• Schönheit des Verfalls

    Wie schön, Ildikoo hat mir die Absolution erteilt, obwohl ich kein Indoor-Museum so richtig besucht habe. Hiermit erkläre ich Madeira also zum Freilicht-Museum. Den historischen Teil konnte ich mit den Denkmälern abdecken, aber es gibt durchaus auch ein Kunstmuseum. Gibt es wirklich, aber ich meine in dem Fall die alte Beating ArtAltstadt, die zu zerfallen drohte und droht. Zum Glück haben Künstler begonnen, sich der alten Häuser anzunehmen und die Türen von bewohnten und unbewohnten Häusern zu bemalen, besonders in der Rua de Santa Maria. Natürlich alles mit Genehmigung, da ist man ganz brav auf Madeira, ich habe kaum Graffiti gesehen. Heute ist dieser Teil der Altstadt sehr beliebt bei Touristen und Gastronomen. Das könnte ihn retten vor der Neubaumanie.

    Zona Velha  Serviettentechnik  nach der Post schauen 
         
     offener Bücherschrank  come in  Reduktion
         
     schöne Aussicht  13 A  Mr. and Mrs. Smith
         
         

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  • Denkmäler sind eine denkwürdige Sache, die so Geehrten können sich auch meist nicht wehren, genauso wie die Bewohner einer Stadt, die sich inhaltlich oder künstlerisch mit so einem Denkmal nicht anfreunden mögen. Ein Beispiel ist wohl die neue Marx-Statue in Trier. Auch die Büste von Ronaldo am Flughafen ist der zweite Versuch, nachdem die Welt sich über die erste Büste lustig machte und sie wieder entfernt wurde

    NMIch bin Denkmälern gegenüber skeptisch, muss sie mir aber doch meistens ansehen,Nelson Mandela wenn eines am Wege steht. Selten oder wahrscheinlich nie habe ich aber so viele Denkmäler NM Seeseitegesehen wie in Madeira. Manche habe ich nicht verstanden, bei anderen habe ich den Bezug zu Madeira nicht verstanden. Zum Beispiel wurde im Sommer 2018 zu dessen hundertsten Geburtstag ein riesiges Monument für Nelson Denkmal für die Opfer der SklavereiMandela an der Meerespromenade in Funchal eingeweiht, aber die einzige Verbindung scheint zu sein, dass viele Menschen aus Madeira nach Südafrika ausgewandert sind. Das Denkmal ist allerdings wirklich sehr ansehnlich und keine kitschige Statue. Afrikaner werden übrigens mehrfach geehrt, da sich Madeira seiner Vergangenheit als Sklavenhalterregion bewusst ist.

     

    SissiAnders ergeht es der guten Sissi, die auch mal auf Madeira war und nun in einem HotelgartenHabsburger Karl I in der Nähe des Kasinos herumsteht, wo man ihr Blumen ansteckt und Selfies mit ihr macht. Auch der letzte Kaiser von Österreich, Karl I., den man nach dem ersten Weltkrieg ins Exil nach Madeira schickte und der hier starb, hat ein Denkmal neben der Kirche in Monte, wo sein Sarg steht.

    Józef PiłsudskiMan ist hier eben sehr international. Zwei Polen habe ich gefunden, einmal den Papst Wojtyła neben der Kathedrale, dann Marschall Józef Piłsudski, von polnischen Touristen geschmückt mit rot-weißen Bändern. Anders als Karl I., der sich in Madeira eine Lungenkrankheit zuzog, weil ihm das Geld ausging und er in eine feucht-kalte Behausung umziehen musste, wurde der Marschall hier wieder Johannes Paul IIgesund und feierte seinen Namenstag am 19. März, was die Post an den Rand ihrer Möglichkeiten brachte, als er mehr als eine Million Glückwunschbriefe und -karten bekam.

    Cristoph Kolumbus hat mehrfach Rast gemacht auf Madeira, um auf dem Weg nach Amerika aufzutanken, das bringt ihm neben Straßennamen und einem Berufskolleg natürlich ein riesiges Standbild ein.

    Hier malte ChurchillVon Winston Churchill, der auf Madeira seine Liebe zur Malerei entdeckte, habe ich allerdings kein Denkmal gesehen, nur eine Platte an einer Mauer in Câmara de Lobos , wo er meist mit seiner Staffelei gestanden hatte.


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  • Während Ildikoo sich endlich den Traum erfüllte, nach Emden und an die Nordsee zu fahren, den Pilsumer Leuchtturm zu besuchen und in ostfriesischer Gemütlichkeit zu schwelgen, hatte ich mich für eine Insel im Atlantik entschieden im festen Glauben, dort würde es deutlich kühler sein als in Deutschland, wo dieser Sommer regenlos zwischen 30 und 40 Grad verharrt. Na ja, vielleicht war es ein bisschen kühler und es wehte zuweilen ein Lüftchen, aber eigentlich war es auch auf Madeira heiß. Allerdings war es dort grün und abends zogen Wolken über den Bergen auf, die sich dann während der Nacht in die Levadas ergossen, das ausgeklügelte traditionelle Bewässerungssystem der Insel.

    Best Madeira Wine  Best Champagne  Best postcards 

    Jetzt hat die gute Idikoo sogar ihren Blog mit Bildern aus Ostfriesland versorgt und verlangt von mir, dass ich auch etwas über meine Reise schreibe. Nun denn.

    Quinta bei NachtBest CiderMein Hotel in Funchal war ein altes Herrenhaus, die Quinta Perestrello, zehn Fußminuten vom Stadtzentrum entfernt und zur anderen Seite hin an der Estrada Monumental, wo sich zahlreiche Läden und Restaurants befinden. Dort liegt auch das Hole in One, das zu meinem Lieblingspub wurde, weil es dort so wunderbaren Cider gab.

    Best Irish Pub  Best French Fries   

    Mein erster Abendspaziergang führte die Estrada Monumental hinunter, zuerst an einem kleinen Supermarkt vorbei, der Postkarten für 25 Cent verkaufte, aber auch Champagner für 179,95 Euro. Natürlich gab es auch Madeirawein in diversen Preisklassen und Perrier, die beiden wichtigsten Bedürfnisse konnten also jederzeit gestillt werden. Postkarten und Sprudelwasser, was sonst. Tanz mit Aluhut
    Danach sah ich noch diverse nette Restaurants, in einem gab es Folkloretanz und ich bemerkte zum ersten Mal die traditionellen Trachten mit den eigenartigen Mützen, die aussehen wie bestickte Aluhüte.
    Verpasste GelegenheitDort entdeckte ich auch den Laden, in dem Korktaschen und -täschchen im Angebot waren, leider habe ich mich beherrscht und keine Taschen gekauft, auch später nicht. Am Schluss blieb ich dann beim Cider im Pub hängen. Voilà ma chère, Funchal versus Emden, Atlantik versus Nordsee, Pool versus Watt, Ronaldo versus Otto, il n'y a pas de gagnante.


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  • St. QuirinusDenkmalGestern Sturm, heute Regen, das triste Wetter bleibt uns erhalten. Zumindest ist es nicht kalt, aber das kommt noch, all meinen Tulpen und Narzissen zum Trotz, die sich schon  weit aus der Erde schieben.

    Heilige FamilieAuf der Suche nach einer Ruine, die ich immer noch nicht gefunden habe, bin ich letztlich in Millingen gelandet. Nicht Millingen am Rhein in den Niederlanden, das nicht weit von Kleve liegt, sondern Millingen, Ortsteil von Rees. Tristesse pur, aber es gibt einen Bahnhof, eine denkmalgeschützte Kirche und eine schöne zukünftige Ruine, nämlich den Gasthof zur Post. Eine Post gibt es nicht wirklich, nur so eine Wie geht's dir, altes Haus?Postfiliale in einem Laden. Ich bin dann mal in die St. Quirinus-Kirche gegangen, weil sie ein Denkmal aus dem 15. Jahrhundert ist, weil ich mit Quirinus immer den Quirinusplatz in Bonn verbinde, wo meine Straßenbahnen ihre Wendeschleife machten, und weil ich eine Krippe sehen wollte. In meinem Dorf kamen die hl. Könige immer erst am 6. Januar in die Krippe, und so scheint es auch in Millingen zu sein. Schöne Kirche, nette Krippe, aber ein bisschen strange, weil Maria und Jesus so blond sind.

    Über Jesus und wie er aussah gibt es ja durchaus unterschiedliche Theorien, manche untersuchen das Turiner Leichentuch, andere passen ihn einfach ihrer Kultur und ihrem Geschmack an. Ich persönlich kann damit leben, seine Gesichtszüge und Klamotten nicht zu kennen, bin aber sicher, dass er wie ein Mensch aus dem Nahen Osten aussah, der er ja war, also schwarze Haare, braune Augen, vermutlich Bart. Dass man früher naiv mit der Darstellung umgegangen ist, finde ich verständlich, aber heute ist es doch eher dümmlich bis zuweilen rassistisch. Man will halt nicht, dass die heilige Familie aussieht wie eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien.
    Jesus Christ, SuperstarIch bekomme manchmal Freundschaftsanfragen auf Facebook, die ich niemandem zuordnen kann, die nehme ich auch nicht an, aber ich sehe mir schon das Profil an. So habe ich eine Anfrage bekommen von einer offensichtlich religiösen und rechten Dame aus den USA, die auf ihrer Seite dieses Bild von Jesus postet, verbunden mit diversen Aufforderungen: Don't worry, pray. Like and share if you agree. Agree womit?

    (Die Aufforderung zum Teilen steht übrigens unter fast jedem Foto auf ihrer Seite, eigene Beiträge schreibt sie auch nicht. Aber warum will sie mich zur Freundin?)


    "Free Daily Devotional: http://pbwu.org/dw

    Less worry and more prayer! Your Heavenly Father has everything under control and His plans are unfolding exactly how He designed them. Take your worries and cares to God....and leave them with Him!!! Can I get an amen???
    "

    Ich hätte in dem Kontext auch Amen groß geschrieben und mich auf ein Fragezeichen beschränkt, was soll der ganze Zweifel, wenn man doch so dicke ist mit dem hübschen Jesus. Und vor allem: Warum wählt man dann Trump?

     


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  • Laon: Blick nach untenEs war eigentlich keine Absicht, aber auf meiner kleinen Reise im Norden Frankreichs haben sich meine Wege doch einige Male überschnitten mit denen, die Victor Hugo im Jahre 1835 wählte, als er u.a. auch Laon, La Fère und Abbeville besuchte, so wie ich. Gare de Laon

     

    Einige Eindrücke seiner Reise konnte ich durchaus nachvollziehen, so zum Beispiel die Bewunderung für die Stadt Laon, in der ihm alles gefiel außer seinem ranzigen Hotel, in dem er schlecht gegessen hatte und dem Wirt ein Gedicht auf der Wand hinterließ. Plat pricipalDas Hotel "La Hure" (nein, nicht was man jetzt denkt, hure heißt Tierkopf, Schweinskopf) hat logischerweise auch nicht den Lauf der Zeit überstanden, an meinem Ibis hatte ich dagegen nichts auszusetzen, obwohl es nicht in der schönen Altstadt liegt. Man konnte dort sogar gut und günstig essen, nicht nur Automatensnacks. Einen anderen Vorteil, den ich genießen konnte, war der Wagen, der mir immer zur Verfügung stand, wogegen Hugo sich in seinen Briefen beschwerte, dass er manchmal nur mit Schwierigkeiten einen bekam. Deshalb konnte ich wie Hugo aufs Geratewohl reisen, ohne jedoch lange Dessert im Relais CharlemagneFußmärsche auf mich zu nehmen: Je voyage fort au hasard, faisant quelquefois de bons bouts de route à pied et trouvant des voitures à grand’peine. (En voyage, tome II (Hugo, éd. 1910)/France et Belgique/A/8)

     

    Wie Hugo gefällt auch mir die Stadt Laon ausnehmend gut:

    Laon by nightJ’ai quitté Laon ce matin, vieille ville avec une cathédrale qui est une autre ville, dedans ; une immense cathédrale qui devait porter six tours et qui en a quatre, quatre tours presque byzantines à jour comme des flèches du seizième siècle. Tout est beau à Laon, les églises, les maisons, les environs, tout, excepté l’horrible auberge de la Hure j’ai couché et sur le mur de laquelle j’ai écrit ce petit adieu :
    à l’aubergiste de la « hure ».

    Vendeur de fricot frelaté.
    Hôtelier chez qui se fricasse
    L’ordure avec la saleté,
    Gargotier chez qui l’on ramasse
    Soupe maigre et vaisselle grasse
    Et tous les poux de la cité.
    Ton auberge comme ta face
    Est hure pour la bonne grâce
    Et grouin pour la propreté !

    Il faut te dire que l’aubergiste est insolent par-dessus le marché. Il vous fait manger du poulet crevé et vous rit au nez, le drôle.

    Me voici maintenant à La Fère et je t’écris en attendant un déjeuner tel quel que je vais partager avec trois faces stupides et campagnardes. Il y a des chasses peintes sur le mur de l’auberge. J’ai remarqué que cela est de mauvais augure. Cela veut dire qu’on n’aura pas d’autre gibier qu’en peinture.

    CathédraleVoici, j’espère, mon Adèle bien-aimée, une longue lettre. Je compte sur de bien longues lettres de toi aussi, sur des descriptions de tout ce qui t’arrive, de tout ce que tu vois, de tout ce que tu fais. La prochaine fois j’écrirai à notre chère petite Poupée. Il faut qu’elle m’écrive en attendant. Serre bien pour moi la main de ton excellent père, qui se sera retrempé dans sa Bretagne, et que j’aime comme tu sais.

    Adieu, mon pauvre ange, on m’appelle pour déjeuner, j’ai à peine le temps de terminer cette lettre. Mille amitiés à nos amis. Dis-leur combien je suis à eux du fond du cœur.

    Et à toi avant tout, mon Adèle.

    V.

    Je pars pour Saint-Quentin j’arriverai ce soir. J’aurai bien de la joie à te revoir, et nos chers petits.Cathédrale de Laon

     

    Nun hatte ich auf der Fahrt nicht nur Victor Hugo an meiner Seite, sondern auch Marcel Proust, denn eine liebe Freundin hatte sich die Suche nach der verlorenen Zeit als Hörbuch angeschafft und mochte Prousts Stil und Inhalte dann doch nicht, weshalb ich diese umfangreiche CD-Sammlung als Dauerleihgabe bekam. Den ersten Teil habe ich schon einmal mit auf die Reise nach Frankreich genommen, nun hatte ich den zweiten Teil der Guermantes dabei und konnte stundenlang in geistreichen Anspielungen auf Kunst, Literatur, Architektur und Gourmandise schwelgen.Nouvelle ville Sogar mein Lokalpatriotismus wurde bedient, da Proust Kleve einige Male erwähnt. Auf Victor Hugo geht er sogar ziemlich ausführlich ein. Sicherlich habe ich nicht so gut gespeist wie der Duc de Guermantes, aber auch nicht so schlecht wie Hugo in Laon. Im Relais Charlemagne in Samoussy, wo unsere Tagung zum 20jährigen Bestehen der Varnhagen Gesellschaft stattfand, aßen wir sogar sehr gut und mit dem Segen des Gault Millaut.


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  • Armer AbelardVor ungefähr vierzig Jahren war ich zum ersten Mal in Laon in der Picardie, damals einfach nur aus Zufall.

     

     

     

    Aber ich mochte die schöne mittelalterliche Oberstadt mit ihrer gothischen Kathedrale.

     

     

     

     

    Seitdem ist Laon so ein bisschen ein Sehnsuchtsort für mich, quasi mein Carcassonne in Reichweite einer Autofahrt. Diesmal war ich nicht allein und hatte sogar eine Führung, bei der ich so ganz nebenbei und wieder mehr zufällig viele enge Gassen entdecken konnte. Leider wurde vor einiger Zeit die POMA, die berühmte Seilbahn zwischen Ober- und Unterstadt, gegen den Protest der Bürger für immer abgestellt, auch der Gemüseaufzug aus früheren Jahrhunderten rostet leise vor sich hin. Dabei finde ich beide viel charmanter als den Transport über die Serpentinenstraßen.


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  • Shakespeare in DublinGut, wenn man für seine Reise eine Hitliste dessen hat, was man unbedingt sehen oder tun will. Meine Nummer 1 war die Bibliothek des Trinity College, Nummer 2 war die Hauptpost, Nummer 3 das Writers' Museum. Die habe ich alle gesehen, beim nächsten Besuch, der ganz sicher kommen wird, übernehme ich dann die Nummer 2 und 3 meiner Reisebegleitung, die ich diesmal leider nicht sehen konnte.

    Dublin gefiel mir auf Anhieb, bereits auf der Taxifahrt vom Flughafen durch die Vorstädte war ich sehr angetan, das hat man ja selten bei Vorstädten.

    Wissen und Schönheit  Weisheit und Pracht 

    Ich möchte eure Rücken streichelnDas Trinity College und seine Bibliothek sind einfach fantastisch, selbst wenn man die Bücher nicht anfassen und auch nur wenige Titel lesen kann. Es gibt einen Lesesaal, möglicherweise hätte man da sogar eine Chance. Aber es reicht schon, diese geballte Weisheit und Schönheit optisch aufzunehmen. Erstaunlicherweise gab es kein Gedrängel, wohl, weil die Jugendgruppen doch eher schnellen Schrittes durch die heiligen Hallen eilen. Ich dagegen würde gern dort einziehen.

     


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