• AdventskalenderWeihnachten ist vorbei, endlich, jetzt ist wieder die Zeit Adventskalenderdes unzeitgemäßen Weihnachtsbrimboriums. Wie verfrühte Stollen im September bleiben die verspäteten Weihnachtsbeleuchtungen noch eine ganze Weile hängen, und auch die letzten Marzipankartoffeln müssen noch verkauft werden. Die Krippen und Weihnachtsbäume haben den kirchlichen Segen bis zum 6. Januar, da kommen ja noch die Hl. Drei Könige. Damit die Entwöhnung nicht zu schnell passiert, greift man gern auch auf heidnische Feste zurück, die uns noch eine Weile mit Licht und Feuer verwöhnen. 

     AdventskalenderSogar die katholischen Italiener lassen ausgerechnet in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar eine Hexe los, die das Jesuskind sucht, la Befana. 2005 habe ich auf dem Markt der Piazza Navone eine Befana gekauft, die kann ich mir jetzt statt Adventskranz aufhängen.
    Überhaupt gibt es zwei Länder, in denen man so richtig mit allem Schnick und Schnack und auf historischem Boden Weihnachten feiern kann, Israel / Palästina und Italien. Da ich nicht vorhabe, nach Betlehem oder Jerusalem zu pilgern, wo die meisten ohnehin nicht christlich sind, preferiere ich Weihnachten in Rom. AdventskalenderFast hätte ich da auch mal einen Segen abbekommen, aber wir waren wegen der typisch italienischen Zeitrechnung zu spät am Petersplatz, der Papst (Johannes Paul II) Adventskalenderhatte gerade den Balkon verlassen.
    Das letzte Mal war ich vor fünf Jahren in Rom, auch in der Weihnachtszeit, da habe ich nicht mal versucht, Benedettos Segen zu bekommen. Trotzdem haben wir den Vatikan intensiv besucht und uns am religiösen Dekor erfreut. Ganz schick auch die Shopping-Meile für Päpste.
    Nichts geht aber über Lucias blinkenden Weihnachtsbaum.
    AdventskalenderEigentlich habe ich es immer schon genossen, zu Weihnachten zu verreisen, lange Jahre nach Frankreich, wo ich das beste Festessen überhaupt bekam.Adventskalender Dann Kanada, wo man den USA in Sachen Dekoration und Kommerz durchaus nacheifert. Ausgerechnet da fing es aber erst am 28.12. an zu schneien. Andererseits gibt es Läden, die das ganze Jahr über Weihnachtsdeko verkaufen, der beste ist in Niagara-on-the-Lake.

    AdventskalenderSogar in Tunesien bekam man zumindest im Hotel seine Dröhnung ab, und auf Malta wurde die Altstadt von Valetta nicht nur geschmückt und beleuchtet, Adventskalendersondern auch beschallt, besonders gern mit Modern Talking. Auf Malta kann man übrigens sehen, wie groß Weihnachtssterne werden, wenn es nicht schneit. Überall stehen sie dort in Gärten und Parks.
     

    Ich möchte zu Weihnachten mal nach Florida fliegen, vielleicht nächstes Jahr.

     


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  • Klar, was sonst! Aber dieses Jahr gibt es keine Bücher von Amazon. Bücher und Zensur, das passt nicht zusammen.
    Leider verschwinden die kleinen Buchläden immer mehr, woran sie zum Teil auch selbst schuld sind, mir fallen da ein paar Dinge ein, die ich nicht sonderlich kundenfreundlich fand. Bei Böckenhoff & Honsel in Bocholt zum Beispiel sollte ich für die Bestellung eines Buches eine relativ hohe Gebühr zahlen, die einbehalten würde, wenn ich das Buch doch nicht kaufte. Na, dann nicht. Über Hinzen in der Unterstadt in Kleve könnte ich Romane schreiben, aber sie sind ohnehin nicht mehr da.
    Die Mayersche Buchhandlung in Bocholt ist ein Gemischtwarenladen, Bücher nach Titel oder Autor zu finden ist unmöglich, ohnehin gibt es nur das, was Laufkundschaft mitnehmen möchte. Kleve war mal ein Bücherparadies, das hat sich erledigt, einige gute Buchhandlungen haben geschlossen, aber zwei weiß ich noch, bei denen ich meine Weihnachtsbücher finde.  Und dann gibt es noch das Bücherlädchen Kranenburg von Ingrid Hareter, eine winzige Buchhandlung, die sicherlich nicht lange bestehen wird, leider, aber dieses Jahr bestelle ich dort ein paar Bücher. Leider hat das Bücherlädchen keine Website.

    Bücherlädchen Kranenburg
    Große Straße 51

    47559 Kranenburg (Kranenburg)

    Telefon: (02826) 918585

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  • ist außer meinem Job und den großzügigen Öffnungszeiten der Geschäfte unter anderem die städtische Müllentsorgung. Ohne Quatsch, da hat eine Stadt mal ein intelligentes und bürgernahes System entwickelt, das rasend gut angenommen wird. Gerade habe ich meine gesamten Gartenabfälle auf dem großen Parkplatz am Wald abgegeben, wo im Herbst samstags immer ein Wagen der Stadt steht. Außerdem sind die Mitarbeiter in den orangen Anzügen total nett und helfen einem beim Schleppen und Entleeren. Die Biotonne reicht halt im Herbst nicht für das ganze Laub, die ausgeblühten Pflanzen und meine toten Äste und Bäume.

    Sinnvoll finde ich auch die vielen gut erreichbaren Container für Altglas und Altpapier. In Kleve (und auch in Kranenburg) hat man zu Zeiten, als ich noch dort wohnte, bereits alle Container abgeschafft. Was zum Beispiel dazu führte, das jeder Haushalt riesige Plastikbehälter für Altglas bekam, jeweils einen weißen, grünen und brauen. Die einen hatten keinen Platz zum Abstellen, die anderen freuten sich über kostenlose Behälter für alles Mögliche. Da die Behälter ohnehin nach der Leerung oft gestohlen wurden, konnte man sich auch dauernd neue holen. Das muss ziemlich teuer sein für die Stadt, mal abgesehen von der Feststellung, dass die Müllwerker es dauernd im Rücken haben vom Bücken und Heben. Aber nein, man führt die Container nicht wieder ein, da ist man in Kleve eisern.
    Ich frage mich nur, wie die Bürger mit dem öffentlichen Outing umgehen, wenn jeder bei einem Spaziergang feststellen kann, wer in Kleve was und wieviel trinkt.

    So, eine wichtige Kleinigkeit hatte ich noch vergessen. Wenn ich Bocholt mal mit der Kreisstadt Borken vergleiche, wo ich ja auch arbeite, so muss ich sagen, dass es hier doch viel lebendiger ist. Und ganz wichtig: In Bocholt haben wir Aldi Süd (3x), in Borken dagegen beginnt das Reich von Aldi Nord (1x). Außerdem gibt es kurz hinter der Stadtgrenze von Bocholt noch Aldi NL. Der große Unterschied liegt im umfangreicheren Sortiment, der teilweise besseren Qualität und besonders in den wechselnden Angeboten. Bei Aldi NL gibt es überhaupt nur Tüddelkram im Angebot.
    Wie Nikolaus zu sagen pflegt: Ich lebe an der Benrather Linie der deutschen Discounter. Und wer Aldi Nord kennt, weiß, dass ich auf der besseren Seite der Linie wohne.


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  • Ich lese regelmäßig den kritischen Kleveblog, und die Rheinische Post online ist meine Startseite. Aber bei allem Lokalpatriotismus ärgere ich mich doch immer wieder über die Dumpfheit und Dummheit der Klever Stadtväter und Bestimmer. Was der Krieg nicht zerstört hat, wurde in den 60er und 70er Jahren plattgemacht. Ich kann mich noch an viele Gebäude wie die Villa Steiger und das Hotel Bollinger erinnern, auch wurde die wunderschöne Front von Jugendstilvillen an der Tiergartenstraße mit riesigen Gärten und alten Bäumen damals noch nicht vom Klever Ring zerschnitten, das war ein Großvorhaben Ende der 70er. Das alte Kurhaus wurde jahrzehntelang vernachlässigt und als Möbellager einer Klever Firma genutzt. Heute befindet sich dort das Museum Kurhaus, es grenzt an ein Wunder.
    Man steckt in Kleve nicht so gern Geld in sein historisches und kulturelles Erbe, lieber speist man bodenlose Fässer wie den 1. FC Kleve, der durch Misswirtschaft und Steuerhinterziehung inzwischen mehrere Millionen Schulden angesammelt hat. Es sah fast so aus, als würde die Stadt auch diesmal den Retter für den Klever Klüngel spielen, aber die Stimmung in der Bevölkerung geht wohl nicht dahin, einen Verein mit Millionen zu unterstützen, der pro Spiel um die 60 Zuschauer ins Stadion lockt.
    Einer der großen Sponsoren des 1. FC Kleve ist anscheinend die Volksbank Kleverland. Als die Varnhagen Gesellschaft im Jahre 2004 eine mehrtägige wissenschaftlich-kulturelle Tagung im Klever Schloss Gnadenthal  veranstaltete, versuchte ich auch vergebens, der Volksbank eine kleine Spende zu entlocken. Säuerlich wurde mir mitgeteilt, dass nur Klever Vereine unterstützt würden. Dabei wollten wir ja keine Millionen, sondern vielleicht 100 oder 200 Euro. Nun, beim derzeitigen Debakel der Volksbank als Sponsor und Kreditgeber der begnadeten Fußballer bleibt der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Kleverland, Frank Ruffing, erstaunlich gelassen. Aber klar, niemand greift den Bankern in deren eigene Tasche, wenn sie Geld verbrannt haben.

    Andererseits gibt es auch Spendenanfragen an die Varnhagen Gesellschaft, die im Bereich des Absurden liegen. So möchte eine Dame, deren Funktion nicht genannt wurde, Geld, um an der Rahel-Varnhagen-Promenade in Berlin ein Schild aufzustellen oder eine Hecke zu kürzen. Wohlgemerkt, der einzige Zusammenhang zwischen der Anfrage und der literarischen Gesellschaft ist der Straßenname. Angeblich wird diese Promenade von rasenden Radfahrern unsicher gemacht, die dort die Kinder aus einer Kita anfahren. Nun könnte man ja argumentieren, dass die Varnhagen Gesellschaft sehr wohl verantwortlich ist für das, was auf der Varnhagen-Promenade passiert. Zum Glück gibt es nicht ganz so viele Varnhagenstraßen, -gassen oder -plätze auf der Welt.

    Aber Spendengesuche sind eher die Ausnahme. Häufiger erhält die Varnhagen Gesellschaft Anfragen in mehr oder minder netter Form zu den unterschiedlichsten Themen wie Salonleben, Biographien, Literatur, Kunst und Geschichte. Oft sind es SchülerInnen oder StudentInnen, die Referate über Rahel Varnhagen oder die Salonkultur schreiben und um Informationen oder Materialien bitten.

    Der Vorsitzende hilft hier immer gern weiter und bittet im Gegenzug um ein Exemplar der jeweiligen Arbeit für die Varnhagen Sammlung.
    Manchmal sind die Anfragen auch sehr spezieller Natur, so zum Beispiel, wenn ein Wiener Kunsthistoriker glaubt, auf einem alten Flügel Abbildungen von Rahels Salon entdeckt zu haben und sich vergewissert, ob dies aufgrund biographischer Gegebenheiten überhaupt möglich ist. Leider ließ sich das nicht durch Belege erhärten, aber es entspann sich doch ein interessantes Gespräch darüber. Die meisten Anfragen sind sehr freundlich und führen mitunter zu einer Mitgliedschaft oder zumindest einem netten Kontakt.
    Manchmal erreichen den Verein aber auch knappe, fordernde Anfragen, bei denen bereits das Fehlen des banalen Wortes "bitte" aufstößt. So schrieb ein Berliner Redakteur und Sprecher privater Stadtentwicklungs-Gesellschaften eine kurze Email mit folgendem Wortlaut: "Sehr geehrte Damen und Herren, können Sie mir die Adresse des Varnhagen’schen Salon bzw. der Treffen um Henriette Herz in Berlin übermitteln? Mit freundlichen Grüßen". Keine Unterschrift, kein persönliches Wort, kein Bitte: Zeit ist Geld.
    Soll man solch eine Anfrage einfach ignorieren? Oder soll man, wie der Vorsitzende es tat, zunächst nachfragen, wozu die Information gebraucht wird, und auf die Spielregel hinweisen, dass der Verein gern ein Exemplar des fertigen Artikels hätte? Oups, das kam beim dienstleistungsorientierten Berliner Redakteur denkbar schlecht an. In pointierter Form ließ er den Vorsitzenden wissen, dass er zu spuren oder seine Einstellung zu überdenken hätte. Hier der Wortlaut der Email in voller Schönheit:

     "Sehr geehrter Herr Dr. G. (Name im Original ausgeschrieben), danke für die Antwort. Wir möchten Sie mit unseren Recherchen nicht dazu veleiten, das kostbar erworbene Herrschaftswissen einfach so abgeben zu müssen. Deshalb haben wir uns bei der Recherche nach den Salons in der Berliner Mitte der frei zugänglichen Litaratur bedient. Wir wünschen Ihnen deshalb noch viel Erfolg mit Ihren "Spielregeln" und beim weiteren, hoffentlich weiter kraftvollen Wirken ihres Vereins. Wenn Sie sich einmal grundsätzlich über die Pressefreiheit in Demokratien und die verbreitete Einflußnahme auf die freie Berichterstattung durch vinkuliert, d.h. zweckgebunden vergebene Infomationen informieren wollen stehen wir Ihnen gern zu Verfügung.
    Wit empfehlen Ihnen zudem diese Praxis vor dem Hintergrund ggf. vorliegender Gemeinnützigkeit, d. h. Unterstützung durch die Öffentliche Hand zu überprüfen.
    Mit freundlichen Grüßen" (Rechtschreib- und Zeichenfehler im Original).

    Es ist wirklich bemerkenswert, dass der Redakteur sich die Zeit nimmt, ein schwieriges, aus dem Aktiengeschäft entlehntes Wort zu erklären und selbst in der frei zugänglichen Literatur nachzusehen. Hätte er doch seine Recherche auch gleich noch auf die Bedeutung von "Herrschaftswissen" und "Gemeinnützigkeit" ausgedehnt, dann wüsste er, dass ein gemeinnütziger Verein keine "Unterstützung durch die Öffentliche Hand" erhält, sondern durch unentgeltliche, gemeinnützige Tätigkeit und Mitgliedsbeiträge existiert. Und auch das sicherlich umfangreiche Wissen von Dr. G. gründet sich letztlich nur auf frei zugängliche Literatur.

    Oder ist es doch schon so, dass heute jedes Wissen, das nicht per Mausklick vom heimischen Sessel aus gegoogelt oder in einer schnodderigen Email eingefordert werden kann, als Herrschaftswissen gelten muss, da es sich zwischen Buchdeckeln verbirgt und den Autor zwingt, seine knappe Zeit in Bibliotheken zu vergeuden?

     


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  • Raider heißt jetzt Twix, … sonst ändert sich nix.

     

    So ähnlich ist es bei Plus, das jetzt Netto heißt. Ok, es heißt nicht nur so, es ist Netto, und das schon seit Anfang 2009, als es noch Plus hieß. Aber jetzt hat Netto Ernst gemacht und Orange durch Gelb ersetzt.
    Ich hatte vorher noch nie von Netto gehört, was daran liegen mag, dass es eine süddeutsche Kette ist. (In Norddeutschland gibt es auch Netto, das ist aber eine dänische Kette. Was wird jetzt wohl passieren, wenn die beiden aufeinander treffen?)
    So war es mir aber auch mit Plus ergangen. Bis zum magischen Jahr 77, als ich Abitur machte und meine niederrheinische Heimat gegen eine rheinische Metropole tauschte, kannte ich nur einen Discounter, das war Aldi. Überhaupt kannte ich nicht viele Lebensmittelläden, in meiner Kindheit gab es auf der Materborner Allee den Konsum, mit Betonung auf der ersten Silbe. Dann zogen wir um und es gab mehrere Tante Emma-Läden, Gerards - Jansen, Siebers und Seegers. Das konnte nicht gutgehen bei 1600 Einwohnern, die zunehmend besser motorisiert waren und in Kleve bei Aldi einkauften. Oder bei Kaisers. Siebers machte zu, aus Gerards wurde Rewe, aus Seegers wurde Spar. Keinen gibt es heute mehr in Nütterden, dagegen aber einen Plus, weil sich die inzwischen 3000 Einwohner gegen Edeka gewehrt hatten, als wieder ein Lebensmittelladen an den Ort geholt werden sollte. Edeka habe ich übrigens auch erst in Bonn entdeckt, aber ich wusste von seiner Existenz wie von einer dunklen Verheißung. Na ja...

    Journal - Tagebuch

    Zurück zu Plus. Als ich in die Alexanderstraße zog, lag auf meinem Weg zur Uni an der Ecke Oxfordstraße / Kasernenstraße ein Plus. Mein erster Plus überhaupt. On revient toujours à ses permiers amours. Plus wurde meine große Liebe. Eigentlich kaufte ich all meine Lebensmittel dort, in der Kaufhalle im Mauspfad und auf dem Bonner Markt. Und was für Lebensmittel! Die günstige Plus-Pizza Salami, die ich in Ermangelung eines Backofens in der Pfanne zubereitete. Ich schwöre, das klappt richtig gut. Meine erste Tiefkühlpizza! Und Nikolaus brachte mich auf den Geschmack von Bihun-Suppe, auch Tiefkühlkost. Sherry! Den gibt es bis heute nicht bei Aldi Süd.

    Dann zog ich nach Godesberg, wo es keinen Plus gab. Auch in Kessenich nicht, dafür überall Aldi und Edeka. Aber die Wohnungen waren bei Weitem besser, ich will mich nicht beklagen. In Godesberg gab es außerdem auch Hit, das aber wahrscheinlich ein verkappter Real ist. Und die Lebensmittel der Türken und Araber, die Bioläden, all das gab es in Kleve erst viel später. Von Real sind wir bis heute verschont geblieben.

    Natürlich wurde ich nicht schutzlos und naiv aus meiner Provinz in die Bundeshauptstadt geworfen, denn ich habe ja früh erkannt, wo das richtig gute Essen und die richtig großen Supermärkte zu finden sind. Immer nur Richtung Westen, da gibt es Carrefour, Leclerc, Auchan, Casino, Monoprix, Galeries Lafayette, boulangeries, charcuteries, traiteurs, marchés, pâtisseries tunisiennes und vieles mehr. Ich hatte Émile Zolas Roman "Au Bonheur des Dames" gelesen, eine unglaublich faszinierende und moderne Studie zum Niedergang des kleinen Einzelhandels und der Entstehung großer Kaufhäuser im 19. Jahrhundert. Und ich kannte aus meiner Provinz Delikatessen, die es in der Metropole nicht gab. Pommes Frites mit Mayonnaise, Gouda mit Marmelade, Frikandeln, Pindakaas oder Rübenkraut zum Beispiel.

    Von Bonn zog ich einige Jahre später nach Lyon und lebte wie Gott in Frankreich, dann nach Kleve, wo es dann auch schon einen Plus gab.

    Nun sollte man meinen, dass ich bittere Tränen weine über den Verkauf an Netto. Wollte ich auch zuerst, aber inzwischen hat Plus so dermaßen abgebaut, dass jede Träne umsonst vergossen wäre. Leergefegte Regale, Betteln um ein Produkt, das vielleicht im Lager ist und am besten: Preise, die am Regal anders lauten als in der Kasse. Ob Dummheit oder Absicht, ich weiß es nicht, aber jeder zweite Kassenzettel war falsch.

    Und dann ein Aha-Erlebnis: Der gelbe Netto-Plus hat volle Regale, ein umfangreiches Warenangebot und ein paar Extras wie frisches Brot. Als ich am Samstag in Kalkar war, habe ich einige Kleinigkeiten bei Netto eingekauft. Und siehe da, bei einem Produkt stimmte der Preis nicht mit dem am Regal überein. Es ging um 40 Cent, der Vorgang dauerte etwa 10 Minuten und verschliss drei Damen mit unterschiedlichen Kassenbefugnissen. Derweil standen die wartenden Kunden am Band und es wurde keine zweite Kasse aufgemacht. Da war er wieder, mein Plus. Totgesagte leben einfach länger.

     


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  • Journal - TagebuchIst es nun besonders erstrebenswert, einfach nur sinnlos oder gar gefährlich, dass man im Internet absolut jede Kleinigkeit von praktisch jedem an allen Orten der Welt erfährt? Will heißen, braucht die Welt Twitter, Facebook, StudiVz und all diese Blogs?

     Lassen wir mal die beiseite, die fürchten müssen, dass zuviel über sie im Netz steht, und die, die versuchen, genau das zu finden oder zu veröffentlichen. Das ist eine alte Geschichte mit neuen Mitteln.

    Neu ist, dass private Kleinigkeiten und Nichtigkeiten ihren Weg ins Netz finden und manchmal begeistert aufgenommen werden. Sage mir keiner, er würde sich nicht auf youtube anschauen, wie der Sack Reis in China umfällt, wenn ihm ein Kumpel den Link schickt.

    Journal - TagebuchWird der chinesische Reissack noch vom Flair des Exotischen und Sprichwörtlichen geadelt, so ist ein westfälischer Blumenkübel doch eher vom Flair des Banalen umgeben, besonders, wenn er vor einem Altenheim steht. Und trotzdem ist genau so einer umgefallen und hat die Webwelt bewegt. Dass die Story auch in den Zeitungen geschluckt, gekaut, wiedergekäut, ausgespuckt und verdaut wird, liegt zweifellos am Sommerloch.

    Journal - TagebuchIn meinem kleinen verregneten Sommerloch sind ein paar Blumentöpfe und ganz viele Bäume umgefallen, natürlich habe ich das sofort in meinem Blog dokumentiert. Ok, meine Blumentöpfe haben keine Karriere auf Facebook oder Twitter gemacht, aber mich hat es amüsiert.

    Und so unwichtig ist dieser Blumenkübel doch auch nicht, die alten Leutchen haben sich daran erfreut und sind sauer, dass jemand ihn umgeworfen hat. So geht es uns schließlich allen, und irgendwie kommen uns die Menschen dieser Welt näher, wenn wir alltägliche Geschichten über sie erfahren. Und vielleicht lernen wir auch einige kennen, oder wir finden alte Freunde wieder. Mir ist das schon mehrmals passiert, und ich finde es toll. Und was wüsste ich ohne das Internet über meine Freunde und Familie?


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