• Fahrn, fahrn, fahrn mit der Geisterbahn

    Einmal Bocholt - Mannheim und zurück. Das hört sich längst nicht so spannend an, wie es ist, wenn man die Strecke mit der Deutschen Bahn fährt. Sigrun, die (theoretisch) einen durchgehenden Zug von Osnabrück nach Mannheim hatte, vermisste die ganze Zeit schmerzlich ihr Auto. Mit Recht.

    Fahrn, fahrn, fahrn mit der Geisterbahn

     

    Freitag, 6. September

    10.33 Unsere brave Regionalbahn, der "Bocholter", fährt pünktlich ab und erreicht Wesel ohne Zwischenfälle. Mal abgesehen von einer Reisegruppe mittleren Alters, die sich gut ausgerüstet hat mit Bierdosen und schon bei der Abfahrt recht laut ist.

    11.06 Umsteigen in den Rheinexpress Richtung Düsseldorf. Die Verspätung ist minimal, außerdem habe ich in Düsseldorf 31 Minuten Zeit, ehe ich in den IC nach Mannheim steige, in dem Sigrun schon sitzt. Ich versuche, die muntere Reisegruppe zu meiden, die sich aber schließlich im Untergeschoss des gleichen Wagens niederlässt. Die Gespräche werden lauter und vulgärer, bis Düsseldorf ist für Unterhaltung gesorgt.

    12.27 Planmäßige Abfahrt in Düsseldorf. SMS von Sigrun mit aktueller Verspätungsmeldung und Umgestaltung der Reihenfolge der Wagen. Auch so kann man Zeit schinden, wenn die Fahrgäste ihre Wagen suchen, statt zügig einzusteigen.

    12.50 (ca.) Abfahrt in Düsseldorf. Begründung: Verspätung eines vorausfahrenden Zuges. Sigrun und ich machen den Versuch, uns ins Bordrestaurant zu setzen, weil wir nicht im gleichen Wagen sind und der Zug überfüllt ist. Dort ist es aber klein, voll, dreckig und heiß. Also besuchen wir uns von Zeit zu Zeit und simsen.

    Köln: Die Lok zeigt erste Ermüdungserscheinungen und verlangsamt ihr Tempo.

    Fahrn, fahrn, fahrn mit der GeisterbahnBonn: Es ist nicht gewiss, ob die Fahrt fortgesetzt werden kann. Schließlich wird aber die Lok von hinten nach vorn gesetzt, das dauert seine Zeit. Der Sinn erschließt sich uns Laien nicht. Oder ist es eine neue Lok? Es werden bereits Formulare und Informationen zu Fahrgastrechten in Aussicht gestellt, da die Verspätung eine Stunde überschritten hat. Da auch die Temperaturen steigen, kann man sich aus dem Bordrestaurant ein kaltes Getränk holen. Manche nehmen den langen Weg in die Bordsauna auf sich.

    Fahrn, fahrn, fahrn mit der GeisterbahnKoblenz: Mit Mühe hat sich der Zug nach Koblenz geschleppt, wo die muntere Reisegruppe aus dem Regionalexpress sicher längst angekommen ist und Anschluss an den ersten Rheinweinort hatte. Ich würde mich jetzt auch gern betrinken. Sigrun hat Hunger, verschmäht aber meine Müsliriegel und möchte Schweinebraten.
    Es werden öffentlich Überlegungen von Zugführer und Lokführer über Lautsprecher verkündet. Die Lok bekommt noch eine Chance und schleicht weiter am Rhein entlang. Die Aussicht entschädigt ein bisschen für das Ungemach.

    Fahrn, fahrn, fahrn mit der GeisterbahnBoppart: Laut Durchsage "schwächelt die Batterie der Lok erneut". Wir versuchen nochmal das Bordrestaurant, Sigrun hofft auf ein deftiges Mahl. Die Restaurantfrau weiß aber mehr als Passagiere, Zugführer und Lokführer zusammen. Sie gibt kein Essen mehr aus, weil wir mit Sicherheit gleich alle den Zug verlassen müssten. Zwei Flaschen kaltes Wasser schenkt sie uns noch, Sigrun kauft ein Sandwich, dann gehen wir leicht geschockt zu unseren Plätzen. Falls sie wirklich Recht haben sollte, möchten wir bei unserem Gepäck sein.

    Fahrn, fahrn, fahrn mit der GeisterbahnSt. Goar: Sie hatte Recht. Der Zug wird stillgelegt. Auf dem anderen Gleis soll ein ICE angehalten werden, um uns alle aufzunehmen. Was machen die jetzt mit dem Gegenverkehr? Es gibt offensichtlich nur zwei Gleise. Verspätung wegen eines liegengebliebenen Zuges, was sonst.
    Die außerplanmäßige Ankunft des ICE erfolgt mit außerplanmäßiger Verspätung. Dann beginnt der Kampf um die Stehplätze im Gang und Abstellplätze für Gepäck. Leider hatten wir nur eine Reservierung für den anderen Zug.Fahrn, fahrn, fahrn mit der Geisterbahn

    15.21 Planmäßige Ankunft in Mannheim.

    17.38 Ankunft in Mannheim.

    Der Rest des Tages ist dann noch schön, nettes Zimmer im 10. Stock mit Blick über die Stadt, Dusche, Abend in einem wunderbaren Lokal am Rheinufer.

      

     

     


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  • Commentaires

    1
    Mardi 10 Septembre 2013 à 22:03

    Ja, ja, wenn einer eine Reise tut ... Aber, als grenzenlose Optimistin finde ich ja immer noch in jeder Sache ein Gutes: wegen dieser Verspätung konnten wir bzw. ich das ansonsten für die Rückfahrt unbrauchbare Ticket (aufgrund eines Datumsfehlers) dann doch noch zur Rückfahrt am Sonntag nutzen. Wie heißt es immer so schön? Wer weiß, wozu es gut war ... in diesem Falle nutzte uns die Verspätung zum reibungslosen Durchsetzen unserer berechtigten Interessen ...

    2
    Mardi 10 Septembre 2013 à 22:36

    Interessantes Rezept. Ich mache Braten immer im Backofen, aber da kann man ja die ganzen Kräuter und Gemüse mit in den Bräter legen.

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