Es gibt Tage, wenige zwar, aber es gibt sie, wo ich ganz froh bin über meine Fernsehgebühren, nicht in dieser unsinnigen Höhe, aber immerhin.
Ich war ziemlich gespannt, wie sich das Samstagabendprogramm angesichts der Ereignisse in Japan gestaltet. Die ARD hatte Volksmusik für Greise und geistig Zurückgebliebene im Programm, RTL die Verdummungsversion für die jüngere Generation: DSDS.
Dass RTL so zynisch ist, seinen Quatsch durchzuziehen und so zu tun, als drehte sich die Welt um ein paar quietschende Teenies und die Dumpfbacken in der Jury, wundert mich nicht. Auch andere Privatsender zeigen ihre jeweiligen Hupfdohlen, und um ehrlich zu sein hatte ich das eigentlich auch von der ARD befürchtet. Aber sie haben mich angenehm enttäuscht, der Musikantenstadl wurde abgesagt, statt dessen ein Brennpunkt gezeigt und danach eine Dokumentation über Tschernobyl. Die Dokumentation rief ziemlich intensive Erinnerungen wach, denn 1986 war ja Bonn die Bundeshauptstadt, in der ich studierte und alles hautnah mitbekam inklusive radioaktivem Regen bei Rhein in Flammen.
In den Tagesthemen wurde gesagt, dass sich aufgrund der Naturereignisse auch die Achse der Erdrotation verschoben hat. Irgendwie passen die menschlichen Dimensionen nie mit den Dimensionen der elementaren Gewalten zusammen. Man evakuiert 20 km um das AKW Fukushima herum, dabei breitet sich die Strahlung schon über dem pazifischen Raum aus, und in Fernsehbildern sieht man viele Japaner mit Mundschutz, so als könnte das helfen.
Zynicus schreibt zu Recht, dass ihm die Verschiebung der Erdachse die geringste Sorge bereite und nur zur Ablenkung diene. Zur Ablenkung gibt es aber vordringlich das Fernsehprogramm und den Alkohol. Die Erdachse hat sich auch bei anderen Erdbeben schon verschoben, z.B. beim Erdbeben in Chili . Von der Möglichkeit wusste Kleist vermutlich noch nichts. Die Tage werden dabei um Millisekunden kürzer, übel, wo die Sonne doch sowieso schon so selten scheint. Aber das macht mir auch keine Sorgen, ich finde die Dimensionen nur bezeichnend. Einerseits Erdbeben und Tsunamis, die sogar die Erdachse verschieben können, andererseits Politiker, die von erdbebensicheren AKWs schwallen und Jodtabletten verteilen. Nächstes Jahr ist sowieso Schluss mit dieser verwanzten Menschheit, da geht die Welt unter und nur ein kleines Dorf in Frankreich (sic) überlebt. Schade, dass sich da nun schon die blödesten Idioten versammeln, so als hätte man auf die Arche Noah nur die dümmsten Schafe gebracht. Die Dorfbewohner machen sich Sorgen wegen der steigenden Immobilienpreise, aber sie sollen das mal positiv sehen. Jetzt zu horrenden Preisen an Esoteriker verkaufen und alternativ das Geld verjubeln, bevor die Welt untergeht, oder die Ländereien billig zurückkaufen, wenn sie nicht untergeht und die Esoteriker enttäuscht das Weite suchen. Es geht auch beides, man muss halt nur den Preis für den Rückkauf in der Tirelire lassen.
Weltuntergangsfeier in Bocholt: Schnell noch alles austrinken!
Ich jedenfalls werde demnächst bei unseren verschwörungstheorieverliebten Studierenden für die zweite Fremdsprache Französisch werben mit dem Argument, dass man nach 2012 überhaupt keine andere Sprache mehr braucht.
Anmerkung: Endlich ist es mir gelungen, den Text einfarbig zu halten, so dass man die Links nicht sofort erkennt. Also bitte öfter mal mit der Maus über den Text wischen, manchmal gibt es noch mehr zu lesen.