• Gottes Werk und Teufels Beitrag

    Jeder soll nach seiner Façon selig werden, aber muss es wirklich so bald sein?

    Im Angesicht der Corona-Krise kann man doch mal die Füße stillhalten und seinen Nächsten, den man bekanntlich lieben soll wie sich selbst, nicht mit seinen Viren anstecken.
    Memento moriNun liegt es anscheinend aber in der Natur von besonders streng oder fanatisch Gläubigen, Religion über Wissenschaft zu stellen und sich für unverwundbar zu halten, weil der HErr über Leben und Tod wacht. Und wenn es danebengeht, kommt der Teufel ins Spiel. Oder die Strafe Gottes für die Sünden der Welt.
    Ironischerweise haben in der aktuellen Pandemie diejenigen die besseren Überlebenschancen, die sich an die Ratschläge der Wissenschaft halten, während manche Glaubensgemeinschaften sich als Superspreader hervortun.
    Das war in Frankreich so, wo in Mulhouse ein Treffen von 2000 Anhängern der evangelikalen Freikirche "Eglise Porte ouverte chrétienne" zu einem der ersten Covid-19-Herde wurde, von wo sich das Virus in Frankreich, aber auch in Luxemburg und anderen Gebieten verbreitete.

    Nachdem jetzt wieder nach und nach alle Läden und Restaurants geöffnet werden, gibt es sicher keinen Grund, warum gerade Gotteshäuser geschlossen bleiben sollten. Andererseits kann ich, nur so zum Vergleich, zur Zeit keinen Aldi ohne Maske und Einkaufswagen betreten, statt Weihwasser wird mir zuweilen ein Desinfektionsmittel angeboten, im Laden bleibe ich nicht an einer Stelle stehen und verlasse den Ort möglichst bald wieder, wo ich mir draußen schnell die Hände desinfiziere. Zu anderen Kunden halte ich Abstand, und vor allem vermeide ich laute Reden, Gebete und Gesänge in den Gängen. Ein kurzes "Unser tägliches Brot gib uns heute" vor dem Backautomaten verrichte ich in aller Stille, auch mein Ave Maria für die gebenedeite Kassiererin findet nur im Kopf statt, während ich meine Karte an das Lesegerät halte und es vermeide, ihr dreckiges Kleingeld in die Hand zu zählen.
    Und so begab es sich, dass nach den Lockerungen kein Aldi oder irgendein anderer Laden zur Brutstätte neuer Covid-19-Infektionen wurde, sondern mal wieder ein Gebetshaus. Allerdings muss man den Großkirchen zugestehen, dass sie  offensichtlich verantwortlicher mit der Krankheit umgehen als ihre schrägen Ableger.
    Kiss KissHeute las ich in der Zeitung von einem Ausbruch in der Frankfurter Gemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten e.V., der sich weit in andere hessische Regionen zieht und eine große Zahl Infizierter hervorbrachte. Halleluja! Auf der Hompage seidheilig.de ist davon nichts zu lesen, interessanterweise gibt es die Seite auf Deutsch und Russisch, da fielen mir direkt die orthodoxen Russen ein, die sich nicht am Küssen ihrer Ikonen hindern ließen. In Russland hat sich das Virus ja auch sehr erfolgreich verbreitet, aber da spielt die Politik eher eine unrühmlich Rolle.

    Der Vorsitzende der Gemeinde, Eugen Steiger, soll im Krankenhaus liegen, sein Stellvertreter Wladimir Pritzkau hat wieder auf Online-Gottesdienste umgestellt.

    Am Sonntag Nachmittag legt die FAZ in ihrem Corona-Blog noch Zahlen nach, bei denen man sich fragt, ob auch Zungenküsse zum Ablauf der Messe gehörten:
    "Nach einem Gottesdienst in einer Kirchengemeinde der Baptisten in Frankfurt haben sich mindestens 107 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Das teilte Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag in Wiesbaden mit. Die Menschen lebten in Frankfurt und drei hessischen Landkreisen. Der Gottesdienst war bereits vor rund zwei Wochen. Zunächst war von mehr als 40 Infizierten die Rede gewesen."

    Andere evangelische oder baptistische Kirchen der Region machen derweil klar, dass sie mit diesem Verein nicht identisch sind.


    Tags Tags : , , ,
  • Commentaires

    Aucun commentaire pour le moment

    Suivre le flux RSS des commentaires


    Ajouter un commentaire

    Nom / Pseudo :

    E-mail (facultatif) :

    Site Web (facultatif) :

    Commentaire :