haarigen Beinen geht ihrer Wege, man ist entsetzt, geekelt, aber man kann nicht wegsehen. So ging es mir gestern Abend, nachdem ich von einem netten Spaziergang in Holland zurückkam, ein paar Karten geschrieben hatte und dann den Fernseher anmachte. Direkt das erste, was auf den Schirm kam, war eine Sendung mit dem Titel "Catch the Millionaire".

    Ich habe noch nie eine ganze Folge des Bachelors gesehen, langweile Handlung, sinnlose Gespräche und vorgestriges Frauenbild. All das gilt auch für die Sendung, die gestern Abend lief, trotzdem habe ich sie bis zum Schluss fasziniert angesehen.

    Etwas ist anders an dieser Sendung: Es gibt drei Männer, von denen wohl einer wirklich Knete hat, die beiden anderen sind ein Student und ein arbeitsloser Akademiker. Warum machen die Männer da mit? Ok, die beiden Nicht-Millionäre hoffen auf Sex, Urlaub, Gage und vielleicht eine Karriere als Bachelor, also als Kerl, der in den Medien auftritt und nichts tut, als Körper und Gesicht in die Kamera zu halten. Wenn man doch dafür besser bezahlt wird als für echte Arbeit, wieso nicht. Nur bei dem arbeitslosen Akademiker mit der lichten Haarpracht wird das schwierig, er könnte höchstens Prinz William doubeln, ansonsten wird er wohl weiter in seinem Jugendzimmer bei Papa und Mama hausen. Trotzdem fühlen beide sich in der Sendung offensichtlich schon fast wie echte Millionäre, mal sehen, wann die Frauen erfahren, dass sie arme Schlucker sind und sie wieder von der Bettkante stoßen.

    Der angeblich echte Millionär ist 30, auch schon ziemlich kahl, aber nicht hässlich und von Beruf "Joint CEO des Investors Marcol Group", was auch immer das sein mag. Ob die Geschäfte grad nicht so gut gehen? Wieso kann Mr. Wichtig seine Firma wochenlang allein lassen?

    Egal, es gibt ja auch noch 18 Frauen, zumindest am Anfang. Interessanterweise passiert zwischen den Frauen und den drei Traumprinzen - rein gar nichts! Die reden nicht mal wirklich miteinander. Bei einem gemeinsamen Abendessen kann mathematisch gesehen genau ein Drittel der Frauen ein Tischgespräch mit den Männern führen, ansonsten reden sie untereinander, z.B. über ekelige Austern. Ja ha, das hättet ihr nicht gedacht, dass es bei Millionärs zum Abendessen keine Pommes mit Würstchen gibt, oder?

    Sei es aus Gleichgültigkeit, Frust oder Dummheit, die Frauen handeln nach dem Prinzip: "Einen Millionär angelt man sich am besten durch prollige Sprache und Verhalten sowie übermäßigen Alkoholkonsum. Ein bisschen nuttige Vergangenheit kann auch nicht schaden." Kommt gut in der echten High Society, zum Glück erwarten diese Froschprinzen ja keinen geistigen Höhenflug oder auch nur gescheite Tischmanieren.

    Ach ja, die Frauen. Sie haben alle glamouröse Berufe und könnten notfalls einen Arbeitslosen, einen Studenten oder Pleite-Unternehmer durchfüttern, wollen sie aber nicht, natürlich im Gegenteil. Diverse Friseurinnen, Visagistinnen, Studentinnen mit Nebenjobs im Rotlichtgewerbe etc.  Mich faszinierte die Berufsbezeichnung "Groupier", so mehrfach verschriftlicht im Untertitel. Die Frau sieht man dann bei der Arbeit als Croupier. Aber  ich hatte ja ohnehin nicht den Eindruck, dass die Macher der Sendung klüger sind als ihre Komparsen.

    Direkt am ersten Abend werden drei Frauen rausgeworfen und dürfen nicht einmal in der schönen Villa in der Toskana übernachten. Am zweiten Abend wird Walzer getanzt, auf allerengstem Raum und längst nicht mit allen Frauen. Danach fliegen wieder drei raus. Darunter auch die einzige Quoten-Schwarze. Das hat mich ein bisschen gewundert, aber mit der hat in der ganzen Zeit auch keiner der Männer ein Wort gewechselt oder ein Tänzchen gewagt. Ja, das war dann auch schon alles, eine Handlung hat die Sendung nicht. Und die Quoten sind ziemlich schlecht, obwohl ich zugeschaut habe. Hey, ich habe Ferien, da kann man doch mal was Verrücktes tun.

     


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  • Commentaires

    1
    Samedi 27 Juillet 2013 à 16:00

    Ich dachte, um sich einen Millionär zu angeln, müsste man sich heute mindestens mit einer eine Maso-Anzeige bewerben - wer auf meinen Namen klickt, erfährt, dass die ersten Shades of grey-Babies da sind, das royal Baby gehört doch nicht etwa dazu?!

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