Eklablog Tous les blogs
Editer l'article Suivre ce blog Administration + Créer mon blog
MENU

Auch manches Frauenbild von Stein liegt hier, unkrautumwuchert in dem hohen Grase; Die Zeit, die schlimmste Syphilis, hat ihr geraubt ein Stück der edlen Nymphennase.

Publicité

Textbausteine - 5. Akt

Textbausteine – Ein Fortsetzungsdrama mit ungewissem Ausgang©

 5. Akt

KneipeEine Kneipe in Göttingen. An einem Tisch sitzen drei DoktorandInnen, an der Theke verschiedene ältere Gäste. Der Physiker und der Historiker trinken Bier, die Linguistin einen Cocktail aus billigem Sekt mit Konservenobst.

Historiker: Ich werde noch blind von diesem Quellenstudium.

Physiker: Ihr mit euren verstaubten Themen und Methoden. Musst du denn unbedingt Quellen lesen, die noch keiner digitalisiert, transkribiert und analysiert hat? Du siehst doch, es geht auch anders. Sogar Einstein soll abgekupfert haben. Aber Guttenberg verdirbt alles, seinetwegen wird in Zukunft jede Dissertation mit einer speziellen Software untersucht, die Plagiate erkennt.

Linguistin: Das kann ich auch ohne Software. Ein paar Stilbrüche, Unterschiede in der Rechtschreibung, regionale Unterschiede, schon hat man einen Anfangsverdacht. So kann man auch historische Fälschungen erkennen.

Physiker: Die Hitler-Tagebücher?

Linguistin: Das ist doch wunderbar, endlich gibt es auch Arbeitsplätze für Germanisten und Sprachwissenschaftler. Aber wer fährt dann unsere Taxis und bringt die Zeitungen rum?

Angetrunkener Gast: Na ihr drei, wollt ihr auch Arzt werden wie der von Guttenberg?

Physiker: Genau, wir wollen auch Doktor spielen.

Angetrunkener Gast: Die sollen den Mann endlich in Ruhe lassen, so ein feiner Kerl.

Linguistin: Aber er hat doch seinen Titel auf betrügerische Weise bekommen. Wollen Sie so einen Minister? Wissen Sie, wie hart es für uns Normalos ist, wissenschaftlich zu arbeiten und zugleich unseren Lebensunterhalt zu verdienen? Und das über Jahre.

Angetrunkener Gast: Die Doktorarbeit wollte doch sowieso keiner lesen vorher, was schadet es, wenn er sie nicht selbst geschrieben hat?

Historiker: So sieht’s aus, er hat sie entweder schreiben lassen und erst letztes Wochenende richtig gelesen, wie er selbst sagt, oder er hat einfach alles abgeschrieben, was er nützlich fand. Das ist Diebstahl.

Angetrunkener Gast: Das hab ich aber noch nicht gehört, dass er auch Bücher geklaut hat.

Historiker: Nein, er hat aus den Büchern und Zeitungen geklaut.

Angetrunkener Gast: Aber er hat sie vorher gekauft und bezahlt?

Historiker: Ja sicher.

Angetrunkener Gast: Dann war es auch sein Eigentum. Und wenn er jemanden fürs Schreiben bezahlt hat, war die Arbeit auch sein Eigentum. Ich hab 16900 €uro für meinen Golf bezahlt und er gehört mir.

Physiker: Und wenn die Chinesen sich einen Golf kaufen, nachbauen und verkaufen? Darf das?

Angetrunkener Gast: Meinen Sie, der Guttenberg hätte die Arbeit in China schreiben lassen? Wäre sicher billiger. Aber die Qualität ist nicht die gleiche.

Physiker: Stimmt genau. Garantie hat er auch nicht, und er kann sich nicht mal beschweren, weil er ja nicht davon abgeht, dass er die Arbeit selbst geschrieben hat. Als Jurist sollte er wissen, welche Version besser für ihn ist.

Historiker: Deshalb wählt er die Version, bei der er wie ein Vollpfosten dasteht?

Angetrunkener Gast: Aber das deutsche Volk steht hinter ihm wie ein Pfosten.

Publicité
Retour à l'accueil
Partager cet article
Repost0
Pour être informé des derniers articles, inscrivez vous :
Commenter cet article
K
Ist das ein toller Text und auch noch selbst gemacht.
Répondre
D
...oder die Briefe der Madame de Sévigné, nach deren Lektüre Rahel "in schmerzlicher Aufregung zu mir kam, und ausrief: 'August, sie ist todt!' und dabei weinte. [...] Sie hatte mit dieser Geistesverwandten gelebt, sie empfand ihren Tod als einen jetzt eben erfolgten" (zit. nach Varnhagens Tagebuch Bd. VIII, S. 339 v. 17. 9. 1851)
Répondre
K
"Strafbar erschein ich, und ich kann die Schuld,Wie ichs versuchen mag! nicht von mir wälzen"Ob der Wallenstein jetzt aus dem Zentralabitur fliegt?
Répondre
K
Diese Geißens und Wendlers kenne ich nicht, aber kürzlich sagte eine Studierende, sie sei immer noch ganz traurig, weil Ludolf gestorben ist. Die Trauer war echt, und ich wollte ihr schon mein Beileid ausdrücken, habe aber zum Glück nachgefragt, wer denn Ludolf sei. Es stellte sich heraus, dass er ein Schrotthändler aus dem Fernsehen war. Ist das noch normal? Ist den Leuten bewusst, dass dieser Guttenberg nicht nur einen Minister spielt, sondern echt und in Realität ihrer teuer bezahlten Armee vorsteht?
Répondre
A
Nur zu! ich bin schon über 70 Jahre tot. Wallensteins Monoblog ist auch ganz passend...
Répondre