Guten Morgen, ihr Lieben, einen besonderen Gruß an Kornelia und alle, die nicht freiwillig früh aufstehen oder sich nicht nochmal im Brett umdrehen dürfen.
Ich habe gleich Englisch und Französisch im 3. Semester, die Klasse ist mit Wechslern und Sitzenbleibern ziemlich angeschwollen und schon sowieso nicht besonders leise, wenn auch sehr nett. Also werde ich sie gleich mal mit allen Fakten der ersten Szene von Tennessee Williams Drama "A Streetcar Named Desire" und dem Aufbau eines Hauses auf Französisch schocken. Wenn dann noch Zeit ist, führe ich mal eben das passé composé ein. Das nenne ich einen ausgefüllten Vormittag. Heute Abend habe ich Klassenleiterstunde im neuen 1. Semster, die Studierenden werden dann mit den Gegebenheiten der Schule vertraut gemacht. Euch allen einen guten Start in diesen Tag!
Nachlese eines Tage:
Heute Morgen schon auf dem Parkplatz die ersten Studierenden, die nicht wirklich ins Semester gehörten, einer hatte das letzte Semester nicht geschafft, aber einfach ganz cool mal den Schritt ins nächste gewagt, dazu auch noch selbsttätig einen Wechsel in den volleren Vormittagsbereich vorgenommen. Das machte noch ein anderer, der es vermutlich auch geschafft hat. Begründung: Er würde morgens nicht so oft verschlafen wie abends.
Mittags habe ich dann Schildchen an die Außentüren geklebt, um das 1. Abendsemester des Abendgymnasiums in den richtigen Raum zu dirigieren. A. warnte noch, dass es im letzten Jahr jemandem gelungen sei, längere Zeit am Gymnasium zu verweilen, obwohl er für die Realschule angemeldet war. Deshalb sollte ich das Wort Gymnasium unterstreichen, aber ich habe natürlich nicht gehört. Und tatsächlich saß auch heute eine Dame in meiner Klasse, trug sich in die Liste ein, auf der sie natürlich nicht stand. Erst die Sekretärin merkte, dass da ein Fehler vorlag. Diesmal hat es also nur einen Block lang gedauert, aber es ist doch immer wieder interessant, dass unsere Studierenden längere Wörter einfach gar nicht bis zum letzten Buchstaben lesen.
Post von Frau Löhrmann
Da hat mir doch die Ministerin geschrieben und ich wusste nichts davon, habe den Brief gerade erst auf der Seite des Schulministeriums gesehen. Ich war auf der Suche nach einer Neuerung, die auf einen alten Hut bunte Federn steckt und dafür sorgt, dass unsere Schüler nicht zu schlau werden. Ich meine die muttersprachliche Ergänzungsprüfung, die es jetzt wohl für die zweite Fremdsprache gibt, nachdem sie für die erste Fremdsprache abgeschafft wurde. Und natürlich hatten wir gestern direkt ein paar Kandidaten, denen ich aber nichts weiter geben konnte als ein Anmeldeformular.
Zurück zum Brief von Frau Löhrmann. Der Unterricht muss besser werden, aha, sie weiß auch schon wie: "Dafür muss die Qualität des Unterrichts weiter verbessert werden. Dass hier Handlungsbedarf besteht, zeigen die Ergebnisse der Qualitätsanalyse an unseren Schulen deutlich. Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, leisten den Hauptbeitrag für guten Unterricht. Sie wurden bei der Verbesserung der Unterrichtsqualität in den vergangenen Jahren nicht genügend unterstützt. Deshalb wollen wir das Angebot für die Fort- und Weiterbildung intensivieren, in Teilen neu ausrichten und die Lehrerausbildung an die Anforderungen der Schule der Zukunft anpassen." Ist eine Blume, durch die sie uns sagt, dass wir schlechten Unterricht machen, man uns aber nicht so direkt die Schuld dafür gibt, denn andere Lehrer hat sie ja nicht. Zum Schluss wünscht sie uns einen guten Start und freut sich auf unsere Zusammenarbeit. Ich freue mich auch schon und bin total aus dem Häuschen, wie toll das jetzt wird in NRW.
Lehrer sind Züge
Die Bedeutung dieser wunderbaren Metapher erschließt sich aus den Kommentaren. Während wir in der ersten Woche nach den Ferien noch wie bedächtige Dampfloks über die Schwellen ruckeln, werden wir in den nächsten Tagen an Fahrt gewinnen und über die Gänseblümchen zwischen den Eisenbahnschwellen dahinbrausen, dass es eine Freude ist. Die Fahrgäste mögen sich anschnallen und warm anziehen. Eine Gratisverteilung von Mineralwasser ist nicht mehr vorgesehen, dafür gibt es Arbeitsblätter und Anwesenheitslisten. Weiterhin werden die Bahnkunden regelmäßig auf ihre Fahrtüchtigkeit geprüft und notfalls auch aus dem fahrenden Zug geworfen.