•  Textbausteine – Ein Fortsetzungsdrama mit ungewissem Ausgang©

      4. Akt

    Abend in Berlin. der Bundesverteidigungsminister und die Bundeskanzlerin sitzen im Arbeitszimmer von Angela Merkel. Merkel trinkt Leitungswasser mit Aspirin.

    Merkel: Et tu Brute?

    Karl-Theodor: Hä?

    Merkel: Auch du, mein Sohn Brutus? Womit habe ich das verdient? Was habe ich da bloß für ein Kabinett? Wie sollen wir da wieder gewählt werden?

    Karl-Theodor: Aber Hoheit, ich bin doch immer Ihr Superstar gewesen, Ihr Kronprinz. Garant für Wiederwahl. Ich liefere die beste Show ab, sehe am besten aus, habe die blondeste Frau und bin von adeliger Herkunft.

    Merkel: Wir sind doch nicht bei DSDS, und für Sie gibt es keinen Recall.

    Karl-Theodor: Drei Viertel der Deutschen wollen mich.

    Merkel: Nochmal. Wir sind nicht bei DSDS, das Publikum entscheidet nicht, wer in die nächste Runde kommt.

    Karl-Theodor: Wenn Sie mich nicht hätten, wäre Westerwelle ganz allein Außenminister.

    Merkel (stöhnt und wirft eine weitere Aspirin in ihr Glas): Was haben Sie sich bloß dabei gedacht? Wieso haben Sie diese dämlichen Zitate nicht einfach in die Fußnoten aufgenommen?

    Karl-Theodor: Was weiß denn ich. Ich habe die Arbeit auch erst am letzten Wochenende so richtig gelesen. Mir wurde versichert, dass alles Eigenleistung der Autoren war.

    Merkel (klingelt, der Sekretär tritt ein): Ich brauche mehr Aspirin. Und Wasser.

    Karl-Theodor: Könnte ich vielleicht ein Gläschen Prosecco ...?

    Merkel: Im Internet gibt es schon eigene Seiten, um Ihre Plagiate aufzudecken.

    Karl-Theodor: Stephanie sagt auch immer, dass dieses Internet nur Probleme bringt. Kann man nicht den Namen Guttenberg bei google verbieten lassen?

    Merkel: Sicher, gleich morgen. Und Sie geben eine Erklärung für die Presse ab.

    Karl-Theodor: Kein Problem, ich werde sagen, dass ich Fehler gemacht habe, die mir leid tun. Aber die Arbeit bleibt mein eigenes Werk. Die Menschen im Lande kennen doch ohnehin nicht den Unterschied zwischen Abschreiben und Zitieren.

    Merkel: Geniale Idee, bei der Presse abzuschreiben.

    Karl-Theodor: Ich bin unschuldig, das war ich nicht.

    Merkel: Apropos Presse. Sie sollten auch Ihren Lebenslauf überarbeiten.

    Karl-Theodor: Wieso?

    Merkel: Vielleicht brauchen Sie bald einen neuen Job. 

     


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  •  Textbausteine – Ein Fortsetzungsdrama mit ungewissem Ausgang©

     3. Akt

     

    BrotzeitMensa der Universität Bayreuth, Speisesaal für Mitarbeiter. Prof. Peter Häberle tritt schnaubend ein, sieht Prof. Rudolf Streinz, der gerade eine Weißwurst verzehrt, und knallt ein Buch (1) des Bundesverteidigungsministers sowie eine Zeitung auf den Tisch.

    Häberle: Die Gorch Fock geht unter. Gotte schütze uns!

    Streinz: Herr Kollege, keine Metaphern bitte! Was ist los?

    Häberle: Bremen, das war doch immer schon eine Brutstätte der Anarchie. (schnappt nach Luft)

    Streinz: Ja, schon, aber Bremen ist weit weg. Worüber erregen Sie sich so?

    Häberle: Dieser Fischer-Lescano wühlt im Dreck und wirft damit nach uns.

    Streinz (genervt): Keine Metaphern, Herr Kollege! Was ist los mit Fischer-Lescano?

    Häberle: Er hat dem obersten Soldaten den Stahlhelm vom Kopf geschlagen.

    Streinz (ungehalten): Keine ...

    Häberle: Ja, schon gut. Er will die Dissertation des Herrn Bundesverteidigungsministers als Plagiat enttarnt haben.

    Streinz (erblasst): Dann hat er sie gelesen?

    AdventskalenderHäberle: Gelesen und gegoogelt, verdammter Schnüffler. Dabei will er auf einen Artikel der NZZ gestoßen sein.

    Streinz: Na und? Kann man doch zitieren.

    Häberle: Kann man, aber abschreiben ohne Quellenangabe?

    Streinz: Kann man doch mal vergessen.

    Häberle: Natürlich. Der Herr Baron hat ja viel um die Ohren. Und die Dissertation war doch gut. Ich habe mehrere Passagen gelesen.

    Streinz: Sehr gut, um nicht zu sagen summa cum laude.

    Häberle (mit erstickter Stimme): Das ist das Problem. Unser Ruf. Der Ruf der Fakultät. Musste er den Blödsinn (2) denn auch noch veröffentlichen? (Er beginnt leise zu weinen.)

    Streinz (ebenfalls mit erstickter Stimme): Um den König zu schützen, wird man wohl ein paar Bauern opfern müssen.

    Häberle (mit letzter Kraft): Verdammt, keine Metaphern!

      

    ( 1) Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg: "Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU", Duncker & Humblot, Berlin 2009.

    (2) "Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe." (K-T FzG). Müsste es nicht eigentlich heißen: "Ich stehe dazu, dass ich Blödsinn geschrieben habe?" Bzw. war es ja kein Blödsinn und er hat es auch nicht geschrieben. Also doch "dass ich Blödsinn gemacht habe".

     

      


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    Textbausteine – Ein Fortsetzungsdrama mit ungewissem Ausgang©

    textbausteine2. Akt

    Kleiner Konferenzraum auf Schloss Guttenberg. Karl Theodor, Stephanie und mehrere Mitarbeiter Karl Theodors sitzen bei Tee und Gebäck.

    Karl Theodor: Ich freue mich, Sie in unserem schönen Franken zu begrüßen. Dieses Wochenende soll ein kleines Dankeschön sein für Ihre Loyalität und gute Arbeit.

    Stephanie: Und da sind wir auch schon beim Thema. Loyalität und gute Arbeit. So sichert man heute seinen Arbeitsplatz.

    Die Mitarbeiter sehen sich erschreckt an.

    Karl Theodor: Keine Sorge, niemand verliert seinen Arbeitsplatz, der zu außerordentlichen Anstrengungen bereit ist. Und solange ich Abgeordneter bin, habe ich ein Büro zu besetzen.

    Stephanie: Außerordentliche Anstrengungen, um ein Büro zu besetzen. Abgeordneter bleiben, vielleicht gar Verteidigungsminister werden. Und dann Kaiser, wer weiß.

    Karl Theodor: Kanzler, Schatz.

    Stephanie: Pardon, die Nostalgie reißt mich manchmal mit.

    Karl Theodor: Schon gut, wenn ich erst Kanzler bin, lasse ich den Adel wieder einführen.

    Stephanie (rührt verträumt in ihrer Tasse aus Meißner Porzellan): Ach, die gute alte Zeit.

    Die Mitarbeiter rutschen unruhig auf den Stühlen herum.

    Karl Theodor: Entschuldigung. Ich will Sie nicht länger aufhalten und gleich auf den Punkt kommen. Zur Sicherung Ihrer Arbeitsplätze wäre es gut, wenn ich einen Doktortitel hätte.

    Stephanie: Leider hat mein Gatte nicht viel Zeit. Da sind Sie als loyale, kompetente und fleißige Mitarbeiter gefragt.

    Karl Theodor: Und verschwiegene, natürlich.

    Stephanie: Selbstredend. Wir haben uns verstanden?

    Die Mitarbeiter nicken stumm.

    Karl Theodor: Gut, dann au travail. Wenn Sie noch Tee möchten, klingeln Sie einfach!

    Stephanie und Karl Theodor verlassen die Bibliothek.

     

    Mitarbeiter: Sieh mal, hier liegen die Bild und die FAZ. Welche sollen wir nehmen?

     


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  • Saint Paul de VenceTextbausteine – Ein Fortsetzungsdrama mit ungewissem Ausgang©

     

     1. Akt

    8 Uhr morgens auf Schloss Guttenberg. Stephanie und Karl Theodor sitzen beim Frühstück.

    Karl Theodor legt die Bildzeitung beiseite und räuspert sich.

    Karl Theodor: Sag mal, Steffi, gab es eigentlich schon mal einen Bundeskanzler ohne Hochschulstudium und Doktortitel?

    Stephanie (legt die FAZ beiseite): Zählen Dr. hc. auch?

    Karl Theodor: Klar doch.

    Stephanie: Ja, dann nur Willy Brandt.

    Karl Theodor: Ausgerechnet!

    Stephanie: Aber wer weiß, vielleicht hatte er ja einen Doktorhut aus Moskau oder Zielona Góra und hat nicht damit angegeben. Er hatte ja kein richtiges Gefühl für Ehrungen und Titel.

    Karl Theodor: Komischer Kauz! Das hätte doch den Makel seiner Geburt etwas gelindert.

    Stephanie (bearbeitet ihr Laptop): Bei wikipedia steht nichts. Auch nichts von Studium.

    Karl Theodor seufzt schmerzerfüllt.

    Stephanie: Aber Schatz, du hast doch Jura studiert. Und Politikwissenschaft. Was ist eigentlich daraus geworden?

    Karl Theodor: Ach, frag nicht, das war in München, da hatte niemand Respekt vor meinem guten Namen.

    Stephanie: Zum Glück ist das in Bayreuth anders.

    Karl Theodor: Das will ich doch hoffen. Aber Bayreuth, na, du weißt schon.

    Stephanie: Was quält dich denn eigentlich?

    Karl Theodor: Ach, manchmal komme ich mir so unbedeutend vor. Aber darum habe ich beschlossen: Wir werden Kanzler.

    Stephanie (kichert): WIR waren schon Kanzler. Ich meine, wir, die von Bismarcks.

    Karl Theodor (stöhnt gequält): Siehst du, nicht mal du nimmst mich ernst. Und ohne Doktortitel ist Kanzlersein peinlich. Ich bin doch kein Sozi.

    Stephanie: Sollen die Bayreuther dir doch einen Dr. hc. geben.

    Karl Theodor: Bloß wofür?

    Stephanie: Bestgekleideter CSU-Politiker mit perfekter Frisur?

    Karl Theodor: Hast du etwa mehr zu bieten?

    Stephanie: Schon gut.

    Karl Theodor: Ich muss halt eine Dissertation schreiben, so machen es andere auch.

    Stephanie: Ach Gutti, andere können das aber auch. Und die lesen irre viel. Das braucht Zeit. Willst du Jahre deines Lebens am Bücherstaub schnüffeln, während draußen der Champagner fließt?

    Karl Theodor (grummelt): Champagner wäre gut, aber da draußen fließt ja immer nur Weißbier. Ich muss hier raus.

    Stephanie: Nimm doch mal meine Zeitung und lies ein Stück. Wenn dir das gefällt, kannst du es ja versuchen.

    Karl Theodor (nimmt die FAZ): Das ist brillant formuliert, ich würde es glatt so übernehmen. (1)

    Stephanie (versonnen): So könnte es klappen. Schatz, ich rufe mal ein paar Bekannte an, ich habe eine Strategie.

    Karl Theodor: Was würde ich ohne dich tun. Ich geh dann mal meine Haare gelen, du machst das schon.

    Stephanie: Mach ich. Du schreibst deine Dissertation und ich kümmere mich um Kinder und Welpen, dann werden wir Kanzler der Herzen.

    Einige Minuten später, Stephanie ist am Telefon.

    Stephanie: New York, Florenz, Straßburg, Southampton, Leeds? Verdammte Hacke! (2)

     

    (1) Nicht nur die FAZ formuliert brillant, auch die NZZ.

    (2) Fußnote


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    Amies et Amis - Freundinnen und Freunde Am 28sten August 1749, mittags mit dem Glockenschlag zwölf,
    kam ich in Frankfurt am Main auf die Welt.

    (Johann Wolfgang von Goethe - Dichtung und Wahrheit)

    Happy birthday!

                   

    Geschenke, über die Goethe sich nicht unbedingtAmies et Amis - Freundinnen und Freunde gefreut hätte: eine geschmackvolle Lampe, eine Handpuppe und Goethes Faust. Für den kleinen Geldbeutel die Goethe-Tasse, den Goethe-Schirm, die Fausthandschuhe und den Kühlschrankmagneten. Oder ein Ginko-Pflänzchen für die Fensterbank. 

      Amies et Amis - Freundinnen und Freunde

      Amies et Amis - Freundinnen und Freunde

     

     

     Amies et Amis - Freundinnen und Freunde

      

    Amies et Amis - Freundinnen und Freunde 

     

    Amies et Amis - Freundinnen und Freunde"Goethe war der größte Deutsche, nicht nur der größte deutsche Dichter." - Karl Marx und Friedrich Engels in einem Aufsatz

    "Man fragt sich nur, wieso Goethe in diesem Lande existieren konnte." - Walter Hasenclever

    "Wie konnte es geschehen, dass es nach dem Erscheinen von Goethes Werther zu einer Selbstmordwelle kam und beim Erscheinen meiner Tagebücher eine Antiselbstmordwelle einsetzte?" - Anaïs Nin, Der Künstler als Magier

    (Beitrag von Petit Larousse)

      

      

    Goethe und Kleve

    Ja, genau! Goethe und Weimar kennt jeder, aber wer weiß, dass Goethe 1809 ein Gedicht über unsere Johanna Sebus geschrieben hat? Johanna Sebus war ein junges Mädchen aus dem Klever Ortsteil Brienen, deren Geschichte uns schon in der Grundschule berührte, später dann ging ich auf die Johanna Sebus Schule, damals städtisches neusprachliches Mädchengymnasium. Dabei hätten sie es belassen sollen, aber das ist eine andere traurige Geschichte. Übrigens gab es vor den Ferien eine Art Abschiedsfest für alle Schüler und Lehrer, die jemals auf dieser Schule waren, bei der die Schüler T-Shirts verkauften mit der Aufschrift "Sie sollen und müssen gerettet sein!". So ist es, aber zumindest geht das Sebus-Gymnasium wie Johanna Sebus in Schönheit unter. Posthum wurde Johanna Sebus von Napoleon die weiße Rose für besonders tugendhafte Mädchen verliehen.

     

    Johanna Sebus

    Zum Andenken der siebzehnjährigen Schönen, Guten aus dem Dorfe Brienen, die am 13. Januar 1809 bei dem Eisgang des Rheins und dem großen Bruche des Dammes von Cleverham, Hilfereichend, unterging.

    Der Damm zerreißt, das Feld erbraust,
    Die Fluten spülen, die Fläche saust.
    "Ich trage dich, Mutter, durch die Flut,
    Noch reicht sie nicht hoch, ich wate gut."-
    "Auch uns bedenke, bedrängt wie wir sind,
    Die Hausgenossin, drei arme Kind!
    Die schwache Frau!...Du gehst davon!"-
    Sie trägt die Mutter durch das Wasser schon.
    "Zum Bühle da rettet euch ! harret derweil;
    Gleich kehr’ ich zurück, uns allen ist Heil.
    Zum Bühl’ ist’s noch trocken und wenige Schritt;
    Doch nehmt auch mir meine Ziege mit!"
    Der Damm zerschmilzt, das Feld erbraust,
    Die Fluten wühlen, die Fläche saust.
    Sie setzt die Mutter auf sichres Land,
    Schön Suschen, gleich wieder zur Flut gewandt.
    "Wohin? Wohin? die Breite schwoll;
    Das Wasser ist hüben und drüben voll.
    Verwegen ins Tiefe willst du hinein!"-
    "Sie sollen und müssen gerettet sein!"

    Der Damm verschwindet, die Welle braust,
    Eine Meereswoge, sie schwankt und saust.
    Schön Suschen schreitet gewohnten Steg,
    Umströmt auch, gleitet sie nicht vom Weg,
    Erreicht den Bühl und die Nachbarin;
    Doch der und den Kindern kein Gewinn!
    Der Damm verschwand, ein Meer erbraust’s,
    Den kleinen Hügel im Kreis umsaust’s.
    Da gähnet und wirbelt der schäumende Schlund
    Und ziehet die Frau mit den Kindern zu Grund;
    Das Horn der Ziege faßt das ein’,
    So sollten sie alle verloren sein!
    Schön Suschen steht noch strack und gut:
    Wer rettet das junge, das edelste Blut!
    Schön Suschen steht noch wie ein Stern;
    Doch alle Werber sind alle fern.
    Rings um sie her ist Wasserbahn,
    Kein Schifflein schwimmet zu ihr heran.
    Noch einmal blickt sie zum Himmel hinauf,
    Dann nehmen die schmeichelnden Fluten sie auf.
    Kein Damm, kein Feld! Nur hier und dort
    bezeichnet ein Baum, ein Turm den Ort,
    Bedeckt ist alles mit Wasserschwall;
    Doch Suschens Bild schwebt überall.-
    Das Wasser sinkt, das Land erscheint,
    Und überall wird schön Suschen beweint.-
    Und dem sei, wer’s nicht singt und sagt,
    Im Leben und Tod nicht nachgefragt!

    Petit Larousse hat noch einige Zitate zu Goethes Beschäftigung mit Johanna Sebus und ihrer Heldenverehrung beigetragen. Vielen Dank!

    "Ich bin dazu veranlaßt worden durch gute Menschen aus jener Gegend, die in einer alles verschlingenden Zeit das Andenken einer reinen Menschenhandlung erhalten wünschten." - Goethe an Zelter, 1. Juni 1809

    "Ich bin von dem Unter Rhein her dazu aufgefordert worden, und mochte mir gerade in meiner Einsamkeit die Naivetät dieser unschuldig guten Handlung gerne vergegenwärtigen." - Goethe an C. F. Reinhardt, 9. Juni 1809

    "Haben Sie vielen Dank, daß Sie sich der armen Najade angenommen haben. Ich bin sehr verlangend, Ihre Komposition zu vernehmen." Goethe an Zelter, 26. August 1809

    "Ich müßte sehr weitläuftig sein, wenn ich alles sagen wollte was mir bei dieser Gelegenheit durch den Sinn gegangen. Nur Eins will ich erwähnen, daß sie auf eine sehr bedeutende Weise von demjenigen Gebrauch gemacht, von dem ich keinen Namen habe, das man aber Nachahmung, Malerei und ich weiß nicht sonst wie nennt, und das bei andern sehr fehlerhaft wird und ungehörig ausartet." - Goethe an Zelter, 6. März 1810

    "Die Verklärung der Johanna Sebus haben wir als Sakrament unserer Rettung aus den unendlich breiten Fluten gefeiert." - Goethe an Zelter, 23. Februar 1814

    "In Heidelberg  dagegen stehst du in frischestem Andenken. Du erlaubst ja wohl, daß ich etwas von Deinen Kanons und mehrstimmigen Liedern hinschicke, auch schickte ich gern die Partitur von Johanna Sebus." - Goethe an Zelter, 29. Oktober 1815

    "Die reinste Malerei in der Musik ist die, welche Du auch ausübst, es kommt darauf an, den Hörer in die Stimmung zu versetzen, welche das Gedicht angibt, in der Einbildungskraft bilden sich alsdann die Gestalten nach Anlaß des Textes, sie weiß nicht wie sie darzu kommt. Muster davon hast du gegeben in der Johanna Sebus... und wo nicht überall? Deute mir an, wer außer Dir dergleichen geleistet hat, Töne durch Töne zu malen: zu donnern, zu schmettern, zu plätschern und zu patschen, ist despektabel." - Goethe an Zelter, 2. Mai 1820


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  • denkmal

    Es gibt solche Gegensätze, die sich nicht ausschließen. Man kann Hunde mögen, aber auch Katzen nicht hassen. Trotzdem lassen sich die Menschen einteilen in Liebhaber von Katzen oder Hunden, Meer oder Bergen, VW oder Opel, Goethe oder Schiller.

    Ich war letzte Woche ein paar Tage lang mit einer Schiller-Liebhaberin in Weimar und Dresden und präsentiere hier die Ausbeute der Suche nach Schillers Spuren. Wer meinen toten ersten Blog gelesen hat, kennt die Dame A.  bereits als Bücherfreundin und Kunstkritikerin. Oder auch umgekehrt.

    Mir als Goethe-Fan wurde es leicht gemacht: Goethes Haus, Goethes Möbel, Goethes Bücher, Goethes Sammlungen, alles da.
    Dagegen Schiller: An mindestens drei Häusern in Weimar und einem Gartenhaus in Dresden steht, hier habe Schiller mal gewohnt, was bedeutet: Er ist dauernd umgezogen. Kenne ich aus meiner Studentenzeit. wohnhaus

    wohnhaus innenwohnung

    Außer seinen Büchern (nicht seinen gekauften, sondern seinen selbstgeschriebenen) hat er aber wohl nicht viel hinterlassen, nicht mal seine Gebeine sind seine. Also hat die Nachwelt sich seines Vermächtnisses angenommen und es ganz neu erschaffen. Zugekaufte Möbel im Schillerhaus in Weimar, Schillers Büste, die aussieht wie der junge Thomas Gottschalk, Schillerdenkmal, Schillerkeller, Schiller-Gedenksteine und Rhetorik auf Kosten der Dichterfürsten. (Paradox ist, wenn ein Goethedenkmal durch die Bäume schillert. Goethe spielt Flöte auf Schiller sein Piller.)
    hochspannung

     

    Im Dresdener Osten, wo Schiller in einem Gartenhäuschen an Don Karlos und der Ode an die Freude schrieb, gibt es gar einen Schillerplatz, eine Schillerstraße, die Schillergalerie und das Schiller-Trafo-Häuschen. Dort konnte ich allerliebste Fotos von der Schiller-Liebhaberin mit dem Objekt ihrer Begierde machen, die ich aber aus Gründen der Diskretion und des Selbstschutzes hier nicht veröffentliche.

    trafohaus

    schiller

    bücher

     

    karlos

    Journal - TagebuchZum Abschluss unserer Reise aßen wir dann noch im SchillerGarten an der Loschwitzer Brücke, auch Blaues Wunder genannt, wobei Yves Klein an der Brücke sicherlich nichts Blaues hätte finden können. Aber in der DDR war man ja bescheiden.blaues wunder

     

     

     

    Eigenartigerweise (und glücklicherweise für den Dornhai) standen keine Schillerlocken auf der Karte, weshalb wir uns an thüringischen und sächsischen Spezialitäten erfreuten. Und leider habe ich es versäumt, das grüne Wunder von Loschwitz zu fotografieren, A.s Waldmeisterbrause.

     

     


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