Raider heißt jetzt Twix, … sonst ändert sich nix.
So ähnlich ist es bei Plus, das jetzt Netto heißt. Ok, es heißt nicht nur so, es ist Netto, und das schon seit Anfang 2009, als es noch Plus hieß. Aber jetzt hat Netto Ernst gemacht und Orange durch Gelb ersetzt.
Zurück zu Plus. Als ich in die Alexanderstraße zog, lag auf meinem Weg zur Uni an der Ecke Oxfordstraße / Kasernenstraße ein Plus. Mein erster Plus überhaupt. On revient toujours à ses permiers amours. Plus wurde meine große Liebe. Eigentlich kaufte ich all meine Lebensmittel dort, in der Kaufhalle im Mauspfad und auf dem Bonner Markt. Und was für Lebensmittel! Die günstige Plus-Pizza Salami, die ich in Ermangelung eines Backofens in der Pfanne zubereitete. Ich schwöre, das klappt richtig gut. Meine erste Tiefkühlpizza! Und Nikolaus brachte mich auf den Geschmack von Bihun-Suppe, auch Tiefkühlkost. Sherry! Den gibt es bis heute nicht bei Aldi Süd.
Dann zog ich nach Godesberg, wo es keinen Plus gab. Auch in Kessenich nicht, dafür überall Aldi und Edeka. Aber die Wohnungen waren bei Weitem besser, ich will mich nicht beklagen. In Godesberg gab es außerdem auch Hit, das aber wahrscheinlich ein verkappter Real ist. Und die Lebensmittel der Türken und Araber, die Bioläden, all das gab es in Kleve erst viel später. Von Real sind wir bis heute verschont geblieben.
Natürlich wurde ich nicht schutzlos und naiv aus meiner Provinz in die Bundeshauptstadt geworfen, denn ich habe ja früh erkannt, wo das richtig gute Essen und die richtig großen Supermärkte zu finden sind. Immer nur Richtung Westen, da gibt es Carrefour, Leclerc, Auchan, Casino, Monoprix, Galeries Lafayette, boulangeries, charcuteries, traiteurs, marchés, pâtisseries tunisiennes und vieles mehr. Ich hatte Émile Zolas Roman "Au Bonheur des Dames" gelesen, eine unglaublich faszinierende und moderne Studie zum Niedergang des kleinen Einzelhandels und der Entstehung großer Kaufhäuser im 19. Jahrhundert. Und ich kannte aus meiner Provinz Delikatessen, die es in der Metropole nicht gab. Pommes Frites mit Mayonnaise, Gouda mit Marmelade, Frikandeln, Pindakaas oder Rübenkraut zum Beispiel.
Von Bonn zog ich einige Jahre später nach Lyon und lebte wie Gott in Frankreich, dann nach Kleve, wo es dann auch schon einen Plus gab.
Nun sollte man meinen, dass ich bittere Tränen weine über den Verkauf an Netto. Wollte ich auch zuerst, aber inzwischen hat Plus so dermaßen abgebaut, dass jede Träne umsonst vergossen wäre. Leergefegte Regale, Betteln um ein Produkt, das vielleicht im Lager ist und am besten: Preise, die am Regal anders lauten als in der Kasse. Ob Dummheit oder Absicht, ich weiß es nicht, aber jeder zweite Kassenzettel war falsch.
Und dann ein Aha-Erlebnis: Der gelbe Netto-Plus hat volle Regale, ein umfangreiches Warenangebot und ein paar Extras wie frisches Brot. Als ich am Samstag in Kalkar war, habe ich einige Kleinigkeiten bei Netto eingekauft. Und siehe da, bei einem Produkt stimmte der Preis nicht mit dem am Regal überein. Es ging um 40 Cent, der Vorgang dauerte etwa 10 Minuten und verschliss drei Damen mit unterschiedlichen Kassenbefugnissen. Derweil standen die wartenden Kunden am Band und es wurde keine zweite Kasse aufgemacht. Da war er wieder, mein Plus. Totgesagte leben einfach länger.