Kleve ist ein Herrenstuhl,
Emmerich ein Entenpfuhl,
Goch das ist noch watt,
Kalkar ist ein Gatt (Loch).
– Deutsche Romanzeitung, III, 42, 474; Hesekiel, 18.
http://2fwww.zeno.org/Wander-1867/A/Kleve
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Kalkar? Ein Loch, aber ein weltbekanntes Loch, in dem sich 1977 rund 100 000 Menschen versammelten, um gegen den Schnellen Brüter zu demonstrieren. Kalkar wurde, wie Gorleben und Creys-Malville, ein Symbol für den Kampf gegen Atomkraft und führte zu einem Klima in der BRD, in dem die Partei der Grünen und viele Bürgerinitiativen gegründet wurden. Weitere Großdemonstrationen, z.B. gegen den NATO-Doppelbeschluss, folgten. Die 77er (wir!) ernteten die Saat der 68er. Oder ist das zu pathetisch? 77 habe ich Abitur gemacht und dann im Studium in Bonn an all den wunderbaren Demos teilgenommen.
Unser stiller Niederrhein rückte ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Anfang der 90er Jahre wurde das Milliardengrab dann tatsächlich zur Ruine erklärt. Der Schnelle Brüter war nicht eine Minute lang am Netz, erklärte man bei den Führungen durch die Anlage, was ich kaum glauben konnte angesichts der seit 1985 voll funktionstüchtigen Gebäude und Technik. Und die Jungs durften nicht damit spielen? Nicht mal kurz ausprobieren, ob die Verwandlung von Stroh zu Gold tatsächlich funktioniert? Denn das Prinzip des Schnellen Brüters ist die Herstellung von mehr spaltbarem Material als er verbraucht.
Mit Besuchern aus anderen Ländern habe ich diese gruselige Führung einige Male mitgemacht, dann war Schluss. 1995 kaufte der Holländer Hennie van der Most das Teil, um dort einen Vergnügungspark anzulegen, Kernwasser Wunderland, auch liebevoll Kernie‘s Wunderland genannt. Heute heißt es Wunderland Kalkar, aber Kernie treibt weiterhin sein verbales Unwesen in Kernie‘s Familienpark und Kernie‘s Kneipenstraße. Nur das Wort Kernwasser taucht überhaupt nicht mehr auf, nicht mal ein Kernwasser-Schwimmbad gibt es dort.
Der Kühlturm wurde mit einem Alpenpanorama bemalt und kann beklettert werden, innen soll es ein sehr schönes Echo geben. Da hat sich doch die Investition von 3,6 Milliarden Euro wirklich gelohnt. Gestern bin ich im Dunklen dort lang gefahren, der Kühlturm ist hübsch angestrahlt und wirkt bei Nacht wie ein riesiger Luftballon. Nein, ich habe kein Foto davon gemacht, diese Fotos hier sind von 2007. Der andere Teil des Kraftwerks ist eher langweilig kubisch und hat so gar nichtsVergnügungsparkmäßiges, es ist einfach zuviel Beton. 
Meine Mutter hat dort mal Geburtstag gefeiert, weil es so günstige Pauschalangebote gab mit Nutzung aller Spiel- und Sportanlagen. Das Ambiente war aber kalt und unpersönlich, hunderte von Menschen in einem riesigen Restaurant. Die Angebote sind inzwischen auch deutlich teurer und man buhlt verzweifelt um jede Klientel, seien es Schulklassen, Kegelclubs oder Firmen.