Schon wieder ist eine junge Frau frech geworden und hat den Chef des Intenationalen Währungsfonds angezeigt. Muss so ein Zimmermädchen wirklich die Weltwirtschaft erschüttern, einen potentiellen Präsidentschaftskandidaten bloßstellen und diplomatische Verwicklungen provozieren? Nur weil ein angesehener älterer Herr nackt hinter ihr hergelaufen ist und sie ins Bett zerren wollte? Zum Glück wird gerade fieberhaft überprüft, ob Dominique Strauss-Kahn als Chef des IWF in den USA diplomatische Immunität genießt. Da bin ich aber erleichtert, dass sich um das wahre Opfer gekümmert wird.
In Frankreich breiten sich inzwischen Verschwörungstheorien aus, vor allem gespeist durch die Twitternachricht eines jungen UMP-Anhängers, der von Strauss-Kahns Verhaftung eine Stunde vor den amerikanischen Medien berichtet. Ein Freund, der im Hotel Sofitel arbeitet, habe ihm gesagt, DSK sei dort (sic) verhaftet worden. Wie ein Kommentator dazu schreibt: Sollte der Coup von Geheimdiensten und dem Lager Sarkozys inszeniert sein, wäre es ziemlich dilettantisch, Außenstehende wie den Parteianhänger oder das Zimmermädchen, das dort immerhin seit drei Jahren arbeitet und nicht extra eingeschleust wurde, zu Mitwissern zu machen.
Kleine Bemerkung zur deutschen Presse. Noch heute Morgen ist für die rpo (Rheinische Post online) der ESC und wie Deutschland mal wieder Weltmeister der Herzen wurde die Schlagzeile #1, DSK ist immerhin nach oben gerückt. Der Bonner Generalanzeiger ist geschickter, dort gibt es bewegliche Schlagzeilen, aber direkt darunter: "Twelve Points für die TV-Show: Deutschland kann Grand Prix".
Während seriöse Zeitungen wie FAZ und BILD sich praktisch nicht (mehr?) mit dem ESC beschäftigen, dafür recht intensiv mit DSK. (Nicht hauen, bitte!)
Laut RMC.fr wird Strauss-Kahns Verteidigung darauf beruhen, dass er für die fragliche Zeit ein Alibi habe und das Hotel bereits eine Stunde vor der angegebenen Zeit der Belästigung verlassen und mit seiner Tochter zu Mittag gegessen haben soll. Außerdem seien die Anwälte erstaunt gewesen, dass sie bei der Gegenüberstellung eine wenig verführerische junge Frau vorgefunden hätten.
Eigenartig, dass die Polizei nicht einfach die entsprechenden Überwachungsvideos angesehen und ihn dann hat laufen lassen. Wenn die junge Frau tatsächlich gelogen hätte, um sich irgendwie zu bereichern, wäre sie wirklich die weltdümmste Lügnerin, denn es müsste ihr klar sein, dass ein Mensch, der nicht am angegebenen Ort ist, sich an einem anderen Ort befindet und dort gesehen und auch gefilmt werden kann.
Laut Libération hat sich das nun auch erledigt, denn die Polzei habe die Tatzeit revidiert. Es bleibt spannend.
Nun, DSK war gar nicht da, aber wenn er doch da war, war der Sex einvernehmlich. Verdammte DNS.
In Frankreich glaubt die Mehrheit noch an eine Verschwörung oder Falle, andererseits gibt es jetzt auch dort Beschuldigungen gegen DSK. Und man regt sich über die unwürdigen Bilder des würdigen Herrn auf. Nun taucht auch ein angebliches Bild des Opfers auf, das von seinem inzwischen gelöschten Facebook-Account stammen soll.