• Textbausteine – Ein Fortsetzungsdrama mit ungewissem Ausgang

    Saint Paul de VenceTextbausteine – Ein Fortsetzungsdrama mit ungewissem Ausgang©

     

     1. Akt

    8 Uhr morgens auf Schloss Guttenberg. Stephanie und Karl Theodor sitzen beim Frühstück.

    Karl Theodor legt die Bildzeitung beiseite und räuspert sich.

    Karl Theodor: Sag mal, Steffi, gab es eigentlich schon mal einen Bundeskanzler ohne Hochschulstudium und Doktortitel?

    Stephanie (legt die FAZ beiseite): Zählen Dr. hc. auch?

    Karl Theodor: Klar doch.

    Stephanie: Ja, dann nur Willy Brandt.

    Karl Theodor: Ausgerechnet!

    Stephanie: Aber wer weiß, vielleicht hatte er ja einen Doktorhut aus Moskau oder Zielona Góra und hat nicht damit angegeben. Er hatte ja kein richtiges Gefühl für Ehrungen und Titel.

    Karl Theodor: Komischer Kauz! Das hätte doch den Makel seiner Geburt etwas gelindert.

    Stephanie (bearbeitet ihr Laptop): Bei wikipedia steht nichts. Auch nichts von Studium.

    Karl Theodor seufzt schmerzerfüllt.

    Stephanie: Aber Schatz, du hast doch Jura studiert. Und Politikwissenschaft. Was ist eigentlich daraus geworden?

    Karl Theodor: Ach, frag nicht, das war in München, da hatte niemand Respekt vor meinem guten Namen.

    Stephanie: Zum Glück ist das in Bayreuth anders.

    Karl Theodor: Das will ich doch hoffen. Aber Bayreuth, na, du weißt schon.

    Stephanie: Was quält dich denn eigentlich?

    Karl Theodor: Ach, manchmal komme ich mir so unbedeutend vor. Aber darum habe ich beschlossen: Wir werden Kanzler.

    Stephanie (kichert): WIR waren schon Kanzler. Ich meine, wir, die von Bismarcks.

    Karl Theodor (stöhnt gequält): Siehst du, nicht mal du nimmst mich ernst. Und ohne Doktortitel ist Kanzlersein peinlich. Ich bin doch kein Sozi.

    Stephanie: Sollen die Bayreuther dir doch einen Dr. hc. geben.

    Karl Theodor: Bloß wofür?

    Stephanie: Bestgekleideter CSU-Politiker mit perfekter Frisur?

    Karl Theodor: Hast du etwa mehr zu bieten?

    Stephanie: Schon gut.

    Karl Theodor: Ich muss halt eine Dissertation schreiben, so machen es andere auch.

    Stephanie: Ach Gutti, andere können das aber auch. Und die lesen irre viel. Das braucht Zeit. Willst du Jahre deines Lebens am Bücherstaub schnüffeln, während draußen der Champagner fließt?

    Karl Theodor (grummelt): Champagner wäre gut, aber da draußen fließt ja immer nur Weißbier. Ich muss hier raus.

    Stephanie: Nimm doch mal meine Zeitung und lies ein Stück. Wenn dir das gefällt, kannst du es ja versuchen.

    Karl Theodor (nimmt die FAZ): Das ist brillant formuliert, ich würde es glatt so übernehmen. (1)

    Stephanie (versonnen): So könnte es klappen. Schatz, ich rufe mal ein paar Bekannte an, ich habe eine Strategie.

    Karl Theodor: Was würde ich ohne dich tun. Ich geh dann mal meine Haare gelen, du machst das schon.

    Stephanie: Mach ich. Du schreibst deine Dissertation und ich kümmere mich um Kinder und Welpen, dann werden wir Kanzler der Herzen.

    Einige Minuten später, Stephanie ist am Telefon.

    Stephanie: New York, Florenz, Straßburg, Southampton, Leeds? Verdammte Hacke! (2)

     

    (1) Nicht nur die FAZ formuliert brillant, auch die NZZ.

    (2) Fußnote


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  • Commentaires

    1
    Sigrun Profil de Sigrun
    Lundi 21 Février 2011 à 14:46

     Wann gibt es das als Theaterstück? Ich reserviere jetzt schon Karten....

    2
    karinkornelia Profil de karinkornelia
    Lundi 21 Février 2011 à 17:12

    Naa, du musst mitspielen. Den Guttenberg, schließlich kenne ich sonst keine Bayern. Und die Frisur passt auch ziemlich gut.


    Ansonsten keine Gemeinsamkeiten!!

    3
    Sigrun Profil de Sigrun
    Lundi 21 Février 2011 à 17:19

    Ha ha ha.... ok, mache ich...

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