Oder doch lieber Ceterum censeo Carthaginem esse delendam?
Ganz Karthago?
Nein, nur ein einzelner Palast, erbaut neben den Ruinen von Karthago, den aber weder Einheimische noch Touristen fotografieren dürfen. Soviel zur Paranoia von Diktatoren. Hab ich natürlich doch fotografiert, obwohl die Ruinen viel interessanter sind, aber was verboten ist, das macht uns grade scharf.
Vor Fotos hat man in tunesischen Polizei- und Diktatorenkreisen geradezu panische Angst.
So habe ich mir mal erlaubt, in Tunis die deutsche, also meine Botschaft zu fotografieren, was sofort einen Polizisten auf den Plan rief, der den Film von mir verlangte. Er war auch nicht in der Lage zu begreifen, dass man aus einer Digitalkamera keinen Film holen kann. Nach längerer Aufsässigkeit meinerseits und nachdem ich ihm auch noch das Berühren meiner Kamera verboten hatte, schleifte er mich schließlich frustriert zur Botschaft, damit die Deutschen sich mit mir rumärgern sollten. Der herbeigerufene Sicherheitsbeauftragte amüsierte sich köstlich, sagte ein paar Gemeinheiten über die tunesische Polizei und ließ mich ziehen, worauf sich der Polizist sogar noch bei mir entschuldigte. Das nenne ich doch mal obrigkeitshörig.
Der Titel Panem et circenses bezieht sich allerdings auf meine Ansichten zu tunesischen Medien. Ich kenne den staatlichen Sender TV7 aus eigener Anschauung und behaupte, dass die Themen sich fast ausschließlich auf schnulzige Musik, Kochen und Essen sowie Fußball beschränken. In den Nachrichten sieht man ganz überwiegend die Heldentaten von Ben Ali, der eine tolle Rede gehalten oder etwas eingeweiht hat. Also ein echtes Verdummungsorgan, und das funktionierte bisher gar nicht so schlecht. Dann kam das gefährliche Internet und machte den Machthabern Angst, sie unterbanden facebook und youtube, was ein echter Fehler war, denn nun wurden die arbeitslosen jungen Männer böse. Dabei wollten sie doch nur spielen. Und die gierigen alten Männer begriffen nicht, dass jahrzehntelange Gehirnwäsche auch im Internet dazu führte, dass Tunesier sich überwiegend mit Musik, Fußball und Spielchen beschäftigen. Bis heute erkenne ich auf den facebook-Seiten meiner tunesischen Kontakte keine politischen Äußerungen.
Dann habe ich mal verschiedene Zeitungen im Internet angeschaut, besonders neugierig war ich auf die marokkanischen, denn Marokko müsste sich ja von den Unruhen in Tunesien und Algerien besonders betroffen fühlen. Aber nein, da werden keine schlafenden Hunde geweckt, die winzige Nachricht über Tunesien ist gut versteckt, wenn überhaupt vorhanden. Wie ein Kommentar in Le Monde vermutet, bereiten die meisten arabischen Diktatoren schon ihre Koffer und Flugzeuge vor, während sie ansonsten möglichst wenig über Tunesien verlauten lassen und die Armeen in Stellung bringen.
Immerhin verbreitet die Homepage von TV 7 heute die Nachricht, dass der Posten des tunesischen Präsidenten definitiv vakant sei. Kann man es eleganter ausdrücken?
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