• Während Angela Merkel in Harvard die Ehrendoktorwürde bekommt und eine bejubelte Rede hält, in der es ihr wohl gelingt, Trump nicht zu erwähnen und dennoch seine Politik zu kritisieren, wünscht sie sich sicherlich, auch andere CDU-Mitglieder würden es mal schaffen, vor dem Reden nachzudenken.

    Gegenseitig im VerachtenAKK verlangt nach Regeln für Youtuber, damit nicht jeder so einfach seine Meinung sagen kann vor einer Wahl. Man kann ja nie wissen, ob nicht doch ein paar Menschen sich das anhören. Natürlich könnte auch sie ein schmissiges Video hochladen, wenn sie nur könnte. Könnte denn vielleicht Philipp Amthor? Der ist schließlich jung. Öh, nein, kann er offensichtlich nicht. Irgendwann wird die Welt mal seinen Beitrag aus der Versenkung zu sehen bekommen, hoffe ich, das wird ein großer Spaß.

    Ein Spaßvogel ist der gute Amthor ja sowieso, gerade bekommt auch er viele Klicks für das Video von einer Wahlveranstaltung in der Uckermark. Auf einem nicht sonderlich gut besuchten Marktplatz röchelt er (ziemlich allein) zuerst die Nationalhymne, um dann den gelungenen Ausspruch zu tun: "Es ist (undeutlich) ja keiner von uns Moslem, der das jetzt nicht singen kann." Ich denke, dass er sich diesen genialen Witz bestimmt vorher schon mal selbst erzählt und ihn einstudiert hat, er will ihn so offensichtlich loswerden, dass er zweimal ansetzt, damit er nicht ungehört verlorengeht. Trotzdem vernuschelt er den Anfang und wirkt auch sonst rhetorisch nicht firm. Was soll das Wort "jetzt" in dem Satz? Das geht doch pointierter und ohne Füllwörter. Ein guter Komiker sollte auch nicht selbst am lautesten über seine Witze lachen.

    Gottes ist der Orient! Gottes ist der Okzident!Nun dachte ich zunächst, das junge Genie wollte sicherlich einen bekannten Canon von Carl Gottlieb Hering zitieren: "Sei doch kein Muselmann, der ihn nicht lassen kann." Aber dann hätte er ja bestimmt gesungen, er ist ja kein Moslem, der das jetzt nicht singen kann.
    Nein, es ist viel einfacher, er wollte nur seine Verachtung für Özil im Besonderen und Moslems im Allgemeinen zum Ausdruck bringen. Diese Moslems können die deutsche Nationalhymne nicht singen, weil sie die falsche Nationalität haben: Muslimisch. Man ist entweder deutsch oder muslimisch, beides geht nicht, ist doch klar.

    Nun gibt es aber Humorkritiker, die meinen, Amthors Äußerung sei nicht witzig, sondern bloß rassistisch. Das ist gemein, schließlich hat er es doch bereut und zurückgenommen. Dumm nur, dass man Gesagtes nicht zurücknehmen kann und es letztlich trotz später Einsicht zeigt, wes Geistes Kind einer ist. Wie sagte schon Mephisto?

    teuflisch gutDenn eben wo Begriffe fehlen,
    Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
    Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
    Mit Worten ein System bereiten,
    An Worte läßt sich trefflich glauben,
    Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben.

     


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  • Wahlkampf in der niederrheinischen PampaIrgendwie ist das keine so gute Woche für die gernzitierten alten weißen Männer. Für ältere Damen in der CDU allerdings auch nicht so richtig. Am Sonntag ist Europawahl und auf einmal mischen sich Leute in die Politik ein, die doch bloß Sand ins wohlgeschmierte Getriebe werfen. Satiriker und Youtuber, Frauen, SchülerInnen, junge Leute. Was ist bloß los mit der Jugend? Statt das Klima den Experten zu überlassen, ergreifen junge Menschen das Wort, gehen auf die Straße und machen freche Videos, bloß weil sie nicht wollen, dass Politiker und Unternehmen ihre Lebensgrundlage für die Zukunft zerstören.
    Als hätten die Politiker nichts anderes zu tun, müssen sie sich jetzt auch noch mit Satire und Internet herumschlagen. Das hat in Österreich schon ein paar rechten Politikern den Teppich unter den Füßen weggezogen, wenn es ganz schlimm kommt, leidet sogar die AfD darunter. Dabei ist dies die letzte Partei, die einem noch Hoffnung fürs Klima macht. Man muss nur ganz fest die Augen schließen, sich nicht informieren oder Wissenschaftler als Lügner bezeichnen, dann wird das schon. Und dann kommt da so ein Bürschchen daher, greift die etablierten Parteien an und belegt seine Aussagen mit Quellen. Ganz böse, AKK wusste aber direkt Rat und rief ein CDU-Bürschchen an, um ein cooles Gegenvideo zu machen. Na ja, der junge Amthor sieht irgendwie aus, als käme er gerade von seiner Erstkommunion, ob der wirklich dieser Aufgabe gewachsen war? Anscheinend nicht, denn das CDU-Präsidium hat die Veröffentlichung des Videos untersagt. Statt dessen gibt es ein maues Gesprächsangebot auf Twitter. Oh weh, nur noch drei Tage bis zur Europawahl, wenn das mal gutgeht. Und morgen ist Freitag, da kommt nochmal Jugend for future, die Heute Show und Neo Royale, auwei. Kann man wenigstens das noch verhindern?


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  • Lesestoff am Klever RingIch habe es sicher schon erwähnt, dass ich zwanghaft alles lese, was mir in die Augen sticht. Das macht es auf der Autobahn manchmal anstrengend, weil ich alle Lastwagenaufschriften vor mir lese. Und manchmal möchte ich aussteigen und mit einer roten Sprühdose eingreifen. So bei diesem Lieferwagen, der gestern in Kleve an der Ampel vor mir stand.

    1. Das Deppenapostroph muss weg.

    2. Sätze beendet man mit einem Punkt. Ja, es sind Sätze, richtigerweise geht es danach mit einem Großbuchstaben weiter.

    3. Großbuchstaben bei Personalpronomen sind dagegen sehr mit Vorsicht zu genießen und nur zum Zwecke der Respektbekundung zu benutzen. Das Pronomen "er" wird eigentlich nur groß geschrieben, wenn mit "Er" der HErr gemeint ist.

    Warum tut man seinem Kind das an?Ich bezweifele allerdings, ob tatsächlich Jehova mit seinem Namen dafür steht, dass Papas Tore sich kinderleicht öffnen. Oder ist mit Papa doch der himmlische Vater gemeint, der dafür sorgt, dass die Himmelstore sich kinderleicht öffnen? Lasst die Kindlein zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich. Ist dieser Klever Lieferwagen also eigentlich ein Träger göttlicher Botschaften? Aber welcher? Dass Gott all seine Kinder liebt, selbst dieses Baby auf dem Lieferwagen?


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  • Da sitze ich nun am Schreibtisch und blogge meinen Frust, während ich in der Warteschleife eines Reiseveranstalters hänge und mir ständig anhöre, dass mein persönlicher Ansprechpartner gleich für mich da ist, immer abwechselnd mit der Information, dass alle Kundenberater im Gespräch sind und ich gern auch im Internet nachsehen kann. Dabei wollte ich jetzt wirklich an einem wärmeren Ort weilen und den Duft von Mandelblüten und Meeresbrise genießen.

    Due to a police Maßnahme most flights be annulliert.Eigentlich lief auch alles ganz super. Das Gepäck gestern Abend im Auto verstaut, beim ersten Klingeln des Weckers um 4 Uhr aufgestanden, den weltbesten Parkplatz am Bocholter Bahnhof bekommen, alle Züge Richtung Düsseldorf Flughafen waren pünktlich, ich hatte eingecheckt und wollte durch die Ihr kommt hier nicht rein!Sicherheitskontrolle. Da endete mein Ferienträumchen abrupt, obwohl es zuerst gar nicht so dramatisch schien. Ein Sicherheitsmann antwortete auf die Frage, warum es denn nicht weiterging, dass man drei Personen suchte, die in einen Bereich gegangen waren, in den sie nicht gehen sollten. Erst als Lufthansa anfing, Flüge zu annullieren, wurde es doch irgendwie mulmig. Aber mein Flug wurde immer noch aufgeführt mit einer späteren Abflugzeit. Nur als der Sicherheitsbereich wieder geöffnet wurde, erschienen fast alle frühen Flüge als annulliert. Das nachfolgende Chaos kann man von Seiten des Flughafens und der Fluggesellschaft nur als kopflos, planlos und konzeptlos bezeichnen. Es endete für Schlangestehen wie Ameisenhaufenmich damit, dass ich erst morgen fliegen kann und wieder nach Hause gefahren bin. Mit Koffer, denn das Gepäck mussten sich die meisten wieder holen, einchecken für morgen durfte ich auch nicht, erst ab 18 Uhr. Kein Stück Entgegenkommen nach dem Desaster. Gerade bin ich zu müde für Details, aber die Nachrichten haben ja so ziemlich alles gesagt.

     


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  • Was ist wohl besser, ein schneller, plötzlicher Tod oder langsames Organversagen? Die Frage stelle ich mir nicht im Hinblick auf mein eigenes Ableben, das kann man ohnehin nur sehr begrenzt selbst steuern. Aber mein Auto ist doch schon in die Jahre gekommen und nun zeigt sich seit kurzem, dass es wohl auch nicht unsterblich ist. Nun gut, ich habe es auf Wikipedia unsterblich gemacht, aber das weiß kaum jemand.

    Um die Metapher beizubehalten: Mein Auto geht bzw. fährt öfter zum Arzt als ich selbst, bekommt regelmäßige Check-ups, alle zwei Jahre die ganz große Untersuchung, außerdem wird es mit Nährstoffen und Flüssigkeit versorgt sowie ab und zu geduscht. Seit einiger Zeit muss es auch die Nächte nicht mehr draußen verbringen, deshalb sollte ihm dieser Winter doch wie ein Frühling vorkommen. Nach der Arbeit: Der erste Schnee in diesem Winter. Mit ganz neuen Hinterreifen und neuer Batterie.Aber nein, statt mir die gute Pflege zu danken wie bisher, kommt es zu plötzlichen Aussetzern und spontaner Arbeitsverweigerung. Das war letzte Woche so, als ich spät abends von der Arbeit nach Hause fuhr und kurz den Motor abstellte, um das Garagentor zu öffnen. Danach sprang es nicht mehr an und machte keinen Mucks. Herzinfarkt oder Schlaganfall? Der ADAC vereinbarte einen Termin in aller Frühe und stellte fest, dass es am Nervensystem lag, schleppte es zum Werkstatt-Krankenhaus. Dort wurde ein Organ transplantiert, zudem gab es zwei neue Schuhe mit winterfesten Sohlen und andere Annehmlichkeiten. Der Gedanke kam mir kurz, ob ich tatsächlich noch Geld investieren oder ihm doch lieber den Gnadenschuss verpassen sollte, aber ein Nachfolger ist nicht in Sicht und passt derzeit auch nicht in meine Pläne, die mehr in Richtung Elektromobilität gehen.

    Also bekam es eine neue Batterie und viele Extras, um sein Leben zumindest um ein Jahr zu verlängern. Danach fuhr es mich wieder brav von A nach B und C, gestern zum Beispiel zur Arbeit, dann zum Aldi an der Dinxperloer Straße, der ironischerweise genau gegenüber von meiner Werkstatt liegt. Eine Unpässlichkeit hätte man dort also vor Ort beheben können. Aber es lagen keine Krankheitssymptome vor, bis ich auf dem Heimweg auf der mittleren Spur der Dinxperloer Straße vor dem Tunnel an der Ampel halten musste. Plötzlich wurde es ganz still, stellte den Motor ab und auch nicht mehr an, wie sehr ich es auch versuchte. Immerhin gurgelte es noch beim Anlassen. Es gibt kaum einen unpassenderen Ort in Bocholt, um einfach stehenzubleiben, höchstens noch die komplizierte Kreuzung bei der alten Post. Diese Abschleppaktion war dann auch stessiger als die von letzter Woche, nun steht es also wieder in der Werkstatt und ich wieder vor der Frage, ob es neue Organe oder die Kugel bekommt. Aber noch weiß ich gar nicht, was es denn hat. Und will es mir etwas mitteilen, indem es die Orte so gezielt auswählt, an denen es ohne Vorankündigung schlappmacht?

    NapoléonWer jetzt denkt, ich sei nicht ganz bei Troste, weil ich mein Auto anthropomorphologisiere, möge bedenken, ob er nicht auch mit seinem Computer spricht oder anderen La SommeGeräten gut zuredet, die sich im Streik befinden. Immerhin haben Menschen schon immer viel Gewese um Gegenstände gemacht, die ihnen wichtig waren, Steine, Schwerter, Trinkgefäße fallen mir da aus ganz frühen Zeiten ein. Schwerter bekamen sogar Namen, mein Auto heißt einfach nur Golf wie Millionen anderer Autos auch. Also, Golf, falls du das hier liest, gib nicht auf, denk an all die schönen Ferien in Frankreich, die du gemacht hast und noch machen kannst, la vie est belle.Le Mont Saint Michel


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  • Theater am RheinWie beginnt man die Weihnachtsferien am besten? Mir schwebte eine ausgedehnte Shoppingtour vor, andererseits brauche ich eigentlich keine Geschenke mehr und bin auch kein Fan von Weihnachtsmusik und Menschenmassen in Läden.

    So begab es sich aber, dass die Bekannte einer Freundin, die eine Karte für Tschaikowskys Schwanensee im Theater in Duisburg hatte, kurzfristig verhindert war und mir diese Karte angeboten wurde. Obwohl ich eigentlich nicht so sehr an Ballett interessiert bin und Schwanensee vor Jahren schon mal gesehen hatte, habe ich doch ja gesagt und es nicht bereut.

    DuisburgDuisburg ist nicht so hässlich, wie man immer denkt, und der große Platz, an dem das Theater und die Merkator-Halle liegen, ist sogar richtig schön, besonders im Dunklen, wenn alle Gebäude angestrahlt werden.

    Leider durfte man in der Aufführung nicht fotografieren, ich habe mich ausnahmsweise mal an das Verbot gehalten, weil es ja genügend Bilder im Internet gibt, auch von dieser hochgelobten Inszenierung von Martin Schläpfer mit dem Untertitel „b.36“. Schläpfer nummeriert auf diese Weise seine Produktionen.

    Sehen und gesehen werdenWie gesagt, ich bin keine Ballettratte, deshalb halte ich mich mit Kunstkritik zurück. Ich weiß nur, dass ich keine altertümlichen Aufführungen mit Männern in engen Strumpfhosen und auch keine grotesken, pseudomodernen Veranstaltungen sehen mag. Das war ein bisschen meine Befürchtung, aber nein, es war eine moderne Inszenierung, die alle künstlerischen Leistungen von TänzerInnen, Orchester, Bühnenbild und Kostümen zur Geltung brachte und dem Publikum eine schöne Version von Schwanensee bescherte. Die Standing Ovations am Schluss waren vielleicht das einzig Gekünstelte an diesem Abend. Während sie noch klatschten, tauschten einige Zuschauer bereits Fußballergebnisse aus. Aber es spricht doch sehr für diese Aufführung, dass der Saal nach der Pause immer noch voll war, obwohl Dortmund spielte.

     Wie ich gerade von Ildikoo erfahren habe, kann man die Aufführung in Düsseldorf im Moment auf Arte ansehen.


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  • Oh, oh, Oma's Küche. Damit fängt es schon mal an, wer den Namen seines Restaurants mit einem Deppenapostroph versieht, lässt bei mir nicht direkt Lust aufkommen, mich dort an einem Tisch niederzulassen, eher beginnt mein Rotstift in der Tasche zu glühen. Mal abgesehen davon, dass Omas Küche so bräsig bratkartoffelig klingt, gar nicht appetitlich.

    Aber dieses Restaurant in Binz auf Rügen macht gerade Schlagzeilen, weil es nach 17 Uhr keine Kinder mehr zulässt. OK, das ist ein Thema fürs Sommerloch, aber ich habe mir doch an den Kopf gefasst und mir deren Homepage angesehen. Es sieht innen auch aus wie bei Oma mit vielen Stehrümkes, außerdem ist der Ton auf der Seite zwanghaft pädagogisch: "In Oma´s Küche heißen wir Kinder herzlich willkommen und geben unser Bestes, um auch die jungen Gästen (sic) zu begeistern, dazu gibt es auch eine eigene Kinderkarte, aber weder Pommes noch Pizza." Ist Kartoffelbrei wirklich besser für Kinder oder geht es nur um die Deutschtümelei?

    Das herzliche Willkommen hat sich ja nun erledigt, aber vorher hatte man bereits einen grenzwertigen Ansatz: "Aus diesem Grund bitten wir Eltern und Großeltern darauf zu achten, dass die lieben Kleinen sich auch entsprechend benehmen, artig mit ihrem Arsch am Tisch sitzen bleiben, nicht alles angrabbeln und weder andere Gäste noch Kellner nerven." Seine alten (antiken!) Kinderstühle hatte das Restaurant auch schon abgeschafft wegen böser EU-Normen. Echt jetzt, wieso sollten Kinderstühle denn sicher sein? Die Blagen müssen halt nur den Arsch still halten.

    Die rüde Sprache kommt auch zum Einsatz, wenn der Chef auf Restaurantkritiken im Internet antwortet. Gut für ihn: Jetzt kann er alles den Reaktionen auf seine Anti-Kinder-Aktion anlasten, dabei scheint man in Oma's Küche auch mit Erwachsenen nicht immer freundlich umzuspringen. Hunde allerdings sind jederzeit willkommen und haben auch eine eigene Speisekarte.

    Das ganze klingt für mich nach Speisegaststätte der guten alten DDR und AfD-Stammlokal. Läuft für Oma!


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