Das Schönste an den Ferien ist das Ausschlafen, zumal das Allerschönste, nämlich das Verreisen, gerade recht kompliziert ist. Und so kann ich dann beim Frühstück in aller Ruhe das Zeitzeichen hören, so ein bisschen Bildung in der Frühe versüßt doch den ganzen Tag.
Heute vor 300 Jahren wurde die Marquise de Pompadour als Jeanne-Antoinette Poisson am 29.12.1721 in Paris geboren. Bekannt wurde sie als langjährige und einflussreiche Maitresse des französischen Königs Louis XV.
Sie war eine Freundin und Förderin von Architektur, Kunst und Literatur, konnte allerdings die Enzyklopädisten nicht an den Hof von Versailles bringen, weil der König deren anti-religiöse Haltung nicht mochte. Für die Aufklärung wäre das sicherlich auch nicht förderlich gewesen.
Aber sie sammelte wohl schöne Gebäude wie ich Handtaschen. Unter anderem ließ sie auch den Élysée-Palast, heute Sitz des Staatspräsidenten, und die Place de la
Concorde gestalten. Das letzte Mal, als ich auf der Place de la Concorde war, bin ich mit der Bahn nach Paris gefahren, allerdings von Bordeaux aus, weil ich mir eine Interrail-Karte für Frankreich geholt hatte und nun in ein paar großen Städten immer genau im Zentrum landete und ein Hotelzimmer am Bahnhof hatte, gern mit Aussicht auf den Zugverkehr. In Toulouse wollte der nette Hotelier mir ein ruhiges Zimmer geben, aber das ist ja gar nicht mein Streben, viel lieber sehe ich mir das wilde Leben an, und wenn ich mich hinlege, kann mich sowieso nichts stören.
Die Rückreise von der Gare du Nord war dann ein bisschen kompliziert, weil ich auf keinen Fall mit dem Thalys fahren wollte, wegen meiner Interrail-Karte und der dussligen Reservierungen. Also fuhr ich bis Lille, wechselte da den Bahnhof, was aber durchaus fußläufig zu machen war, und nahm einen Zug Richtung Brüssel. Dann sollte es mit einem ICE weitergehen Richtung Essen, wie genau weiß ich nicht mehr. Sobald ich aber im Zug saß, wurde bereits für die Reisenden nach
Deutschland angekündigt, dass ihr Zug ausfiel, weil eine wichtige Strecke gesperrt war. Was sagt es über die Deutsche Bahn aus, dass die Belgier es schafften, uns in einen Zug zu verfrachten, der über ein kleines Kaff eine Verbindung nach Aachen herstellte? Dort wurde mir auf dem Ticket, das ich ja für Deutschland brauchte, die Abweichung von meiner Fahrtroute bestätigt und ich konnte dann über Mönchengladbach nach Hause fahren. Bis zu diesem Tag hatte ich keine einzige Verspätung und keinen Zugausfall erlebt, denn ich war ja in Frankreich, wo zum Beispiel die 600 km zwischen Bordeaux und Paris in nur etwas mehr als zwei Stunden zurückgelegt wurden.
Früher war ich andauernd in Paris, manchmal trampte ich, meistens aber nahm ich einen ganz normalen D-Zug. Ja, man konnte ohne Reservierung und zu einem Einheitspreis einfach in einen Zug einsteigen und fahren, wohin man wollte, auch nach Paris. Übrigens auch von Amsterdam nach Klagenfurt, ganz ohne Umsteigen über Kleve und Bonn Hbf. Heute sind die Schienen auf deutscher Seite hinter Kleve nur noch für die Draisine zu gebrauchen, auf niederländischer Seite hat man Fakten geschaffen und die Schienen überbaut. Wenn man heute die Leute vom Auto oder Flieger auf die Schiene bringen will, erscheint es so absurd, dass man in den letzten Jahrzehnten alle Infrastruktur zerstört hat.
Ja, tatsächlich kann man von Duisburg oder Köln aus immer noch nach Paris fahren, aber eben nur noch über Umwege oder mit dem Thalys. Der muss lange vorher reserviert werden, wenn man keine Phantasiepreise bezahlen will, zudem ist die Anzahl der Züge und Plätze begrenzt. Ich bin vor langer Zeit mal mit dem Thalys gefahren und fand ihn sehr unbequem, allerdings gibt es eine 1. Klasse, vielleicht ist die besser.
Ich bin danach auch noch in Paris gewesen, aber ich war dann immer mit den Auto in Frankreich und habe einen Zug von einer anderen Stadt aus genommen. Das ist nicht das gleiche Feeling wie eine Übernachtung in Paris.
Um nochmal zu Madame de Pompadour zurückzukehren, die ja die Place de la Concorde gestalten ließ: Von diesem riesigen Platz aus kann man alle großen Sehenswürdigkeiten in der Ferne betrachten, auch den Eiffelturm, den sie natürlich nicht erlebt hat, denn sie ist am 15. April 1764 in Versailles gestorben.