• Spieglein, Spieglein an der Wand

    Schöner spiegeln!Alle Jahre wieder werden Abiturreden gehalten und Geschenke an LehrerInnen verteilt, beides nicht selten mit einer Message versehen, wie man von den Klassen wahrgenommen wird. Allerdings können es ganz alltägliche Dinge sein, die den Studierenden auffallen, nur selten werden da Kritikpunkte thematisiert.
    Ich erinnere mich, dass bei meiner eigenen Abiturfeier eine Lehrerin, die ich allerdings während meiner ganzen Schulzeit nie im Unterricht hatte und daher auch nicht kannte, einen roten Faden bekam. Das fand ich schon etwas böse, aber ich konnte ja nicht beurteilen, wie groß das Bedürfnis war, ihr diese Kante zu verpassen.
    Ich erinnere mich auch, dass sich ein Kollege mal sehr über sein Geschenk geärgert hat, wobei ich mich nicht mehr an das Geschenk selbst erinnere, so böse kann es also nicht gewesen sein.
    Was mich betrifft, so waren meine Haare häufiger mal Thema, weil ich sie morgens nicht föhne. Aber nasse Haare trocknen im Laufe der ersten Stunde, während eine Charaktereigenschaft nicht so leicht verschwindet.
    Ich habe das auch schon mal auf meinem Schulblog geschrieben und mich gewundert und gefreut, dass nicht der Blog selbst thematisiert wurde. Prompt zog im nächsten Jahr die Rednerin über meinen Blog her, in dem ich angeblich schadenfroh und sarkastisch über Studierende schreibe. Ich persönlich sehe das natürlich nicht so und habe auch den Eindruck, dass die Studierenden, die erwähnt werden, das durchaus mögen. Allerdings glaube ich auch, dass ausgerechnet diese Rednerin den Blog nie gelesen hat, warum auch, sie kam niemals vor. Ich bin da vorsichtig und schreibe nicht über Studierende, die ich für völlig humorlos halte.
    Trotzdem hat sie womöglich Recht, denn die Selbst- und die Fremdwahrnehmung driften häufig auseinander. Interessant wird es, wenn jemand eine recht harmlose Fremdwahrnehmung ganz anders interpretiert und sich davon getroffen fühlt.
    Was tun, wenn man die Wahrnehmung für falsch hält? Na ja, entweder gar nichts, weil es einem piepegal ist, oder man muss sich wehren. Oder rächen, was allerdings nach dem Abitur nicht mehr klappt. Schmollen geht auch, ist aber nur schlecht für einen selbst.
    LiebesentzugWas nun, wenn man die Wahrnehmung zwar für ärgerlich, aber richtig hält, vielleicht sogar aus diesem Grund selbst erst etwas in eine harmlose Aussage hineininterpretiert hat?
    Entweder hält man diese seine Eigenschaft für richtig und nötig, dann sollte man auch selbstbewusst dazu stehen. Oder man mag die Eigenschaft nicht, dann sollte man versuchen, sie abzulegen. Das klappt nicht unbedingt, dann muss man damit leben. Aber eines geht nicht, nämlich von anderen zu verlangen, dass sie diese Eigenschaft nicht mehr wahrnehmen sollen oder zumindest so tun sollen, als würden sie sie nicht bemerken. Obwohl die meisten Menschen das schon von sich aus so machen und man selbst auch ganz gern ein Tuch über den Spiegel hängt.


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