Immer noch nicht habe ich meinen Eintrag über das Bahnreisen geschrieben, zu viel hätte ich dazu zu sagen. Aber nun ist mein geniales Interrail-Ticket endgültig ausgelaufen und ich bin vorher noch auf Reisen gegangen. Allerdings habe ich mich für eine Kombination aus Auto und Zug entschieden, weil die französische Bahn kurz vor meiner Abreise gestreikt hatte. Diese Ängste hatte ich bereits mit der italienischen Bahn, die just zu dem Zeitpunkt streiken wollte, als ich nach Italien fuhr. Ich sah mich bereits mit meinem Koffer über die Alpen rollen, zum Glück kam es nicht dazu, mein Zug fuhr planmäßig durch nach Como.
Also bin ich mit dem Auto nach Nordfrankreich gefahren, wo ich meine Besta treffen wollte. Mein Bahnticket konnte ich dann nutzen für Fahrten zm Beispiel nach Amiens und Paris, es hatte sich ja sowieso längst amortisiert.
Was mich aber dann kalt erwischte, war die französische Benzinknappheit, mehr noch die Dieselknappheit. Als ich losfuhr, war mein Tank noch für 700 km gefüllt, also kein Problem, und in Frankreich ist der Sprit zur Zeit viel (viel!!) billiger als in Deutschland. Natürlich habe ich nicht getankt, wollte mir in Frankreich den billigen Stoff kaufen. Die französische Regierung legt zur Zeit 30 Cent auf den Weltmarktpreis drauf, also kostet ein Liter Diesel um die 1,70 €. Das führt natürlich zu Tanktourismus, der hier in der Grenzregion ein übliches Phänomen ist und außer kleineren Staus vor Tankstellen in Kranenburg kein besonderes Problem darstellt. In Frankreich kommt aber noch dazu, dass die einheimische Firma Total von sich aus den Preis um weitere 20 Cent reduziert hat. Mir ist schleierhaft, warum sie das tat, auf jeden Fall führte es dazu, dass sie letztlich alle Tankstellen schließen musste, weil kein Sprit mehr nachkam, da derweil in den Raffinerien von Total gestreikt wurde. Die 20 Cent hätten sie vielleicht besser ihren Arbeitern bezahlen sollen.
Kennt ihr das, dass man im Urlaub nicht so genau mitkriegt, was in der Welt passiert? Jedenfalls hatte ich keine Ahnung, dass die Tankstellen von Total leer waren und den anderen inzwischen auch der Stoff ausging. Als ich also volltanken wollte, war vor der Tankstelle von Auchan in der Nähre des Hauses meiner Besta ein enormer Stau. Also beschlossen wir, einfach an eine Tankstelle zu fahren, die vielleicht ein bisschen teurer war. Zu unserem Entsetzen waren einige Tankstellen vollständig geschlossen und andere hatten noch Benzin, aber keinen Diesel. Mein Auto will aber durchaus nur mit Diesel fahren. Ich gestehe, dass uns die Problematik in dem Moment noch nicht vollständig bewusst war, meine Freundin musste ich tatsächlich dazu drängen, ihren eigenen Wagen mit E10 vollzutanken, als wir später bei einem Ausflug an einer Tankstelle vorbeikamen, an der die Schlange ziemlich kurz war. Zum Glück hat sie auf mich gehört, was nicht immer der Fall ist.
Mit einer App konnte ich dann die gesamte Tragweite des Problems erkennen. Die meisten Tankstellen waren geschlossen oder hatten keinen Diesel, sogar auf der Autobahn. Und ich konnte nicht herausfinden, ob das Problem sich auch auf Belgien erstreckte, denn dorthin hätte ich es mühelos geschafft, mir blieben noch für 150 km Sprit im Tank. Aber in die Niederlande oder nach Deutschland wäre ich nicht mehr gekommen. Meine Freundin bot mir für den Notfall ihren vollgetankten Wagen an, sie ist halt einfach die Beste. Das zeigte sich dann auch am Abend, als sie ganz lieb und geduldig mit mir vor besagter Tankstelle von Auchan anstand, weil meine und eine andere App ihres Sohnes sagte, dass es dort noch Diesel gäbe. Ich will hier nicht das Wechselbad der Gefühle beschreiben, dass wir während der anderthalb Stunden in der Warteschlange erlebten, denn am Schluss konnte ich volltanken und fühlte mich enorm erleichtert.
Im Nachgang erfuhr ich aus den Nachrichten, dass viele Franzosen zum Tanken nach Belgien fuhren, wo der Sprit deutlich teurer, aber verfügbar war.
Übrigens habe ich dann sogar noch einen Zug verpasst, weil auf der Straße zum Bahnhof eine Tankstelle lag und sich dort wieder lange Schlangen bildeten. Ich habe also das Auto abgestellt und bin gelaufen, bekam aber erst den nächsten Zug. Gar nicht schlimm, ich habe mit meiner lieben Freundin am Bahnhof Kaffee getrunken und mich darüber gefreut, dass mein Tank voll war und ich den Zug nicht einmal bezahlen musste.
Die Moral von der Geschicht? Nach meinen ersten Überlegungen würde ich sagen, dass Regierungen sich einfach raushalten sollten. Die Franzosen würden mit Freuden mehr bezahlen, wenn sie dafür Sprit bekämen, in Deutschland haben die Energieunternehmen sich einen guten Teil der staatlichen Unterstützung, also unseres Steuergeldes, in die Taschen gesteckt. Wenn der Sprit durch staatliche Subventionen billiger wird, müssen wir ihn dann doch auf anderem Wege bezahlen. Also lasst laufen, wenn die Brühe zu teuer wird, nehmen wir endlich die Bahn oder fahren mit dem Rad. Und zu Hause ist es doch auch schön.