• Über die Toten soll man nur Gutes sagen. Oder gar nichts. Alles klar. Aber es geht auch zuviel des Guten.

    Helmut Kohl ist am Freitag gestorben. Mit 87 Jahren, da hatten natürlich alle ihre Nachrufe schon fertig geschrieben. Angela Merkl meldete sich aus Rom, den schwarzen Blazer hat sie wahrscheinlich immer dabei. Die europäischen Politiker waren auch ganz fix mit Trauerbekundungen, nur Donald Trump hatte ziemliche Verspätung, wahrscheinlich wusste er von nichts und wusste dann nicht, wer das überhaupt war. Jetzt soll Kohl einen europäischen Staatsakt bekommen und seine Leiche mit dem Schiff über den Rhein zum Dom nach Speyer gebracht werden. Grüße an die Nibelungen. Mal sehen, ob die Familie es dann doch eine Nummer kleiner möchte. Und Merkel schreibt sicher gerade Details in ihr Testament, ich glaube nicht, dass sie sich solch einen Totenkult wünscht. Ach ja, nun wird es auch massig Helmut-Kohl-Straßen und -Plätze geben. Könnte man das wohl auf Oggersheim beschränken?
    Kurfürstliches Oggersheim

     

    Fidel Castro, der im letzten Jahr gestorben ist, hatte sich übrigens verbeten, Straßen und Plätze in Cuba nach ihm zu benennen.


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  • Waffen können gefährlich sein.Gestern Morgen freute ich mich für meinen Neffen, weil er Mamas Auto nehmen durfte, um zu Rock am Ring zu fahren. Gestern Abend habe ich mich dann sehr erschreckt, weil das Gelände wegen eines Terrorverdachtes geräumt wurde. Zum Glück ist es den ca. 90 000 Besuchern gelungen, sich vom Acker zu machen, ohne sich gegenseitig totzutrampeln, was eine Glanzleistung an Coolness ist, zumal viele dabei auch noch lauten Gesang anstimmten.

    Ramm Stein?Aus der Ferne bin ich selbst allerdings nicht so cool, denn in der Logik von Attentätern macht ein Anschlag auf Rock am Ring absolut Sinn. Da kommt wirklich alles zusammen: Verhasste Musik, Ramadan und richtig viele Menschen. Wer da ein Massaker veranstaltet, bekommt einen Platz ganz oben im Highscore und wird zum König der Bekloppten.

    Mein Neffe hofft, dass es heute doch weitergeht und Rammstein noch auftreten, die kamen gestern nämlich nicht mehr dran.


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  • Was für ein spannendes Wochenende!  Tolle Entscheidungen standen und stehen an: Wer gewinnt den ESC, wieviele Punkte bekommt Deutschland, wer gewinnt die Wahlen in NRW, und was schenkt man zum Muttertag?

    Bei näherem Hinsehen ist es dann doch nicht so spannend. Den ESC hat ein Portugiese gewonnen mit einem hübschen Lied, bei dem ich mich zuerst gefragt habe, wieso er denn  La vie en rose zitiert? Ach, das war kein Zitat, sondern einfach sein Lied? Na dann, Gratulation an Edith Piaf.

    La vie en rose et vert

     

    Bei den Punkten für Deutschland lag ich knapp daneben, ich hätte auf den letzten Platz getippt, aber es gab einen Spanier, der noch weniger Punkte hatte. Immerhin bekam Deutschland drei Punkte von der irischen Jury, beim jährlichen Auslosen der Mitleidspunkte für Deutschland hatten die also dieses Jahr verloren. Dazu kamen drei liebevolle Punkte vom Publikum.

    Und schon geht es wieder los: Was ist da schiefgegangen, obwohl die Sängerin doch alles richtig gemacht hat? Echt jetzt? Gut, sie hatte keine absurde Kostümierung an, deshalb wahrscheinlich doch nicht der letzte Platz. Aber ernsthaft, man erschafft einen Gesangshomunkulus mit einem Lied aus der Retorte und fragt sich, warum das nicht der Brüller war? Schickt doch einfach Helene Fischer, dann wissen wir endlich, ob dieser Schrott den Europäern mehr wert ist als fünf Punkte. (Gerade lese ich, dass der Spiegel auch das nicht für die Lösung hält. Ich auch nicht, aber dann wäre die Fischer-Frage doch mal geklärt.) (*1)

    Nach meiner fast richtigen Wahlprognose zum ESC nun eine Prognose zur NRW-Wahl. Auch ziemlich vorhersehbar, wir werden in Zukunft eine große Koalition haben, wahrscheinlich mit Armin Laschet als Ministerpräsident, aber das ist ziemlich ausgeglichen, ca. 30 / 30 %, es könnte also auch Hannelore Kraft werden. Grüne, Linke, AfD auch etwa gleichauf bei ca. 6 %. Der große Sieger wird die FDP, und nur sie kann eine GroKo verhindern (*2), aber dann müsste sie sich mit den Grünen zusammenraufen. Es ist so zum Gähnen, mich interessiert eigentlich nur, wer dann an der Schule herumbasteln darf. Die SPD hat vor 40 Jahren mal eine richtig gute Oberstufenreform geschafft, aber das war die gute alte Zeit, heute sind Doktorspielchen angesagt. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie besser nicht Ihre LehrerInnen und SchülerInnen!

    Also bleibt die einzige Frage von Belang: Was schenke ich zum Muttertag? Darauf habe ich keine intelligente Antwort.

    (*1) Inzwischen hat sich die Fischer-Frage wohl auch so geklärt, jedenfalls war das Publikum not amused, als sie in der Halbzeitpause bei einem Fußballspiel gesungen hat. Da mich weder Helene Fischer noch Fußball interessieren, habe ich nur die Überschriften gelesen, aber dort war von einem Pfeifkonzert die Rede. Immerhin schaffte diese banale Tatsache es ziemlich ausführlich in alle Medien.

    (*2) Genau das macht sie, die schlechte alte FDP ist so stark geworden, dass sie mit der CDU die Regierung bilden kann, weil die Linke es denkbar knapp verpasst hat, in den Landtag zu kommen. Das hat sich auch nach erneuter Auszählung von Stimmen nicht geändert. Versuchter Wahlbetrug an der AfD? Wie dämlich muss man sein, denen so eine Vorlage zu liefern?


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  • Heute ist also die zweite Runde der französischen Präsidentschaftswahl*, mir ist eigentlich gar nicht bange darum, dass Macron Marine le Pen besiegt, das hat er auch schon in der ersten Runde getan.

    Votez!

     
    Das französische Gesetz, das es den Kandidaten untersagt, in den letzten beiden Tagen noch Wahlkampf zu machen, finde ich sehr sinnvoll, obwohl es für Macron gerade bitter erscheint, dass er sich zu den gehackten Dokumenten seines Wahlkampfteams nicht äußern darf. Es ist aber sicher ganz gut für ihn, dass er sich an der Twitter-Schlacht nicht beteiligt und auch Marine die Klappe halten muss. Dafür haben andere bereits bewiesen und dokumentiert, wie gefälschte Dokumente unter die echten gemischt wurden.

    Ob es nun aber Russen oder Amerikaner waren, die Marine un coup de main geben wollten, bleibt sich völlig gleich. Die Sprachbarriere bewirkt in diesem Fall Wunder, denn die schwachsinnigen Diskussionen auf Twitter finden in Englisch statt, viel auch auf Deutsch, einige fragten schon wehmütig, ob sich denn überhaupt Franzosen auf Macron.leaks aufhielten. Andererseits sind die geklauten Dokumente auf Französisch und von einer derartigen sachlichen Drögheit, dass die Meute damit inhaltlich nichts anfangen kann. Also ist man doch wieder auf Gerüchte, Vermutungen, Fakes und Fälschungen angewiesen, um sich selbst zu bestätigen.

    In Frankreich scheint man sich über die Anstrengungen und Anschuldigungen des rechten Anführers und Anstifters Jack Posobiec ohnehin eher zu amüsieren:
    "French mispelling ! Learn your French before trying to fake !!!"
    "Unfortunately for Jack here, French voters can read French "

    Wirklich problematisch finde ich, dass es anscheinend nicht wenige gibt, denen es letztlich egal ist, von einer rechtsextremen Präsidentin regiert zu werden, und das, obwohl sie sich für links halten.

    Ach ja, Marine, wenn es denn schon eine Frau sein sollte, bekäme doch wohl Merkel die Mehrheit.

    En marche les femmes!

     

     * Heute wird auch in Schleswig-Holstein gewählt, aber irgendwie hat das nicht die gleiche Strahlkraft wie die Präsidentschaftswahl in Frankreich. Désolée, Schwesterherz.


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  • Beziehungsweise: Lang leve de koning!

    Äußerst selten sind Nationalfeiertage bewegliche Feste. Na gut, bei uns ist der Tag auch vom 17. Juni auf den 3. Oktober gewandert, aber dass der Feiertag vom Geburtstag einer Person abhängt, ist doch eine niederländische Spezialität.

    Königin Beatrix hatte eine gewisse Kontinuität etabliert, weil der Geburtstag ihrer Mutter am 30. April besseres Wetter versprach als ihr eigener Geburtstag. Außerdem blieb es bei dem Namen Koninginnedag, so dass ich mich seit früher Jugend daran gewöhnen konnte, an welchem Tag im Jahr man in Kleve und Umgebung besser nicht in die Stadt ging oder gar mit dem Auto unterwegs war.

    Dummerweise hat sich alles geändert, der Koningsdag ist nun am 27. April, weil da seine Majestät Willem-Alexander Geburtstag hat. Und ich tappe in die Falle, fahre ausgerechnet gestern Nachmittag nach Kleve.

    Es wurde schon merkwürdig auf dem Weg dorthin, denn auf der A3 herrschte ein hohes Polizeiaufkommen, vor einem Rastplatz war sogar eine Fahrspur gesperrt und alle mussten sich einer optischen und z.T. auch physischen Kontrolle unterwerfen. Stau zwischen Rees und Emmerich hat man auch nicht alle Tage.

    Im Jahr 2009 war ein irrer Niederländer mit seinem Wagen in Appeldoorn in eine Menschenmenge gerast, hatte mehrere Menschen getötet und die Königsfamilie relativ knapp verfehlt. Offensichtlich wollte man in diesem Jahr vermeiden, dass womöglich solch ein Terrorist über die Autobahn aus Deutschland käme.

    Richtig übel war aber der Weg von der Autobahn über Emmerich nach Kleve. Alle Straßen und Schleichwege in alle Richtungen verstopft, meist mit niederländischen Autos. Denn was machen Niederländer am Feiertag? Genau, sie fahren zum Einkaufen nach Deutschland. Gern auch Alkohol in großen Mengen, denn der Koningsdag ist ein nationales Besäufnis.

    blanc rougeIch will aber nicht meckern, sondern mich an der lebendigen deutsch-niederländischen Frendschaft erfreuen. Außerdem könnte ich gleich auch mal nach Dinxperloo fahren und auf dem Markt Backfisch essen.

    Abends hatte ich dann Malkurs an der VHS Kleve und bemerkte die Beflaggung zur 775-Jahr-Feier an der Spitze der Schwanenburg. Das Klever Banner ist rot und weiß, meist mit dem Stadtwappen in der Mitte, aber im Abendlicht bemerkt man gar nicht, dass da Blau fehlt. Irgendwann kam die niederländische Kursleiterin freudestrahlend herein und erzählte begeistert, dass oben auf der Schwanenburg die niederländische Flagge wehen würde, weil heute Koningsdag wäre. Wir haben sie freundlich in ihrem Irrtum belassen, mal sehen, wie sie sich freut, dass Kleve jetzt auch in den nächsten Monaten niederländisch bleibt.


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  • Heute ein großer Aufreger in den Nachrichten: ein Kunde der Airline United wird gewaltsam aus dem Flugzeug gezerrt, seine Brille zerbrochen, einfach nur, weil United zuviele Plätze verkauft hatte und er nicht freiwillig seinen gebuchten und bezahlten Platz räumt. Das passt wunderbar in die Ferienzeit, wo viele Leute in Urlaub fliegen. Und in Zeiten von Handykameras und Internet führt sowas natürlich direkt dazu, dass die ganze Welt sich über United echauffiert. Am Ende musste United sich entschuldigen, aber die Aktien stiegen. Ist ja klar, eine Airline, der Profit über alles geht, gefällt den Aktionären.
    PS: Das scheint sich erledigt zu haben, inzwischen ist das Image so schlecht, dass die Aktien wieder verlieren.

    Mir ging dabei die ganze Zeit ein Lied im Kopf herum, dass ich vor langer Zeit gehört bzw. auf youtube gesehen hatte: United Breaks Guitars.  

    I flew United Airlines on my way to Nebraska
    The plane departed, Halifax, connecting in Chicago's "O'Hare". While on the ground, a passenger said from the seat behind me, "My God, they're throwing guitars out there"
    The band and I exchanged a look, best described as terror
    At the action on the tarmac, and knowing whose projectiles these would be
    So before I left Chicago, I alerted three employees
    Who showed complete indifference towards me

    United... (United...)
    You broke my Taylor Guitar
    United... (United...)
    Some big help you are
    You broke it, you should fix it
    You're liable, just admit it
    I should've flown with someone else
    Or gone by car

    Der Text geht noch weiter und erzählt die ganze Geschichte des unsäglich schlechten Kundendienstes. Ich habe mich nun wieder daran erinnert, wie dieser Kunde von United sich für die Zerstörung seiner Taylor Gitarre mit einem bösen Lied rächte. Der Sänger heißt David Carroll und hat sogar ein Buch über diese Sache und die Macht der sozialen Medien geschrieben. Auch die Gitarrenfirma Taylor hat sich dazu geäußert und Ratschläge zum Reisen mit und Reparieren von Gitarren gegeben. Ich habe irgendwo gelesen, dass sie dem Sänger auch eine neue Gitarre geschenkt haben, die Werbung war sicher mehr wert als 3000 $. David Carroll hat noch einen zweiten und dritten Song geschrieben. Im dritten geht es darum, dass United ihren Service dringend verbessern müssten. Haben sie anscheinend nicht, und sie haben auch immer noch nicht die Macht des Internets verstanden.

    Und auch Carroll hat sich inzwischen zu der Geschichte geäußert, will aber wohl keinen neuen Song schreiben. Ich hatte das Gefühl, dass er eher auf Disney-Freikarten aus ist.


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  • Kürzlich war ich mal wieder in Dinxperlo auf dem Freitagsmarkt, leider musste ich auf Backfisch verzichten, weil die Schlange vor dem Stand so lang war. Aber ich konnte doch einen gemütlichen Einkaufsbummel machen, dabei Osterhasen-Haarspangen für Julia und ein Hai-Shirt für Philipp bei Hema kaufen.

    Willem-Alexander und Máxima: Ihre zweite Tochter heißt Alexia.Dann war ich auch bei Kruidvat, einer Drogerie, in der man manchmal überraschende Funde macht. Zum Beispiel habe ich dort mal Kekse in einer wahrlich königlichen Dose gekauft, mit der ich eine Nichte erfreuen konnte, die schwer auf Personenkult steht und der ich dereinst meine Papsttasse vererben werde.Keine besonders vorteilhafte Darstellung Ach ja, es gab doch mal so eine Tasse mit alten Briefmarkenmotiven, das Modell wurde auch nicht mehr nachbestellt.
    Nun suchte ich also bei Kruidvat nach Objekten mit Personenkult, wurde aber nicht fündig. Dabei habe ich einfach nur nicht an der richtigen Stelle gesucht. Statt in der Keksabteilung hätte ich bei den Malbüchern gucken sollen.
    Nun ist es zu spät, das Malbuch wurde aus dem Verkehr gezogen, nachdem einigen Kunden nicht gefiel, was sie da sauber ausgemalt hatten.


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