Christi Himmelfahrt, Vatertag, einer dieser wunderbaren Donnerstage, die einem bei herrlichstem Wetter ein besonders langes Wochenende bescheren. Was macht man mit der freien Zeit? Der erste Impuls war, nach Frankreich zu fahren, genauer gesagt nach Metz, um das dortige Centre Pompidou zu besichtigen. Der Plan wurde verschoben, da unsere Kunstfreundin Zahnschmerzen bekam. Es ist praktisch, Fachfreunde zu haben. Die Kunstkornelia, den Nikolaus für alle literarischen Fragen, Sigrun als Fachfrau für Ausdauer und Optimismus, die kulinarische Barbara und natürlich die heilige Hildegard, um nur ein paar zu nennen und nicht indiskret zu werden. Natürlich sind meine Freunde multitaskingfähig und ich könnte durchaus auch Kornelia in literarischen und kulinarischen Fragen (weltbester Käsekuchen!) oder Hildegard und Barbara in Fragen der Literatur und Kunst konsultieren. Jedenfalls wurde die Reise verschoben, einen Ausflug ans Meer verkneife ich mir auch, da im Norden gerade eine Epidemie wütet und ich sowieso einiges zu tun habe. Also ordnete ich fleißig meine Unterlagen und setzte mich abwechselnd zum Lesen in den Garten oder an den Computer. Im Garten las ich Hans Konrad Zander: Von der Religiosität der Katzen. Wer so alt ist wie ich und die Unterhaltung am Wochenende schon in seiner Jugend kannte, erinnert sich sich an Georg Bungter und Hans Konrad Zander, die sich auch gegenseitig immer mit vollem Namen ansprachen. Das Büchlein von Zander hatte ich in der Marzellus Buchhandlung in Köln antiquarisch erstanden, zusammen mit T. S. Eliot: Old Possums Katzenbuch.
Während ich also draußen in Katzengeschichten und -gedichten schwelgte, spielte sich auf Facebook das Drama um eine Maus ab. Diese Maus hat sich in der Berliner WG-Wohnung meiner Nichte niedergelassen und macht sich seit Tagen über die diversen Fallen lustig. Zunächst hatte man wohl eine Lebendfalle aufgestellt, aus der die Maus sich unbeschadet das Futter holte. Auch eine traditionelle Mausefalle konnte von ihr überlistet werden. Da ich auch bereits Bekanntschaft mit einer Maus machen musste, die einfach hereinspaziert war, wusste ich, dass die modernen Schlagfallen, die mit Sexualduftstoffen locken, in kürzester Zeit zum gewünschten Ergebnis führen. Nun gab es aber auf Facebook einige Damen, besonders eine Sozialpädagogin und ihre vegane Tochter, die sich über die Tötungsabsicht bitter beschwerten und es außerdem unerträglich fanden, dass über die Maus gewitzelt wurde und man ihr nicht den nötigen Respekt entgegenbrachte. Angeblich war es Mutter und Tochter bereits mehrfach gelungen, Mäuse lebendig einzufangen und sie in die Freiheit zu entlassen. Was ich für ziemlich unglaubwürdig halte, da so eine Maus sich im kleinsten Winkel verstecken kann.
Meine Nichte sah sich nicht in der Lage, die Waschmaschine anzuheben, unter der das Tierchen saß, was ja auch nichts genutzt hätte, wenn sie dann nicht mit einer Hand die Waschmaschine halten und mit der anderen die Maus hätte greifen können. So hat meine Nichte nun eine neue Freundin (die Maus) und ich zwei neue Feindinnen. Auf die Fortsetzung bin ich einigermaßen gespannt. Kann es sein, dass das Landleben gleichgültig macht gegen Gottes Schöpfung? Ich füttere keine Piepmätze, entferne Insekten und Spinnen und töte Mäuse. Auch für Hunde habe ich nichts übrig, lediglich Katzen sind herzlich willkommen.
Im Osten nichts Neues. An der Berliner Mäusefront ist immer noch die Maus Siegerin im Stellungskrieg, trotz erneuter Aufrüstung und verstärkten Kampfeswillen der WG-Bewohnerinnen. Die Falle mit Sexuallockstoffen, die auf Empfehlung von mir und einem Kammerjäger gekauft wurde, erregte zwar das Interesse der Maus, aber es gelang ihr offensichtlich, den Geruchsstoff abzulecken, ohne dabei die finale Reise ins Mauseparadies anzutreten. Ohnehin muss sie sich jetzt schon im Mauseparadies fühlen, denn nach den Köstlichkeiten, die man ihr gezielt hinlegt, bekommt sie jetzt auch noch ein Erotikprogramm geliefert. Nur warum leckt sie das Zeug ab? Stehen Mäuse auf Oralsex?
So, die Hauptstadt ist um eine Maus ärmer: "Ah hahahaha die Maus ist tot. Die Fallen waren übrigens richtig gespannt, aber sie ist nicht auf die Schräge getappt. Aber dann haben wir eine aufwendige Konstruktion gebaut, sodass sie über die eine Falle klettern musste, um an die mit Nutella preparierte Falle dran zu kommen. Und dann sind beide zugeschnappt und das arme kleine Mäuschen wurde von beiden erwischt....jetzt atmen wir durch :D
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