• Der Titel dieses Artikels in der rp online schien mir verheißungsvoll, aber leider hat er doch nicht Ben Ali und seine Baggage rausgeschmissen. Es geht nur um Fußball, König Abdullah ist ungehalten, weil sein Land nach der dritten Niederlage im Asien-Cup ohne Punkte ausgeschieden ist. Deshalb hat er Trainer und Funktionäre entlassen.
    Vielleicht sollte er Ben Ali eine Chance als Trainer geben, schließlich ist Tunesien eine echte Fußball-Nation, Afrika-Meister von 2004 und regelmäßig qualifiziert für Weltmeisterschaften.
    Und es könnte ein Trend werden, dass ehemalige Diktatoren sich nützlich machen und die Verbrechen ihrer Amtszeit einfach ignorieren wollen. Vorgestern kehrte Baby Doc Jean-Claude Duvalier nach Haiti zurück, um dem Land zu helfen. So ist es recht, raube jemanden aus, zünde sein Haus an, erschieß seine Familie, und komm dann zurück, um die Feuerwehr mit deinem Wassereimer zu unterstützen.
    Oder geht der Trend vielleicht dahin, dass Frankreich keine Lust mehr hat, hachrangigen Kriminellen ein kuscheliges Heim zu bieten? Warum aber hat Duvalier keine Angst davor, in Haiti angeklagt zu werden? Und warum wurde er es nicht in Europa?
    Ach ja, nochmal zur Methode Abdullah, ich finde, man sollte die auch auf unfähige europäische Diplomaten anwenden. Wenn Außenminister so vollkommen verschlafen, was nur gerade eben auf der anderen Seite des Mittelmeers passiert, gehören sie nicht in dieses Amt. Mal abgesehen von Guido Westerwelle, der dafür ohnehin ungeeignet ist, hat auch Michèle Alliot-Marie sich als hohle Nuss geoutet. Aber wohl auch nicht zum ersten Mal.

    (Mein persönlicher Rekord, drei Diktatoren in einem Beitrag, plus zwei politische Nullnummern!)


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  • In der RP online war Tunesien heute schon nur noch ein Thema am Rande, es wurde lediglich vermeldet, dass die letzten deutschen Touristen ausgeflogen sind. Allerdings haben viele in ihren Hotelanlagen gar nicht bemerkt, dass etwas los war und wurden beim Frühstück oder am Strand von der Aufforderung überrascht, ihre Koffer zu packen. Zum Beispiel Anneliese und Ernst Hünerbein aus Gescher im Münsterland, die der RP eine erste Kriegsberichterstattung und Schlagzeile liefern.
    reines BierUnd jetzt wird man auch schon kritischer gegen diese Jasmin-Revolution, haben doch junge Leute die Reisebusse der deutschen Senioren mit Steinen beworfen. Und dann mussten einige sogar in Düsseldorf übernachten, weil sie keinen Mietwagen bekamen und eigentlich sowieso woanders landen wollten, Kleingeld wurde gesucht zum Telefonieren, denn alles kam ja so überraschend, dass man seine Lieben nicht mehr benachrichtigen konnte. So sind sie, die deutschen Senioren. Kein Handy, kein Geld, keine Ahnung. Dagegen wirken die Probleme der Tunesier doch direkt viel unwichtiger. Friseur mit Sprachkenntnissen
    Wieso hat eigentlich keiner bemerkt, wie ungewöhnlich es ist, mitten in einer Revolution beim Frühstück oder Sonnenbad freundlich informiert und dann gefahrlos mit einem klimatisierten Reisebus aus dem Krisengebiet gebracht zu werden?
    Überhaupt gaben und geben die Tunesier sich verdammt viel Mühe mit den deutschen Touristen, lernen sogar ihre Sprache und backen ihre Kuchen. deutscher Kuchen im OrientNicht dass die tunesischen Kuchen nicht auch sehr lecker wären, in Frankreich weiß man tunesische Bäckereien sehr zu schätzen. Vermutlich wird Tunesien bald wieder zur Ruhe kommen und Geld brauchen für einen Neuanfang. Dann wäre es doch nett, mal ein bisschen Urlaub dort zu verbringen, aber nicht zu Dumpingpreisen, die Menschen sollten auch Gehälter bekommen, von denen sie leben können.
    Dafür bekommt man dann auch ein Bier, das nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wurde.

    AdventskalenderUnd was mögen Tunesier am meisten an den Deutschen? Sicher nicht ihre charmante Art und gute Küche. Nein, unsere Fahrzeuge überzeugen auch in Nordafrika. In Tunis fahren deutsche Straßenbahnen, hoffentlich hat niemand sie mit Steinen beworfen. Und deutsche Autos sind auch in höchsten Kreisen beliebt, Ben Ali bekommt vermutlich in Saudi Arabien einen Mercedes zur Verfügung gestellt. Mir gefällt allerdings ein VW als Dienstwagen deutlich besser.

    Passat in Tunis

    Nachtrag: Offensichtlich gibt es nicht nur Deutsche, die schnell weg möchten, sondern auch solche, die mitmischen wollen als ausländische Söldner. Bei diesen hier hat es nicht geklappt. Ich habe mir das Video angesehen und immer wieder gedacht, dass da ein Päckchen Papiertaschentücher von Aldi am Boden liegt. Einsichten in die Intimsphäre eines Hobbykillers? RP online hat den Text hinter dem Link geändert, es sind nun schwedische Jäger, die da mit ihren Gewehren unterwegs waren. Sag ich ja, Hobbykiller.

     


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  • Oder doch lieber Ceterum censeo Carthaginem esse delendam?

    Ganz Karthago?Palast Ben Ali Karthago Nein, nur ein einzelner Palast, erbaut neben den Ruinen von Karthago, den aber weder Einheimische noch Touristen fotografieren dürfen. Soviel zur Paranoia von Diktatoren. Hab ich natürlich doch fotografiert, obwohl die Ruinen viel interessanter sind, aber was verboten ist, das macht uns grade scharf.
    Vor Fotos hat man in tunesischen Polizei- und Diktatorenkreisen geradezu panische Angst.

    Botschaft TunisSo habe ich mir mal erlaubt, in Tunis die deutsche, also meine Botschaft zu fotografieren, was sofort einen Polizisten auf den Plan rief, der den Film von mir verlangte. Er war auch nicht in der Lage zu begreifen, dass man aus einer Digitalkamera keinen Film holen kann. Nach längerer Aufsässigkeit meinerseits und nachdem ich ihm auch noch das Berühren meiner Kamera verboten hatte, schleifte er mich schließlich frustriert zur Botschaft, damit die Deutschen sich mit mir rumärgern sollten. Der herbeigerufene Sicherheitsbeauftragte amüsierte sich köstlich, sagte ein paar Gemeinheiten über die tunesische Polizei und ließ mich ziehen, worauf sich der Polizist sogar noch bei mir entschuldigte. Das nenne ich doch mal obrigkeitshörig.

    Der Titel Panem et circenses bezieht sich allerdings auf meine Ansichten zu tunesischen Medien. Ich kenne den staatlichen Sender TV7 aus eigener Anschauung und behaupte, dass die Themen sich fast ausschließlich auf schnulzige Musik, Kochen und Essen sowie Fußball beschränken. In den Nachrichten sieht man ganz überwiegend die Heldentaten von Ben Ali, der eine tolle Rede gehalten oder etwas eingeweiht hat. Also ein echtes Verdummungsorgan, und das funktionierte bisher gar nicht so schlecht. Dann kam das gefährliche Internet und machte den Machthabern Angst, sie unterbanden facebook und youtube, was ein echter Fehler war, denn nun wurden die arbeitslosen jungen Männer böse. Dabei wollten sie doch nur spielen. Und die gierigen alten Männer begriffen nicht, dass jahrzehntelange Gehirnwäsche auch im Internet dazu führte, dass Tunesier sich überwiegend mit Musik, Fußball und Spielchen beschäftigen. Bis heute erkenne ich auf den facebook-Seiten meiner tunesischen Kontakte keine politischen Äußerungen.

    asterixDann habe ich mal verschiedene Zeitungen im Internet angeschaut, besonders neugierig war ich auf die marokkanischen, denn Marokko müsste sich ja von den Unruhen in Tunesien und Algerien besonders betroffen fühlen. Aber nein, da werden keine schlafenden Hunde geweckt, die winzige Nachricht über Tunesien ist gut versteckt, wenn überhaupt vorhanden. Wie ein Kommentar in Le Monde vermutet, bereiten die meisten arabischen Diktatoren schon ihre Koffer und Flugzeuge vor, während sie ansonsten möglichst wenig über Tunesien verlauten lassen und die Armeen in Stellung bringen.

    Immerhin verbreitet die Homepage von TV 7 heute die Nachricht, dass der Posten des tunesischen Präsidenten definitiv vakant sei. Kann man es eleganter ausdrücken?

     

    Annonce de la vacance définitive au poste
    de la Présidence de la République.

     

    Le Conseil Constitutionnel,

    Après lecture de la lettre qui lui a été adressée par le Premier ministre, en date du 15 janvier 2011 ;

    Et après avoir pris connaissance des dispositions de l'article 57 de la Constitution concernant la vacance de la Présidence de la République ;

     Et étant donné qu'il ressort de ladite lettre que le Président Zine El Abidine Ben Ali a quitté le pays sans déléguer ses pouvoirs au Premier ministre conformément aux dispositions de l'article 56 de la Constitution ;

    Et étant donné qu'il n'a pas présenté sa démission de ses fonctions à la tête de l'Etat ;

    Et étant donné que le départ s'est déroulé dans les circonstances actuelles qui prévalent dans le pays et après avoir décrété l'état d'urgence ;

    Et étant donné que l'absence du président la République de cette façon l'empêche d'exercer pleinement ses fonctions, ce qui représente un cas d'empêchement absolu à l'exercice de ses fonctions, en vertu de l'article 57 de la Loi fondamentale ;

    Annonce :

    - Premièrement : la vacance définitive au poste de Président de la République.

    - Deuxièmement : les conditions constitutionnelles sont remplies pour que le président de la Chambre des députés

    Les présidents de la chambre des députés et de la chambre des conseillers sont tenus informés de cette annonce.

    Cette annonce sera publiée dans le Journal Officiel de la République Tunisienne (JORT).

    Cette décision a été prise, lors de la réunion, tenue au siège du Conseil Constitutionnel, au Bardo, le samedi 15 janvier 2011, sous la présidence de M. Fethi Abdennadher, président de cette instance et en présence des membres :

    Mme Faiza Kéfi et MM. Ghazi Jribi, Mongi Lakhdhar, Mohamed Ridha Ben Hammed, Mohamed Kamel Charfeddine, Néjib Belaid, Brahim Barteji et Mme Hamida Laarif.


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  • Die Amerikaner haben in der Vergangenheit ja gern diktatorische und korrupte Regimes unterstützt und die vertriebenen Diktatoren aufgenommen, die ihnen als Garant gegen Kommunismus erschienen. Ein bisschen haben sich die Zeiten geändert, Ben Ali und seine Familie haben es vorgezogen, sich nach Saudi Arabien zu flüchten, obwohl sie immer als pro westlich galten. Aber der Westen ist nicht so pro Ben Ali, wie er vielleicht dachte. Das liegt daran, dass er und seine Familie das Volk tyrannisiert und ausgebeutet haben, dieses aber nicht nach Islamismus oder Kommunismus strebt, sondern einfach nach Demokratie. Wenn das so bleibt, wird Tunesien vielleicht die erste echte Demokratie in der arabischen Welt, zu wünschen wäre es. Europa und Amerika werden nach Kräften dabei helfen, schließlich haben sie viel investiert, zum Beispiel in Hotels. Ob sie ihren Angestellten dann wohl endlich gescheite Löhne zahlen?

    Auf WikiLeaks kann man ein Dokument von 2008 nachlesen, in dem die amerikanische Botschaft die Korruption und Bereicherung der Familie Ben Alis und seiner Frau beschreibt. Veröffentlicht ist dieses Dokument in Le Monde, dort findet sich zunächst eine französische Zusammenfassung.
    Die amerikanische Botschaft beschreibt in ihrem Telegramm auch, das westliche Unternehmen z.T. in das Korruptionssystem der Familie Trabelsi einbezogen werden sollten, sich aber mit Hilfe ihrer Botschaften wehrten wie eine deutsche Firma oder sich ganz zurückzogen wie McDonalds.

    Hier die abschließende Beurteilung der amerikanischen Botschaft über die Korruption in Tunesien. Die Amerikaner haben bereit 2008 von Aufständen und Unzufriedenheit der Bevölkerung berichtet:
    "Corruption is a problem that is at once both
    political and economic. The lack of transparency and
    accountability that characterize Tunisia's political system
    similarly plague the economy, damaging the investment climate and fueling a culture of corruption. For all the talk of a Tunisian economic miracle and all the positive statistics, the fact that Tunisia's own investors are steering clear speaks volumes. Corruption is the elephant in the room; it is the problem everyone knows about, but no one can publicly acknowledge. End Comment."  http://wikileaks.ch/cable/2008/06/08TUNIS679.html


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  • Tür zu hinter ben AliTunesien - ein wunderschönes Land mit freundlichen und fleißigen Menschen, die sich abstrampeln und von einem korrupten und diktatorischen Regime um die Früchte ihres wirtschaftlichen Erfolges geprellt werden. Dass sie sich wehren, scheint mir längst überfällig. Und trotz der brutalen Reaktion der Führung, die mehr als 60 Tote forderte, scheinen die Proteste erfolgreich zu sein. Ben Ali ist heute zurückgetreten und hat das Land verlassen, die Regierung in Paris bestätigt noch nicht seine Ankunft, vielleicht hat er sich ja auch direkt in die USA abgesetzt. Jedenfalls hat er in der Zeit seiner Diktatur genug Geld aus dem Land geschafft, um  den Rest seines Lebens in Luxus zu verbringen. Dabei wird er mit Sicherheit nicht gestört oder womöglich an sein Land ausgeliefert, denn schließlich war er dem Westen immer ein guter Freund.
    Wie ich gerade in den Nachrichten höre, sind im Moment 6000 bis 8000 deutsche Touristen in Tunesien, die nicht zurückgeholt werden können, weil der Luftraum gesperrt wurde, vielleicht, um Ben Alis Maschine in Ruhe abheben zu lassen. Flüge von Deutschland nach Tunesien sind zur Zeit annuliert.

    Kurz vor 20 Uhr hat Ben Alis Maschine Malta überflogen in Richtung Norden, in Frankreich regen sich bereits die ersten Stimmen, dass es nicht anginge, ihn aufzunehmen. Andererseits bereitet man sich dort auch schon darauf vor, sich so richtig schön in Tunesien einzumischen unter dem Vorwand, den Tunesiern beim Aufbau einer Demokratie zu helfen. Es ist leichter, sich gegen seine Feinde zu wehren als gegen seine Freunde.

    Ich meine ja, Ben Ali sollte in Italien landen, da kann er schön mit Berlusconi über Zensur und gelungene Fernsehprogramme fachsimpeln und sie können sich gegenseitig die Haare färben.

    Eine Tochter und eine Enkelin von Ben Ali sind in Paris gelandet, jedoch wurde offiziell vermeldet, man wünsche keine Landung von Ben Ali. Wenn er darum bäte, würde man die Behörden in Tunesien konsultieren. Sehr witzig, der Mann fliegt doch nicht ziellos in der Welt herum.

    Le Monde.fr: 
    La radio privée tunisienne Nessma annonce l'arrestation du genre de Ben Ali et d'autres membres de sa famille.

    Ben Ali selbst scheint in Richtung Golfstaaten unterwegs zu sein, eigentlich ganz klug, die Jungs liefern keinen arabischen Diktator aus, schließlich gehören sie ja auch zum Club. Und sein Geld bzw. das Geld der Tunesier ist vielleicht auch schon da.
     
    Die bestgehasste Frau Tunesiens ist Leïla Trabelsi, die Frau von Ben Ali. Sie und ihre Familie stehen für Korruption und Selbstbedienung am Vermögen des tunesischen Volkes. Die Villen der Familien wurden heute geplündert, aber offensichtlich hatten die bereits ihre Reichtümer in Sicherheit gebracht. Die Trabelsis selbst sollen sich auf dem Weg nach Dubai befinden.
    Leïla Trabelsi war übrigens vor ihrer Ehe Friseuse, worüber in Tunesien zahlreiche Witze kursierten.

     

    Le Monde zeigt in einem Liveticker die Abfolge der Ereignisse.


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  •  

    Heute Nacht (6.1.2011) erwachte ich vom schaurigen Klang der Sirenen. War Krieg ausgebrochen, fielen die ersten Bomben? Hatte die neuerliche Verfügbarkeit von Streusalz zu einer plötzlichen Schmelze der Schneeberge am Straßenrand und dadurch zu einer städtischen Hochwasserkatastrophe geführt? Und wie genau lauteten die Signaltöne für diese Fälle?  Ich kenne nur dreimal kurz für Feueralarm, habe auch noch nie ein anderes Signal gehört, zum Glück. Auch diesmal blieb es beim dreimaligen Aufheulen. Da ich im unverdunkelten Zimmer schlafe, reichte ein Blick in Richtung Fenster, um ein Flammenmeer vor dem Haus auszuschließen, auch sonst drang kein Brandgeruch an meine Nase, und sowieso hatte ich weder gekocht noch gekokelt.  Also umgedreht und weitergeschlafen.
    Neugierig war ich aber doch, also schaute ich im BBV nach, und siehe, heute Nacht brannte es in einem Reifenlager an der Franzstraße., Ecke Königsmühle. Luftlinie ist das nicht weit weg von hier, aber man riecht nichts. Nur werden bei Bränden erhebliche Mengen an Dioxin freigesetzt, was ja nicht so doll sein soll für die Gesundheit. Aber nein, es ist mal wieder gut gegangen: "Die Feuerwehr alarmierte über Sirenen weitere Mitarbeiter ...  Wie Dekker sagte, hätten nicht all zu viele Reifen Feuer gefangen, so dass sich kein giftiger Rauch entwickelte. Eine Gesundheitsgefährdung habe nicht bestanden."
    Das beantwortet auch die Frage, die ich mir im Halbschlaf noch stellte, nämlich die nach dem Zweck des Sirenengeheuls bei Feueralarm.  Es soll wohl nur die Feuerwehrleute wecken.
    Feuer gab es gestern auch in den Niederlanden  beim Großbrand in einem Chemieunternehmen in Moerdijk, etwas weiter entfernt, aber spätestens seit Eyjafjallajökull weiß man, dass sich Asche und Gifte grenzüberschreitend ausbreiten. So wie Dioxin. Wie ich auf google maps feststellen konnte, liegt der Brandort ziemlich genau zwischen Douai und Bocholt. Nun hängt es wohl vom Wind ab, wer die toxische Ladung abkriegt, oder?
    Aber nein, Entwarnung ist angesagt: "Ein Polizeisprecher sagte dem niederländischen Fernsehen nach dem Ausbruch des Brandes, die auf dem Gelände gelagerten Chemieprodukte seien "giftig, ätzend und brennbar", doch hätten alle 50 Angestellten der Firma unverletzt in Sicherheit gebracht werden können. Die Stadtverwaltung evakuierte angrenzende Firmen und wies die Bewohner Moerdijks an, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Später gab sie jedoch Entwarnung: Es seien keine Giftstoffe freigesetzt worden."
    Also Fenster auf und frische Luft reinlassen!

    Dioxin ist ja in den letzten Tage ein bisschen in Verruf geraten, manche Verbraucher mögen keine Eier mehr essen. Das erinnert mich an den Frühling 1986, als man plötzlich auch nach der letzten Vorlesung noch frische Milch kaufen konnte in der Kaufhalle, was sonst völlig ausgeschlossen war. Damals gab es auch in der DDR außergewöhnlich viel Gemüse aus dem Westen im Angebot. Mal sehen, wer jetzt unsere Eier und Hähnchen bekommt. Ein paar Eier wurden zur Weiterverarbeitung in die Niederlande geliefert, da sind sie jetzt vermutlich in pannekoeken und fritessaus zu finden.  Na ja, da muss man sich als Gourmet in der Grenzregion ein bisschen zurückhalten.
    Aber eigentlich ist es mal wieder halb so schlimm: "Für die Verbraucher sieht der Bauernverband zunächst keine neue Bedrohungslage. "Die ersten Ergebnisse zeigen, dass sie, mit Ausnahme einiger Betriebe in NRW, weit unter dem zulässigen Grenzwert liegen", sagte Born."

    13.1.2011: Heute ist die Schifffahrt (das wollte ich immer schon mal schreiben) auf dem Rhein gesperrt, weil die Loreley sich als jüngstes Opfer einen Kahn mit Schwefelsäure ausgesucht hat. Bis auf die ertrunkenen Seeleute ist aber niemand in Gefahr, auch nicht der Rhein. War ja klar.
    Andererseits steht in der gleichen Zeitung ein langer Artikel zu unseren verrotteten Sirenen und unzureichenden Alarmsystemen, die die Bevölkerung nicht sinnvoll über Chemieunfälle benachrichtigen könnten.
    Rühmliche Ausnahme soll die Chemieindustrie entlang der Rheinschiene sein. Das muss an der Loreley liegen, vor der sie solche Angst haben.
    Wie kommt es, dass sich gerade jetzt unsere Politiker mit der Sirenenfrage beschäftigen? Ist die Loreley nicht überhaupt auch eine Sirene ?
    Und wie sinnig sind Warnsysteme mit Autohupen und Feuermeldern? In unserer Schule kommt ab und zu die Feuerwehr, gern auch Freitags, wo kaum jemand an der Übung teilnimmt, dann findet sie immer wieder neue fiktive Sicherheitslücken, die sie mit realen Sicherheitsproblemen stopft. Zum Beispiel dürfen im 1. Stock alle Fenster im Gang nicht mehr zu öffnen sein, was im Sommer eine echte Qual ist. Auf der Hofseite in den Klassen sind sie jedoch zu öffnen, schließlich sind Fenster ja Notausgänge. Rausfallen kann aus den Gangfenstern ohnehin keiner, dafür liegen sie zu hoch und sind zu klein. Aber im Notfall würde ich lieber ins Gebüsch unter den Gangfenstern als auf den Asphalt unter den Klassenfenstern springen. Witzigerweise sind die Fenster im 2. Stock nicht verriegelt, obwohl der Fall dort tiefer wäre. Dort mussten wir auch in einer Klasse einen Wanddurchbruch zur Nachbarschule machen, um einen neuen Notausgang zu schaffen. Die Tür darf nicht verschlossen werden, also kann von dort  jemand eindringen mit allen Konsequenzen. Es ist übrigens die einzige Klasse mit zwei Türen. Als ich bei solch einer Begehung mal einen Feuerwehrmann fragte, warum er sich nicht daran störte, dass wir keine Rauchmelder hätten, antwortete er mir, das sei nicht Vorschrift. Das ist es also, Vorschriften müssen erfüllt sein, dann kann im Ernstfall die Verantwortung abgeschoben werden, aber um reale Gefahrenabwendung geht es nicht. Ich finde es wenig beruhigend, dass ich ggf. vorschriftsmäßig ersticke oder verbrenne. Und noch absurder finde ich die Maßnahmen für einen Fall von Amoklauf, aber die sind geheim.


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  • "Für das Jahr 2011 Gesundheit, Wohlergehen und das oft­mals notwenige Quentchen Glück." Günter Steins, Bürgermeister von Kranenburg

    "Herzliche Grüße, und uns allen: Wellness, Westgeld, Wohlgefallen!" Petit Larousse

    "Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien für 2011 Gesundheit, Kraft, Zufriedenheit und Gottes Segen." Na??  Mal ganz originell.

    "Bonne année à tous. Grâce à vous, on peut dire bonne année même au mois de février ! Voilà un apport symbolique de l'Asie à la culture française !" Nicolas Sarkozy, 16.2.2010

    Niedlicher sind auf jeden Fall diese Kätzchen.

     Und ich freue mich über den 3333. Besucher in diesen Minuten.

    Adventskalender


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