• Kirchen in München

    Amies et Amis - Freundinnen und FreundeAllmählich glaube ich, dass ich mehr Zeit in Kirchen verbringe als die meisten organisierten Christen, wobei ich mit Kirchen natürlich katholische Kirchen meine, das andere sind in der Regel Gebetsgaragen. Und da ich sehr empfänglich bin für religiösen Kitsch, war ich ganz erwartungsfroh, in München eine Häufung göttlicher Folklore zu finden. Die erste Kirche, in die ich mehr zufällig stolperte, weil ich Amies et Amis - Freundinnen und Freundedie Straßenbahn in die falsche Richtung genommen hatte, war Sankt Benedikt, geweiht am 23. Oktober 1881, also keine ganz neue Kirche. Innen musste ich mich aber zunächst vergewissern, dass dies kein evangelisches Haus war, denn alles war weiß und nüchtern. Nach einem Beweisfoto verließ ich die ungastliche Stätte und machte mich auf den Weg in die Innenstadt.

    Amies et Amis - Freundinnen und FreundeDie bekannteste Münchener Kirche ist der Dom zu Unserer Lieben Frau, für mich das Wahrzeichen Münchens. Amies et Amis - Freundinnen und FreundeUnd seit ich erfahren habe, dass es dort einen Fußabdruck des Teufels gibt, war ich ganz heiß darauf, ihn zu sehen. Um den Teufelstritt ranken sich unterschiedliche Legenden, wahrscheinlich war es so, dass der Teufel mit dem Baumeister gewettet hatte, dass er keine Kirche ohne Fenster bauen könnte, in die dennoch Licht einträte. Wie üblich war der Wetteinsatz die Seele. Amies et Amis - Freundinnen und FreundeAls der Teufel zur Besichtigung der fertigen, jedoch noch ungeweihten Kirche kam, konnte er tatsächlich keine Fenster sehen. Vor Wut stampfte er auf und hinterließ den Abdruck eines Schuhs mit Sporn. Vermutlich hat der Teufel Schuhgröße 40. Die meisten Touristen ließen es sich übrigens nicht nehmen, in die Fußspur des Teufels zu treten und in Richtung Altar zu schauen, was aber sinnlos ist, da der Ausblick nicht der gleiche ist wie von 1622 bis 1860, als das Mittelfenster durch einen Renaissancealtar verdeckt wurde. Übrigens ist auch die Frauenkirche eher schlicht in Weiß gehalten, ganz unbayrisch, wie ich finde. An den Außenmauern dagegen befinden sich sehr schöne Epitaphen, die zum Teil restauriert wurden, deren Inschriften aber weitgehend verwittert sind.

    Amies et Amis - Freundinnen und FreundeWie Hildegard mir schreibt, hat der Teufel nicht nur beim Bau dieses Domes geholfen, sondern er half auch mit einem größeren Kredit, rückzahlbar in Seelenwährung, beim Bau des Aachener Münsters. Vielleicht sollten wir unseren Bankern viel genauer auf die geputzten Schuhe gucken, um den Pferdefuß zu erkennen. Die Aachener Ratsherren gingen natürlich auf den Handel ein, eine Seele ist ja nicht viel,  und anscheinend ging man davon aus, dass Papast Leo III als erster den Dom betreten würde, um ihn zu weihen, und damit seine Seele an den Teufel ginge. Die Domweihe fand übrigens im Jahr 805 statt, einige Jahre nach Karls Kaiserkrönung durch Leo III in Rom. Wie man sieht, hat sich auch an der Ethik von Ratsherren und anderen Politikern nicht viel geändert. Die Bürger waren dann doch schlauer als ihre Ratsherren, man las den Vertrag genau, und da dort nichts von einer Menschenseele stand, fing man einen Wolf und jagte den als ersten in die Kirche. Der Teufel schnappte sich die Wolfsseele, bevor er den Irrtum bemerkte, und in seiner Wut über den Betrug quetschte er sich auch noch die Hand in der Tür und ließ einen Finger zurück. Wem es gelänge, den Teufelsfinger aus dem Schloss zu puhlen, dem wurde ein goldenes Kleid versprochen. Da können sie lange warten.

    Einen Hauch von Petersdom atmet die Theatinerkirche, obwohl auch sie in Weiß gehalten ist. In dieser Kirche befinden sich die Gräber der Wittelsbacher, die ich mir aus Zeitgründen nicht angesehen habe, nur ein paar steinerne Särge standen in der Kirche selbst.

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    Wie meine Bayernexpertin bereits anmerkte, gibt es auch in München bunten Barock, nämlich in der Asamkirche, offiziell St. Johannes Nepomuk genannt. Als Kind durfte ich mal die Frauen begleiten, die unsere Dorfkirche putzten, natürlich ehrenamtlich und Samstags zu einer Zeit, als noch keiner hinein wollte. Da konnte ich auch ungeniert hinter den Kulissen spazieren gehen, für mich damals ergreifender als backstage bei den Beatles zu spionieren. Gut, also auch Kirchen werden geputzt. Die Asamkirche freitags bis 16 Uhr, und natürlich stand ich am frühen Nachmittag vor der verschlossenen Tür. Zum Glück hat die Tür Scheiben, die es gestatten, die ganze Pracht auch von außen zu bewundern. Die Kirche ist auch nicht sehr groß, da sie das private Werk der Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam ist. Was für Namen! Gibt es eigentlich einen heiligen Kevin? Und hat der irgendwo eine Kirche, wo man ihm huldigen kann? Nur so am Rande. Also, Cosmas Damian und Egid Quirin Asam bauten sich diese charmante Kirche ab 1733 neben Egids Wohnhaus, man konnte sogar von dort auf den Altar schauen. Eigentlich sollte dies ihre private Kapelle sein, aber die Bevölkerung verlangte nach Einlass und erhielt ihn auch, anders als ich. Deshalb habe ich auch nur Fotos von der Fassade. 

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    Zu den privaten Kirchen, die man bequem von zu Hause aus erreichen konnte, gehört natürlich auch die Hofkapelle der Residenz. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde sie im Auftrag von Herzog Maximilian I gebaut und der heiligen Maria gewidmet. Die Herzogsfamilie saß während der täglichen Messe oben auf der Balustrade und konnte ganz bequem aus ihren persönlichen Räumen dorthin gelangen- Mir wird jetzt auch das Konzept der privaten Kirche zu Hause klarer. Früher gehörte die Messe eben zum Tagesablauf wie heute Email-Abrufen oder Blog-Schreiben, da war es doch bequem, wenn man das auch eben kurz im Schlafanzug erledigen konnte.

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    Ebenfalls in der Residenz befindet sich die im 2. Weltkrieg zerstörte Allerheiligen-Hofkirche, die erst 2003 wieder so weit restauriert war, dass sie heute für Konzerte genutzt werden kann. Dabei wurde jedoch nicht die alte Pracht, sondern lediglich die Bausubstanz wieder hergestellt. Deutlich sieht man auch den Unterschied zwischen neuen und alten Ziegeln und kann so das Ausmaß der Zerstörung erkennen, die im übrigen durch Schautafeln dokumentiert wird.
    Amies et Amis - Freundinnen und FreundeIn dieser erzwungenen Schlichtheit spiegelt sich jedoch der Wille des Erbauers eindrucksvoll wieder. König Ludwig I hatte als Kronprinz an einer Christmette in der normannisch-byzantinischen Palastkapelle von Palermo teilgenommen und sich solch eine Hofkapelle gewünscht. Ich selbst habe Kirchen in Palermo besucht und kann mich der Begeisterung Ludwigs nur anschließen, wobei ich deren typischen Stil eben nicht in der ursprünglichen goldig-venezianischen Version, sondern eher in der einfachen Restaurierung wiederfinde.
    Allerdings ist die Cappella Palatina di Palermo auch nicht schlicht. Guy de Maupassant bereiste Palermo im Jahre 1885 und bezeichnete die Kapelle als die schönste Kirche der Welt.
    Ich finde auch, dass Palermo und Sizilien insgesamt zu den schönsten Orten der Welt gehören, wobei ich mich neben Palermo noch besonders gut an Cefalù, Agrigento und Taormina erinnere. Wie schön, dass ich diese Erinnerungen teilen kann. Wann machen wir mal wieder eine lange Bahnreise den Stiefel entlang mit italienischem Brot, Salami und Marsala all'uovo?
    In der Münchener Residenz gibt es eine ganze Galerie mit Gemälden aus Italien, jeweils mit einem Spruch unterlegt.
    "Du heißt das Haupt Cephalu von dem paradiesischen Lande,
     ragst voll Sehnsucht hinaus in das unendliche Meer."

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  • Commentaires

    1
    Mercredi 20 Octobre 2010 à 07:52
    2
    Mercredi 20 Octobre 2010 à 07:53
    3
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Mercredi 20 Octobre 2010 à 10:45

    Da war ich auch, dummerweise wird sie einmal wöchentlich für ein paar Stunden zur Reinigung geschlossen, da musste ich dann genau vor der Tür stehen. Aber man konnte sehr schön durch die Scheiben die Kirche sehen, sie ist ja nicht groß, aber tatsächlich überaus prächtig.

    4
    hdor Profil de hdor
    Mercredi 20 Octobre 2010 à 12:17

    In Aachen gibt es eine Teufelsgeschichte, wo man den Bösen mit einer Wolfsseele überlistet hat.

    5
    Mercredi 20 Octobre 2010 à 12:50

    Echt? Ich habe auch mal in Aachen gelebt, kann mich aber an diese Geschichte gar nicht mehr erinnern. Steht die Geschichte in Verbindung mit dem Aachener Dom? Oder hat sich die Legende vom Hörensagen in die Jetztzeit gerettet? Aachen hat ja auch viele Brunnen und Skulpturen, vielleicht erzählt ja eine davon etwas darüber? Mir ist nur der Öscher Klenkes in Erinnerung, die Skulptur mit dem abgestreckten kleinen Finger, das Zeichen der Aachener.

    6
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Mercredi 20 Octobre 2010 à 15:10

    Ha, das ist der Finger des Teufels!!

    7
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Mercredi 20 Octobre 2010 à 15:12

    Und danke für den Link auf das Altarbild, ich habe ihn gerade eingebaut.

    8
    Mercredi 20 Octobre 2010 à 16:21

    Also das mit dem Teufelsfinger ist mir ganz abhanden gekommen. Dabei lebte ich mal in Aachen und war auch oft im Münster, schäm....

    Aber diese Story weist ungeheure Ähnlichkeit zum Osnabrücker "Löwenpudel" auf, bei der es um einen ähnlichen Kuhhandel ging. Nur waren die Verhandlungsparteien nicht Volk/Kirche und Teufel, sondern Karl der Große und die Osnabrücker.... hier bei Wikipedia schön nachzulesen: http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%B6wenpudel

    Ob es was damit zu tun hat, dass Osnabrück wie auch Aachen wichtige Städte im Wirken Karls des Großen waren? Denn die Story - entschuldigung! - ist zu ähnlich.... nur anderer Ort und etwas anders dargestellt....

    9
    Kornelia
    Samedi 23 Octobre 2010 à 14:49

    Dafür liebe ich das Internet - ein sehr lebendiger Rundgang zu den Münchener Kirchen diese Fotos.

    10
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Samedi 23 Octobre 2010 à 15:04

    Danke für's Lesen und Loben!

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