Morgen ist schon Silvester, wieder ein Jahr vorbei, dem kaum jemand eine Träne nachweint. Und zum Jahresende hauen die großen und kleinen Knalltüten nochmal ein paar Böller raus.
Positiv kann ich allerdings vermerken, dass die kleinen Knalltüten in meiner Nachbarschaft dieses Jahr offensichtlich nichts im Arsenal haben. Das wurde mir gestern Abend unvermittelt klar, als es laut knallte, aber nur einmal, vielleicht ein
Auspuff oder der letzte Böller aus dem Keller. Da merkte ich erst, dass es ansonsten ruhig war. Denn in all den Jahren, seit ich hier wohne, hört man an den Tagen vor und nach Silvester permanente Explosionen. Darunter leiden die Tiere und die Nerven, die sich dieses Jahr über das Verkaufsverbot von Silvesterfeuerwerk freuen. Im Fernsehen sah ich die verzweifelten Händler, die ihren Kram jetzt nicht loswerden, die taten mir in etwa so leid wie die Betreiber des Kraftwerks von Brokdorf, das zum neuen Jahr abgeschaltet wird. So ist das eben, manche Geschäftszweige werden mit der Zeit obsolet, wer kauft jetzt oder überhaupt noch Lebkuchen, bunte Stoffmasken oder Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge.
Zu den kleinen Knalltüten zähle ich persönlich auch unsere Gesundheitsminister, zumindest all die, deren Verlautbarungen ich so in Presse, Radio und Fernsehen mitbekomme. Mir ist schon klar, dass in den Ministerien keine Glaskugeln stehen und wissenschaftliche Erkenntnisse sich weiterentwickeln, aber so ein bisschen klare Organisation, Ratio und Methodik ist auch von Ministern nicht zuviel verlangt.
Herrn Holetschek aus Bayern gehen so stammtischtrunkene Gedanken durch die Birne, das kann passieren, aber dann nimmt man ein Aspirin und legt sich ins Bett, statt die in ein Mikrofon zu sprechen. Kostenbeteiligung oder höhere Krankenkassenbeiträge für Ungeimpfte? Mal abgesehen davon, dass Krankenkassen sowas überhaupt nicht umsetzen könnten, wo endet das dann? Zuschläge für Sportarten (Klettern, Rennen, Springen, Fußball), Gewicht (zu dünn, zu dick), Alter (zu alt, zu jung), Geschlecht (Schwangerschaft, Brust- oder Hodenkrebs) und Lebensgewohnheiten (Essen, Trinken, Rauchen, Kiffen)? Die Liste ist unendlich fortsetzbar, denn alles kann einen zum Arzt treiben. Warum nicht gleich ein Kriterium für die Triage daraus machen? Ungeimpfte nur auf die Warteliste für die Intensivstation? Holetschek ist Jurist, das macht es besonders fragwürdig.
Aber auch ein Mediziner im Amt ist, und das ist jetzt wirklich nur meine höchst
subjektive Meinung*, nicht zwangsläufig das Gelbe vom Ei. Ganz früher fand ich Herrn Lauterbach immer lustig, wenn er vor einer Kamera stand, die Frisur, die Fliege, der Tonfall. Dann kam Corona, er ließ die Fliege im Schrank und man erfuhr, dass er eigentlich Arzt war und sich auskannte. Nervig wurde er (siehe oben*), als er durch die Talkshows tingelte und in jedes Mikrophon warnte. Erstaunlicherweise war er nach der Bundestagswahl der Kandidat der Herzen für das Amt des Gesundheitsministers, und er wurde es, obwohl Olaf Scholz ihn angeblich nicht leiden kann. Vielleicht ist er auch nur der Herzenskandidat der Medien, weil er nie ein Interview verweigert. Aber das ist das Problem, auch er sollte ab und zu mal zuerst ausschlafen, nachdenken und dann reden. Auf keinen Fall sollte er mit ungeprüften und unüberprüfbaren Zahlen um sich werfen. Inzidenz um 200? Nö, ich schätze mal, in Wirklichkeit ist sie zwei- oder dreimal höher. Allein das ist ja schon eine andere Hausnummer, 400 oder 600. Als Wissenschaftler sollte man aber mit gefühlten Zahlen zurückhaltend sein. Als Minister sollte man zudem nicht alle, die einem zuarbeiten, für inkompetent erklären. Aber was treibt ihn dazu? Meiner Meinung nach (siehe oben*) ist er total verliebt in dieses Katastrophenszenario, das ihn ganz nach oben gespült hat, außerdem wünscht er sich von Herzen Maßnahmen wie Lockdown und Impfpflicht. Bei einer niedrigen Inzidenz wären diese Maßnahmen eher nicht verhältnismäßig. Übrigens sollte er sich nicht immer selbst die Haare schneiden, das wäre schon mal ein Anfang. An dem Tonfall kann er wohl nichts ändern, aber mir geht das auf den Geist.
Das sind aber nur die kleinen Knalltüten, mit denen man sich gut arrangieren kann, von Corona-Diktatur kann nicht die Rede sein, solange alle Maßnahmen auch gerichtlich überprüft und gekippt werden können. In dem Zusammenhang fällt mir doch direkt noch Frank Ulrich Montgomery ein, im Radio gern als "Weltärztepräsident" bezeichnet, ich finde "Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes" irgendwie weniger hochtrabend. Wie auch immer, Montgomery hat ein kleines Problem mit der Gewaltenteilung: "Ich stoße mich daran, dass kleine Richterlein sich hinstellen und wie gerade in Niedersachsen 2G im Einzelhandel kippen, weil sie es nicht für verhältnismäßig halten." An dieser Wortwahl haben sich dann doch viele gestoßen und die Bundesärztekammer distanzierte sich davon.
Viel schlimmer ist es, wenn die Gewaltenteilung eben nicht mehr funktioniert, weil sich aufgeplusterte Politiker daran stoßen, wenn Gerichte oder Medien ihre Handlungen kritisieren. Aber solche Querulanten lassen sich ja bewährtermaßen mit Militär und Polizei unschädlich machen. Manchmal auch mit Gesetzen wie in Polen und Ungarn, dann muss man sich aber die lästige EU vom Hals halten. Es ist ein ewiger Kampf, wenn man eine richtige Diktatur in Gang halten will. Nein, Polen meine ich nicht, das wird wieder. Aber zum Beispiel China und Russland hauen gerade nochmal richtig ein paar dicke Böller raus, schließen Medien und Menschenrechtsorganisationen unter fadenscheinigen Vorwänden und giften gegen die, die sie nicht mundtot machen können, ausländische Medien und Politiker.
Ich frage mich bei all diesen Systemen, was sie eigentlich davon haben. Warum
geht es den Taliban, Kim Jong-Un, Assad, Erdogan, Xi Jinping, Lukaschenko, Putin etc. eigentlich besser, wenn sie alle anderen unterdrücken? Sie könnten sich doch auch in einem freiheitlichen System die Taschen füllen und vermutlich ihren Reichtum viel schöner genießen. Amerikanische Milliardäre haben doch auch kein schlechtes Leben. Bei manchen verstehe ich, dass dahinter eine rückständige Ideologie steht, aber bei anderen ist es die pure Macht- und Geldgier. Oder die Angst vor dem eigenen Volk?
Das ist eine unendliche Geschichte, ich ende hier mit dem letzten Knall, den ich gestern gehört habe. In Zukunft müssen sich Ausländer, die in Russland leben und arbeiten, regelmäßig untersuchen lassen, und zwar kostenpflichtig, ganz genau und auf alles, auch Kinder. Vermutlich werden viele jetzt Russland verlassen, weil sie keine Lust haben, sich alle paar Monate in russischen Kliniken durchchecken zu lassen. Das ist so erwartbar, dass es eigentlich Absicht sein muss. Welchen Zweck verfolgt Putin also damit? Vielleicht bringt das neue Jahr ein paar unangenehme Antworten auf die Fragen, die ich mir so stelle. 2022 hat mich jetzt schon desillusioniert. Über gute Vorsätze denke ich dann morgen nach.