• Heiliger Philippus, bitte für uns!

    ... oder wie Mutter Kirche uns alle in ihre Arme nimmt und nicht mehr loslässt.

    Heiliger Philippus, bitte für uns!Meine Liebe zur Kirche beschränkt sich auf historische Bauwerke und meine Begeisterung für religiösen Kitsch. Ansonsten bin ich mit den Riten nicht mehr so richtig vertraut, man kommt einfach aus der Übung. Aber es kann nicht nur daran liegen, dass ich Philipps Taufe gestern als "pas très catholique" empfand.

    Zuerst das Alter der Kinder. Wurden Kinder nicht eigentlich möglichst bald nach der Geburt getauft? Innerhalb von drei Tagen! Wenn das Kind ungetauft stürbe, wäre seine Seele des Teufels. Ach ja, der Teufel, an den will auch keiner mehr glauben. Philipp und Lias, der andere Täufling, waren aber schon fast ein Jahr alt. Was natürlich den Vorteil hatte, dass die beiden die ganze Show sichtlich genießen konnten. Kein Geschrei, nur zufriedene Kinder. Aber auch kein Taufkleid, das hielt der Pfarrer nur mal kurz symbolisch vor das Kind.

    Dann die Kirche. St. Georg in Grevenbroich. Eine neue Kirche mit ein paar alten Elementen. Ein Opfer des Braunkohletagebaus. Die alte Kirche wurde entweiht, abgerissen, mit altem Torbogen und Altar an anderer Stelle wieder erbaut. Was in dem Fall nicht so ganz tragisch ist, da auch das alte Gebäude kein architektonisches Juwel war. Das macht Rheinbraun mit ganzen Dörfern, man wundert sich, dass sich das rechnet, während die Zechen im Ruhrgebiet unrentabel und geschlossen sind.

    Heiliger Philippus, bitte für uns!Weiter geht es mit den Taufpatinnen. Die sind nur Taufzeuginnen, denn die eine ist überhaupt nicht getauft, die andere griechisch-orthodox, was für die Katholiken ziemlich aufs Gleiche rauskommt. Aber beide mussten brav ihre Sprüche, Fürbitten und Glaubensbekenntnisse aufsagen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie nicht irgendwie heimlich mitgetauft wurden. Sicher gibt es da einen Paragraphen im kanonischen Recht. Überhaupt machte der Pfarrer ziemlich deutlich, dass die Taufe die Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche bedeutet und lebenslänglich gilt, ein Kirchenaustritt ist theologisch wahrscheinlich damit null und nichtig. Gut, dass ich das Lexikon für Theologie und Kirche bekommen habe, da kann ich das mal überprüfen. Den Taufzeuginnen war es egal, sie hatten im Vorfeld wichtigere Fragen zu klären, nämlich welches Outfit und besonders welche Schuhe sie wählen würden. Und ob Jana auf ihren neuen Schuhen laufen könnte. Sie konnte!

    Heiliger Philippus, bitte für uns!Schließlich die Taufe selbst. Alles irgendwie mehr angedeutet als ausgeführt. Hatte man uns noch über ein Taufbecken gehalten und mit Wasser begossen, kam der Pfarrer nun mit Schälchen, Kännchen, Handtüchlein, Wattebäuschen und Taufkleid zu den Kindern. Die waren entsprechend wenig beeindruckt und weinten nicht mal. Anna und Alexia merkten dann auch an, dass es in Griechenland ganz anders zur Sache ginge, da würden die Kinder richtig eingetaucht.

    Heiliger Philippus, bitte für uns!TaufkuchenFür den Pfarrer ist es aber bestimmt nicht einfach, eine feierliche Taufe durchzuführen, wenn alle Gäste mit Kameras durch die Kirche laufen und den besten Standort suchen. Und zum Glück hatte dieser Pfarrer eine kräftige Stimme, sonst wäre es mit dem Gesang auch nicht weit her gewesen. Vielleicht deshalb die Message: Ihr könnt so oberflächlich und heidnisch sein wie ihr wollt, aus dieser Nummer hier kommt ihr nicht raus.

     


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  • Commentaires

    1
    Sigrun Profil de Sigrun
    Lundi 29 Août 2011 à 22:25

    Das habe ich auch schon bemerkt. In meinem Bekanntenkreis wurde ein Mädchen mit 7 oder 8 getauft. Ich weiß jetzt aber nicht, ob die katholisch oder evangelisch sind. Ich kenne auch nur Säuglingstaufen.... alles andere ist Neuland für mich. Ich jedenfalls war noch nicht lange auf der Welt, als ich besprenkelt wurde....

    2
    TippderFehlerteufel
    Mardi 30 Août 2011 à 07:17

    Widersagst du dem Teufel? Ofer = Opfer. - Um das Kind einzutauchen, muss man's an der αχίλλειος πτέρνα festhalten, an der Stelle kann die Schlange dann reinbeißen. Und wenn die Kirch' voll Teufel wär?

    3
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Mardi 30 Août 2011 à 07:54

    Danke für's Korrekturlesen! Übrigens wurde tatsächlich viel widersagt, aber nur dem Bösen, nicht dem Teufel. Die Kirche tut sich keinen Gefallen mit ihren intellektuellen Auslegungen, die Leut wollen echte Teufel zum Fürchten und geheimnisvolle lateinische Sprüche zum Austreiben.

    4
    philippsmama
    Mardi 30 Août 2011 à 15:19

    ch finde als Heide sollte man sich nicht zu Sachen äußern , von denen man keine Ahnung hat. Wenn du die Kirche kritisieren willst solltest du etwas anderes zum Anlass nehmen als deine Familie.

    Barbara

     

    5
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Mardi 30 Août 2011 à 18:37

    Liebste Barbara, keinesfalls wollte ich deine großmütterlichen Gefühle verletzten, das tut mir jetzt wirklich leid. Aber lies nochmal genau, was ich da kritisiere, ist ja höchstens aus der Sicht eines alten Jesuitenpaters kritisierenswert. Im Gegenteil sind es die Dinge, die sich zum Glück gebessert haben. Ich bin nämlich nicht der Meinung, dass Kinder bei der Taufe leiden und weinen sollten, also ist es in Wirklichkeit positiv, dass sie alles mitkriegen und zufrieden sind, der Pfarrer auf sie  zukommt, sie nicht in ein komisches Taufkleid gesteckt werden, keiner mehr glaubt, sie würden vom Teufel geholt, wenn sie nicht ganz schnell getauft werden  etc. Auch dass die Taufzeuginnen nicht katholisch sein mussten, fand ich bemerkenswert aufgeschlossen, und über Janas tolle Schuhe würde ich ja nicht mal wagen, schlecht zu sprechen. Das mit der lebenslangen Aufnahme in die Gemeinschaft hat der Pfarrer aber wirklich gesagt, und die Glaubensbekenntnisse sind auch ziemlich eindeutig, nur ist das ja aus der Sicht der Kirche bestimmt wünschenswert, und andere setzen sich eben darüber hinweg. Dass die Rheinbraun Kirchen abreißt und wie, habe ich von Sieglinde. Wobei ja bei dieser Kirche das Modell zu sehen war, da fand ich schon, dass man die schönsten Teile der alten Kirche erhalten hat. Den Pfarrer habe ich aber doch wirklich gelobt, ich fand schon, dass er mit der gemischten Gesellschaft sehr geduldig und tolerant umgegangen ist. Also im Klartext: Es war eine sehr schöne Taufe mit zufriedenen Kindern und Eltern und anderen Verwandten, schicken Taufzeuginnen, schöner Feier und einer eben nicht verstaubten Zeremonie. Ich habe natürlich auch viel schönere Fotos, aber ich vermeide es, hier Gesichter ins Netz zu setzen, dieses kleine Foto kann man nicht vergrößern, ich denke, das geht noch. Ansonsten, sag nicht, dass ich keine Ahnung hätte, ich hatte immer eine 1 in Reli und ich besitze das Lexikon für Theolgie und Kirche. LG von deiner engelsgleichen Schwester.


     

    6
    papa42
    Mardi 30 Août 2011 à 19:07

    "Aber beide mussten brav ihre Sprüche, Fürbitten und Glaubensbekenntnisse aufsagen."

    Das ist so leider nicht richtig. Von "Müssen" kann man nicht reden. Die Idee mit den Fürbitten haben wir den beiden vorgeschlagen und sie gefragt, ob sie Lust dazu hätten. Und alles andere war ebenso freiwillig. Sie wurden nicht dazu gezwungen, etwas zu tun, wozu sie keine Lust hatten.


    Gruß,

    Papa

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    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Mardi 30 Août 2011 à 19:25

    Stimmt, aber die Fürbitten, die sie selbst geschrieben hatten, konnten sie nicht benutzen, weil der Pfarrer ihnen andere gegeben hat. Und in denen kam dann der religiöse Hintergrund der Taufe zum Tragen, was ja nicht schlimm ist, schließlich lässt man das Kind deswegen taufen. Die sie hatten, fand ich aber auch gut, und sie hatten sich dabei mehr Gedanken um das betreffende Kind gemacht.
    Den Punkt meinte ich aber schon ernst, ob die Taufzeugen nicht durch ihre Bekenntnisse bei der taufe selbst auch in die Gemeinschaft aufgenommen werden, also irgendwie mitgetauft. Nur das ist wirklich eine kirchenrechtliche  Frage.

    8
    engel59
    Jeudi 1er Septembre 2011 à 19:57

    Julie wurde mit 10 getauft, auch ganz beeindruckend! Aber zwei Jahre später wollte sie gar nicht mehr so weiter machen, ganz schön schwierig!

     

    Unser Priester lacht gern, und er trägt IMMER nur Sandalen, ohne Socken!

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