Gebratene Knie zur grünen Stunde
|
Vor der Kursfahrt ging das Gerücht, dass manche Teilnehmer planten, sich in Prag dem Absinthrausch zu ergeben. Ich wusste nicht, dass ausgerechnet Prag für seinen Absinth bekannt ist, aber das wurde mir rasch klar. Allerdings habe ich in all den Läden nie wirklich jemanden gesehen, der Absinth gekauft oder getrunken hätte. Ein Laden auf der Kleinseite machte deshalb wohl sein Geld auch eher damit, dass er für Fotos im Inneren 2 € verlangte.
|
Er war wirklich originell, aber leer. Auch koscheres Absintheis und Canabiseis mochte offensichtlich niemand kaufen, was vielleicht daran liegt, dass Absinth tierisch bitter und ziemlich stark sein soll und kaum jemand Lust auf Würgereflexe oder Kopfschmerzen hat.
![]() |
|
|
|
![]() |
|
|
![]() |
Auch Canabis-Vodka gibt es zu kaufen, und ich glaube ernsthaft, dass dort mit echtem Canabis gearbeitet wird, nicht mit irgendwelchen Aromastoffen. Seit 2010 ist Canabis in ordentlichen Mengen praktisch legal, was für mich erklärt, warum manche Männer so oft und gern nach Prag fahren.
Neben Pilsener Urquell, Absinth, Canabis und Kombinationen aus allem frönen sie auch dem festen Glauben, die Frauen seien dort "willig und billig". Das Zitat stammt von einem Studierenden des Kurses, der aber nicht mitfuhr. Andere mögen auch in der Hinsicht enttäuscht worden sein, denn ich konnte nirgendwo solche Frauen entdecken.
Hingegen fand ich, dass man die Abzocke in Restaurants zu einer gewissen Perfektion getrieben hatte. Am ersten Tag aßen wir in einer gemütlichen Pizzeria mit leckerem Essen und moderaten Preisen, das Trinkgeld konnten wir selbst bestimmen.
Damit hatte es sich aber auch, in den nächsten Tagen wurde uns der Service, selbst dort, wo von Service kaum die Rede sein konnte, meist eigenmächtig auf die Rechnung geschrieben, und auch die italienische Unsitte, das Gedeck zu berechnen, hatte man bereits entdeckt. Jedes Extra wie Brot, das wir nicht bestellt und gegessen hatten oder Reis beim Inder standen auf der Rechnung. Das Essen indes war meistens gut, nur ausgerechnet beim Inder bekam ich ein fades Gericht ohne jegliches Gewürz. Wie man sieht, suchten wir eher Lokale auf, die sich nicht der tschechischen Küche verschrieben hatten, denn die diversen Fotos und sogar Zeichnungen der Spezialitäten wirkten eher abschreckend. Besonders gern isst man wohl Schweineknie mit Knödeln, dazu irgendein fahles eingelegtes Gemüse oder Kohl.
|
Auf den Ostermärkten wurde über riesigen Holzkohlebehältern gegrillt, was das Zeug hielt, Schaschlik, Würste, Prager Schinken, Schweineknie und sogar Kuchen.
|
|
|
|
|
![]() |
Beim ersten Frühstück im Hotel fiel mir auf, dass der Käse wie Gummi schmeckte, weshalb ich ihn fortan mied.
Im Restaurant Bonaparte auf der Kleinseite bestellte ich mir jedoch eine Zwiebelsuppe und suchte vergeblich den überbackenen Käse, bis mir klar wurde, dass der geschmacklose weiße Klumpen am Boden der Suppentasse wohl Käse sein sollte.
Ein echter Lichtblick dagegen war das Café Louvre, dass sich seinen Jugendstilcharakter erhalten hat und die Kunden nicht ausnimmt. Das hat man auch nicht nötig, da es extrem gut besucht ist. Hier tranken bereits Berühmtheiten wie Kafka und Einstein ihren Kaffee, was ich persönlich viel spannender finde als Schweineknie, Absinthbars und Stripclubs.
|